Wien (OTS) – Mit Verwunderung hat der Handelsverband die Aussendung
von
Oesterreichs Energie, der Interessenvertretung der E-Wirtschaft, vom
Freitag zur Kenntnis genommen. Der Handelsverband setzt sich seit
Monaten für eine versachlichte Diskussion über die Preissteigerungen
in Österreich ein – und zwar auf Basis unstrittiger Fakten.
– Dass Energie seit Jänner 2025 der wichtigste Faktor für den
Preisauftrieb ist, wurde zuletzt u. a. vom WIFO in seiner
Inflationsprognose 2025/26 festgestellt. „ Im Vergleich zur
Inflationsentwicklung im Euro-Raum ist der Bereich Energie 2025 der
dominierende die Inflationsdifferenz erhöhende Faktor “, schreibt das
WIFO wörtlich. Im Euro-Raum wirken die Energiepreise hingegen
inflationsdämpfend.
– Laut Statistik Austria verteuerte sich Strom im September 2025 im
Vergleich zum Vorjahresmonat um 35,9 %. Allein dieser Preisanstieg
erhöhte die Inflation um 0,7 Prozentpunkte.
– Die Preise für Nahrungsmittel stiegen lt. Statistik Austria im
selben Zeitraum hingegen lediglich um 3,1 %. Der Einfluss auf die
Inflationsrate betrug lediglich 0,32 Prozentpunkte. Bei einer
Gesamtinflation von 4,0 % wirkte der Nahrungsmittelsektor somit sogar
inflationsdämpfend.
– Dass das Auslaufen staatlicher Unterstützungsmaßnahmen – etwa der
Strompreisbremse, der Wiedereinhebung der Ökostromförderbeiträge oder
der Erhöhung der Netzentgelte – für die kräftigen
Strompreissteigerungen maßgeblich verantwortlich ist, stellt der
Handelsverband nicht in Abrede.
– Richtig ist jedoch auch, dass auch die Großhandelspreise für Strom
weiterhin rund doppelt so hoch sind wie zu Jahresbeginn 2021.
Zwtl.: Hohe Energiekosten belasten gesamte Wertschöpfungskette
„ Die hohen Energiekosten schaden unserer Volkswirtschaft in
allen Stufen der Wertschöpfungskette “, erklärt Rainer Will ,
Geschäftsführer des freien, überparteilichen Handelsverbands. „ Das
beginnt bei der landwirtschaftlichen Erzeugung, setzt sich fort in
der energieintensive Weiterverarbeitung – etwa in Molkereien – im
Transport und in der Lagerung und reicht bis zum Betrieb der
Filialen. Wer behauptet, der Anteil der Energiekosten am
Lebensmittelpreis liege nur bei 2 %, greift viel zu kurz. 64 % des
Verkaufspreises entfallen auf die Warenbeschaffung – und auch da
steckt schon ein erheblicher Energieeinsatz drin. “
Nicht zuletzt wirken sich die hohen Energiekosten auch stark
negativ auf die Kauflaune der Österreicher:innen im Handel aus: So
war die reale Umsatzentwicklung im August im Lebensmittelhandel um –
2,5 % negativ, im Einzelhandel abseits der Nahrungsmittel gingen die
Verkäufe um -2,0 % zurück.
Geradezu skurril mutet vor diesem Hintergrund der Verweis auf die
hohe Marktkonzentration im Lebensmitteleinzelhandel durch
Oesterreichs Energie an. Haben doch E-Control und
Bundeswettbewerbsbehörde in ihrer „Taskforce“ klar den
eingeschränkten Wettbewerb zwischen den gegenseitig aneinander
beteiligten Energieversorgungsunternehmen als eine der Hauptursachen
für die hohen Energiekosten in Österreich identifiziert.
Zwtl.: Kostenbremse statt „Österreich-Aufschlag“ beim Strompreis
Österreich weist schon heute die zweithöchsten Netzentgelte
Europas auf. Vor dem Hintergrund der aktuellen Verhandlungen zum
neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz fordert der Handelsverband daher
eindringlich, auf weitere Belastungen für Wirtschaft und Haushalte zu
verzichten.
„ Jetzt ist vielmehr Entlastung das Gebot der Stunde “, betont
Handelssprecher Will . „ Eine einfach umzusetzende Maßnahme wäre die
erneute Senkung der Elektrizitätsabgabe, die seit Jahresbeginn wieder
bei 1,5 Cent/kWh liegt. “
Zum Vergleich: Die EU-Mindestsätze betragen lediglich 0,1
Cent/kWh für Haushalte und 0,05 Cent/kWh für Unternehmen. Würde
Österreich auf das sogenannte „Gold Plating“ verzichten und nur den
EU-Mindestsatz einheben, könnten die Haushalte 2025 und 2026 um 250
bzw. 280 Millionen Euro entlastet werden, die Unternehmen sogar um
360 bzw. 410 Millionen Euro. Das hat eine Analyse von oecolution
ergeben. So aber liegt Österreich heute bei den Unternehmen im
absoluten Spitzenfeld, bei den Haushalten im oberen Drittel.





