„Österreichs große Skandale“: Auftakt zu neuer „zeit.geschichte“-Reihe in ORF III am 22. November

Wien (OTS) – „Österreichs große Skandale“ stehen im Mittelpunkt einer
gleichnamigen neuen „zeit.geschichte“-Reihe von ORF III, die am
Samstag, dem 22. November 2025, mit ihren ersten zwei Ausgaben
startet. Das Dokuformat beleuchtet Aufreger der Zweiten Republik,
beginnend mit den Produktionen „Die AKH-Affäre“ (20.15 Uhr) rund um
den bislang größten Bauskandal des Landes und den „Skandal um
Kardinal Groër“ (21.05 Uhr) punkto sexuellen Missbrauchs. Weitere,
erst 2026 gezeigte Folgen befassen sich mit den Affären BAWAG und
BUWOG sowie dem Doping-Skandal. Den insgesamt vierteiligen
Themenabend am 22. November runden Dacapos der Dokumentationen „Tango
Korrupti – Österreich zwischen Korruption und Freunderlwirtschaft“ (
21.55 Uhr) und „Skandalöse Zeiten – Die Aufreger der 1990er Jahre“ (
22.45 Uhr) ab.

Mehr zum Inhalt der ersten beiden Ausgaben von „Österreichs große
Skandale“:

„Die AKH-Affäre“ (20.15 Uhr)

Als im Jahr 1964 die Vorarbeiten zum Neubau des Allgemeinen
Krankenhauses Wien beginnen, ahnt noch niemand, dass es 30 Jahre bis
zur Fertigstellung dauern wird und aus den geplanten Kosten von einer
Milliarde Schilling mehr als 40 Milliarden werden. Damit wurde das
AKH zum teuersten Krankenhaus Europas. 1980, der Bau war bereits weit
fortgeschritten, deckt der ehemalige „profil“-Journalist Alfred Worm
mit Hilfe des Wiener ÖVP-Politikers Erhard Busek ein Netz aus
korrupten Akteuren rund um den Bauherrn der Stadt Wien, Adolf Winter,
auf. Insgesamt 30 Millionen Schilling Schmiergeld mussten damals die
am Bau beteiligten Firmen an Winter auf seine Konten in Liechtenstein
und der Schweiz einzahlen, um Bauaufträge zu erhalten.
Doch das Kartenhaus stürzte ein, der Hauptbeschuldigte Winter wurde
zu neun Jahren Haft verurteilt. Zahlreiche Manager der beteiligten
Firmen erhielten geringere mehrjährige Haftstrafen. Es war dies der
bis dahin größte Nachkriegsskandal in Österreich. Der damalige
Bundespräsident Rudolf Kirchschläger forderte „eine Trockenlegung der
Sümpfe und sauren Wiesen“ – dieser Ausdruck wurde zum geflügelten
Wort, das auch noch heute in manchen Fällen seine Gültigkeit behalten
hat.
Der AKH-Skandal war ein „roter Skandal“, denn die Wiener SPÖ verfügte
zur Bauzeit des AKH in den 1970er und 1980er Jahren über eine
absolute Mehrheit in Wien. In den Strudel der Affäre geriet auch der
damalige Finanzminister Hannes Androsch, dessen direkte Verwicklung
juristisch nicht nachgewiesen werden konnte, aber dennoch zum Ende
seiner politischen Karriere beitrug.
Untersuchungsrichterin in der AKH-Affäre war damals Helene Partik-
Pablé, die mit unerbittlicher Härte – oft gegen den Willen der
Staatsanwaltschaft – erfolgreich ermittelte und dadurch in der
Bevölkerung äußerst populär wurde. Später zog sie als FPÖ-Abgeordnete
in den österreichischen Nationalrat ein und trug damit wesentlich zum
Aufstieg der Freiheitlichen in der Zweiten Republik bei.
Die neue ORF-III-Dokumentation zeichnet die damaligen Ereignisse
hautnah nach. Regisseur Alfred Schwarz spricht mit Zeitzeuginnen und
Zeitzeugen und beleuchtet die politischen sowie wirtschaftlichen
Hintergründe und die Folgen, die dieser Mega-Skandal mit sich
brachte.

„Skandal um Kardinal Groër“ (21.05 Uhr)

Was hinter den Mauern der Kirche lange ein offenes Geheimnis war,
wird am 27. März 1995 zur Gewissheit. Das Wochenmagazin „profil“
bringt Missbrauchsvorwürfe gegen den Wiener Erzbischof Hans Hermann
Groër als Titelgeschichte. Ein Tabubruch, der das katholische
Österreich erschüttert. In den folgenden Wochen treten immer mehr
Opfer an die Öffentlichkeit und schildern ihre Erfahrungen. Doch die
Kirche schweigt beharrlich oder dementiert die Vorwürfe. Man bemüht
sich, eine geschlossene Front aufrechtzuerhalten, doch dieser Versuch
gerät ins Wanken. Vor allem die umstrittenen Verteidigungsstrategien,
allen voran jene des Diözesanbischofs von St. Pölten Kurt Krenn,
verschärfen die Debatte und vertiefen die Spaltung innerhalb der
Gläubigen und der Kirche selbst. Die Dokumentation von Judith Doppler
zeichnet die dramatischen Tage rund um die Enthüllung nach und lässt
Medienvertreter:innen, Kircheninsider sowie Zeitzeuginnen und
Zeitzeugen zu Wort kommen. Der Skandal rund um Kardinal Groër wird
zum Wendepunkt im katholisch geprägten Österreich: Hunderttausende
treten aus der Kirche aus, gleichzeitig formiert sich mit „Wir sind
Kirche“ die größte Reformbewegung des Landes. Mit der Einrichtung der
Unabhängigen Opferschutzanwaltschaft wird Jahre später ein
Meilenstein im Umgang mit Missbrauch gesetzt. Der Film erzählt von
Macht, Missbrauch, dem Schweigen einer Institution sowie davon, wie
dieser Skandal nicht nur die katholische Glaubensgemeinschaft,
sondern auch das Verhältnis Österreichs zur Kirche bis heute
verändert hat.

Weitere Details zum Programm von ORF III Kultur und Information
sind unter tv.ORF.at/orf3 abrufbar.