Wien (OTS) – Erfreut zeigen sich die beiden Vertreterinnen aus der
Fachgruppe Wien
Personenberatung und Personenbetreuung, Bibiana Kudziova und Marcela
Tichanek, über die Ankündigung des Sozialministeriums, im kommenden
Jahr Reformen bei der geförderten 24-Stunden-Betreuung umzusetzen.
Beide Vertreterinnen aus der gesetzlichen Interessenvertretung bieten
auch an, Mitglied in der ministeriellen Pflegeentwicklungskommission
zu werden: „Nur wenn die, die es betrifft, ihre Sicht der Dinge
einbringen, wird eine Reform auch wirklich zielführend sein.“
„Dass sich das Ministerium, wie angekündigt, besonders um den
Bereich Qualitätssicherung in der durch das Ministerium geförderten
Betreuung kümmern wird, ist ein Schritt in die richtige Richtung,“
betont Tichanek, die die Berufszweigsprecherin der Organisationen von
Personenbetreuung („Vermittlungsagenturen“) in der Fachgruppe ist.
Die Expertin hofft aber auch, dass den Verantwortlichen bewusst ist,
dass Qualitätssicherung mit Kosten verbunden ist.
Beim Thema der Qualität geht es, wie Tichanek ausführt, vor allem
um zwei Bereiche:
1.
um das Qualitätszertifikat ÖQZ-24 für Organisationen von
Personenbetreuung und
2.
um Qualitätssicherung vor Ort zu Hause bei den betreuten
Klientinnen und Klienten durch den – im Idealfall einmal wöchentlich
stattfindenden – Besuch diplomierter Pflegefachkräfte. Diese leiten
die selbständig tätigen Betreuungskräfte bei bestimmten spezifischen
Arbeiten (z.B. Blutzuckermessungen, Verbandswechsel, ….) an. Um
diese Qualitätsbesuche finanzieren zu können, brauchen die betreuten
Klientinnen und Klienten, so Tichanek, eine weit höhere Förderung des
Sozialministeriums als die derzeit 800 Euro im Monat. Ein wichtiger
Schritt wäre auch, aus der Sicht der Berufszweigsprecherin, eine
gesetzliche Verankerung der Pflicht aller Organisationen (
Vermittlungsagenturen)zur Einbindung diplomierter Pflegefachkräfte in
die Qualitätssicherung der 24-Stunden-Betreuung.
Qualitätszertifikat ÖQZ-24 steht für überprüfbare und
nachvollziehbare Standards
„Mit dem Qualitätszertifikat ÖQ-Z24 wurde ein wichtiger Schritt
in Richtung Transparenz und Qualitätssicherung gesetzt. Dieses
Zertifikat steht für überprüfbare und nachvollziehbare Standards in
der Betreuung und schafft gleichermaßen Vertrauen für
Betreuungskräfte, Organisationen von Personenbetreuung und Familien“,
erklärt Tichanek. Sie erinnert auch daran, dass das Zertifikat auf
eine Initiative der Fachgruppe Wien, die schlussendlich 2018 vom
Sozialministerium aufgegriffen wurde, zurück geht.
Die 39 Agenturen, die bereits mit dem ÖQZ-24 Zertifikat
ausgezeichnet sind, decken schon jetzt ein Drittel der von
Organisationen vermittelten Berteuungssettings ab. Nächste Jahr
werden es durch weitere zertifizierte Organisationen ca. 40% der
Betreuungssettings sein.
24-Stunden-Betreuung muss der öffentlichen Hand gleich viel wert
sein, wie Betreuung & Pflege in Heimen
Neben der Qualität in der Betreuung geht es auch um mehr
Wertschätzung und damit auch um höhere Honorare für die selbständig
tätigen Betreuerinnen und Betreuer. Für deren gewählte Vertreterin,
Bibiana Kudziova, müssen die derzeit 800 Euro an Förderung dem
gegenübergestellt werden, was die öffentliche Hand für Plätze in
Heimen ausgibt – das sind oft viele tausend Euro!
Kudziova: „Der große Erfolg in der Personenbetreuung war 2007 die
gesetzliche Regelung der 24-Stunden-Betreuung und das Herausführen
derselben aus der rechtlichen Grauzone. Das alles ist nun durch die
jahrelange Vernachlässigung dieses Modells durch die Politik
gefährdet.“
Wie Kudziova nachweist, wurde die Förderung, die an die betreuten
Klientinnen und Klienten ausbezahlt wird, nach der Einführung 2007
erst 2023 valorisiert. Das geschah dann mit einer Inflationsanpassung
in zwei Schritten – nach fast 17 Jahren seit der Einführung – von 550
Euro auf 800 Euro! Kudziova: „Das ist für die betreuten Klientinnen
und Klienten bei weitem zu wenig, um den Betreuungskräften faire, im
EU-Kontext konkurrenzfähige Honorare bezahlen zu können und auch
Maßnahmen zur Qualitätssicherung zu finanzieren.“
Wenn Betreuungskräfte weiter abwandern – wer übernimmt dann die
bisherige Versorgung?
Die Wiener Berufszweigsprecherin der Betreuungskräfte warnt
davor, dass es bei dieser Entwicklung und finanziellen Aushungerung
wieder zu Schwarzarbeit kommen wird bzw. zu einer Abwanderung der
Betreuerinnen und Betreuer ins weit besser bezahlende Ausland (z.B.
D, CH, I).
Die Frage, die Kudziova damit in den Raum stellt, ist, wer sich
dann um die 35.000 in Österreich betreuten Klientinnen und Klienten
kümmern wird: Familienangehörige, die alle einen Job haben oder in
Ausbildung sind, oder mobile Dienste, die schon jetzt weitgehendst
ausgelastete sind, oder Pflegeheime, die entweder keine freien Plätze
haben oder kein Personal, um zusätzliche Bewohner aufzunehmen?
Fachgruppe Wien ist seit Jahren starker Partner der
Betreuungskräfte
Die Fachgruppe Wien ist seit Jahren ein verlässlicher und starker
Partner der Branche Personenbetreuung und setzt dabei immer wieder
richtungsweisende Initiativen:
–
So wurden zum Beispiel alle wichtigen Formulare und Dokumenten in
den Muttersprachen der Betreuungskräfte ausgearbeitet und stehen
ihnen online zur Verfügung.
–
Die Fachgruppe engagiert sich mit Weiterbildungsangeboten für die
kontinuierliche Verbesserung der Betreuungsqualität und die Stärkung
des Berufsbildes.
–
Während der Pandemie hat die Fachgruppe ihre Mitglieder rund um
die Uhr unterstützt: mit aktuellen Informationen, rechtlicher
Begleitung und praktischen Hilfestellungen.
–
Die Fachgruppe Wien hat eine eigene Schlichtungsstelle für die 24
-Stunden-Betreuung eingerichtet, die bei Konflikten zwischen
Betreuungskräften und Organisationen Unterstützung anbietet.
Zu den gelegentlich medial vorgehaltenen Missständen in der
Branche betonen die beiden Vertreterinnen der zuständigen Fachgruppe:
„Jede einzelne Verfehlung, die im Dreieck – betreute Klientinnen und
Klienten, Betreuungskräfte, Organisationen – passiert, ist eine zu
viel. Aber bedenken wir, dass diese Verfehlungen bei österreichweit
35.000 betreuten Klientinnen und Klienten und rund 60.000
selbständigen Betreuungskräften im Promillebereich liegen. Unser
Ehrgeiz geht dahin, durch Maßnahmen zur Qualitätssicherung der
Betreuungssettings und durch Fortbildung der Betreuungskräfte diesen
hohen Standard weiter zu halten.“
„Wir, die gewählten Branchenvertreterinnen, stehen dem
Sozialministerium mit unserer Expertise zur Verfügung. Mit unserem
Wissen und Erfahrung können wir maßgeblich dazu beitragen, die
Betreuung von österreichweit etwa 35.000 Klientinnen und Klienten zu
Hause weiter sicher zu stellen und dabei die Qualität auch
auszubauen“, bieten Bibiana Kudziova und Marcela Tichanek Mitarbeit
bei den vom Ministerium für 2026 angekündigten Maßnahmen bei der 24-
Stunden-Betreuung an.





