Wien (OTS) – Die Feministinnen in Pakistan ergreifen die Initiative
und lehnen
sich gegen die Ungleichheit der Geschlechter in ihrem Heimatland auf:
Mit dem „Marsch der Frauen“ kämpfen sie für ein Leben ohne
Unterdrückung und Gewalt. Das bringt die engagierten Frauen mit den
konservativen Kräften und insbesondere der religiösen Rechten in
ihrem Land in Konflikt. Im Vorfeld des Internationalen Tages gegen
Gewalt an Frauen (25. November) begleitet die „kreuz & quer“-
Dokumentation „Pakistans starke Frauen“ von Anam Abbas (ORF-
Bearbeitung: Sabine Aßmann) am Dienstag, dem 18. November 2025, um
23.05 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON vier junge Aktivistinnen und ihre
Mitstreiterinnen und Mitstreiter bei ihrer unermüdlichen Arbeit.
Dabei wird nicht nur sichtbar, wie gesellschaftspolitisches
Engagement funktionieren kann. Auch der Mut und die Hartnäckigkeit,
mit der die Frauen für ihre Ziele eintreten, wird spürbar.
Pakistan ist ein gefährliches Land für Frauen. Es zählt weltweit zu
den Ländern mit der größten Ungleichheit zwischen den Geschlechtern,
Gewalt gegen Frauen ist ein massives Problem – trotz erster
progressiver Schritte in der Rechtsprechung. Doch das
fünftbevölkerungsreichste Land der Welt ist auch ein junges Land.
Rund 65 Prozent der pakistanischen Bevölkerung sind unter 30 Jahre
alt. Vor allem bei vielen jungen Frauen steigt die Unzufriedenheit
mit den herrschenden Zuständen. Am 8. März, dem internationalen
Frauentag, gehen zahlreiche Frauen in Karatschi, Lahore und Islamabad
spontan auf die Straße, um ihre Bürgerrechte einzufordern. Eine
eigene Bewegung entsteht, sie nennt sich „Aurat-Marsch“, Marsch der
Frauen. Im Jahr darauf finden diese Frauenmärsche bereits in elf
Städten in ganz Pakistan statt. Die Aurat-Bewegung wächst – und
erhält viel Unterstützung, aber auch Kritik von allen Seiten. Die
Dokumentation setzt ein in der Vorbereitungsphase zum Frauenmarsch.
Sie zeigt die hitzigen öffentlichen Debatten und gibt mit ihren vier
unterschiedlichen Protagonistinnen auch einen Eindruck von der
Vielfalt, die diese aktuelle feministische Bewegung in Pakistan
ausmacht.
Da ist etwa Laila, die sich bereits in verschiedenen feministischen
und sozialistischen Organisationen engagiert und nun unermüdlich für
die Aurat-Bewegung aktiv ist. Die junge Rayhan hat studiert, doch
ihre Familie erwartet letztlich von ihr, zu heiraten und Kinder zu
bekommen. Moneeza ist Juristin und ebenfalls aktiv in verschiedenen
Bewegungen, nun netzwerkt sie für Aurat. Ayesha wiederum hat keinen
privilegierten Hintergrund aufzuweisen und lebt in einem Armenviertel
von Karatschi. Doch das Haus ihrer Familie soll, wie zahlreiche
Nachbarhäuser, einem kommunalen Bauprojekt weichen, ohne dass die
Betroffenen auf einen Ersatz hoffen dürfen. Dagegen wehrt sich die
junge Frau, auch mit Unterstützung der Frauenbewegung. Gemeinsam mit
Laila, Rayhan, Moneeza und ihren Mitstreiterinnen mobilisiert Ayesha
ihre Community, sich lautstark für ihre Frauen- und Bürgerrechte
einzusetzen. Hartnäckig und unbeirrt kämpfen alle vier für ihre
gesellschaftspolitischen Visionen. Doch die unverblümten Forderungen
bringen die Aurat-Bewegung schnell in Konflikt mit den Konservativen
und der religiösen Rechten in Pakistan. Deren Akteure agitieren offen
gegen die Bewegung und ihre Ziele. Es kommt sogar zu gewaltsamen
Angriffen auf die friedlichen Märsche.
Die pakistanisch-kanadische Filmemacherin Anam Abbas ist seit 2018
selbst im Rahmen der Aurat-Bewegung aktiv. Für ihre Dokumentation hat
sie Akteurinnen des Organisationsteams in Karatschi bei den
Vorbereitungen des Aurat-Marschs begleitet. Für die Regisseurin geht
es um eine dringend notwendige Debatte zur Rolle der pakistanischen
Frauen im häuslichen und öffentlichen Raum. Der Staat propagiere ein
Narrativ, das Feministinnen kriminalisiere und die Bewegung
beschuldige, staatsfeindlich zu sein, so Abbas. Ihr Film soll
kontern, indem er die Realität der durchaus mühsamen
gesellschaftspolitischen Basisarbeit zeigt. Dabei wird auch die
Vielfalt der weiblichen Stimmen deutlich, die die aktuelle
Frauenbewegung ausmachen. Entstanden ist ein sehr politischer Film
mit beeindruckenden Protagonistinnen, die sich trotz aller Kritik und
der massiven Angriffe auf die Bewegung nicht zum Schweigen bringen
lassen.





