Wien (OTS) – „Die Sommerschule kann ein bereicherndes und
entlastendes Angebot
sein“, sagt Ilkim Erdost, Bereichsleiterin Bildung in der AK Wien,
anlässlich des Begutachtungsschlusses für das dritte
Schulrechtspaket, in dem es um die verpflichtende Sommerschule und um
die Deutschförderung geht. „Aber bereichernd und entlastend ist die
Sommerschule nur dann, wenn sie ein interessantes und qualitatives
Angebot für Kinder und Jugendliche ist. Die Betreuungssicherheit für
Eltern ist darüber hinaus zwingend sicherzustellen. Darauf müssen
sich Eltern verlassen können.“ Deshalb verlangt die Arbeiterkammer
mehr Ganztagsangebote in der Sommerschule und eine wissenschaftliche
Begleitung.
Aktuell sind die wenigsten Sommerschul-Angebote ganztägig.
Verpflichtungen zur Sommerschule stellen somit eine zusätzliche
organisatorische Belastung für berufstätige Eltern dar, so Erdost.
Nur wenige berufstätige Eltern können ihre Kinder vor dem Mittagessen
abholen, und das außerschulische Betreuungsangebot in den Ferien ist
nicht mit dem Angebot unter dem Schuljahr zu vergleichen.
Viele Eltern melden ihre Kinder daher zu einem ganztägigen
Feriencamp an oder greifen auf die Unterstützung der Großfamilie
zurück. Das lässt sich nicht mit der Sommerschule kombinieren. Oder
sie müssen die Großeltern oder andere um Unterstützung bei der
Kinderbetreuung bitten, sofern die in Schulnähe sind.
Ein weiterer Ausbau des ganztägigen Angebots ist unabdingbar.
Wichtig sei auch, dass die Standorte der Sommerschule für Eltern und
Kinder gut erreichbar sind, so Erdost: „Eltern müssen in den Ferien
oft abwechselnd Urlaub und Zeitausgleich nehmen oder parallel zum
Homeoffice die Kinder versorgen, damit die gesamte Ferienzeit
abgedeckt werden kann. Das ist weder fair noch sinnvoll.“
Um die Wirkung und die Ergebnisse der Sommerschule gut im Blick
zu behalten, pocht die Arbeiterkammer auf eine wissenschaftliche
Begleitung. Wenn Kinder und Jugendliche dazu verpflichtet werden,
muss es einen Beleg für eine positive Wirkung geben. Es geht dabei
häufig um die Deutschförderung, die ein zentraler Baustein für die
Zukunftschancen der Kinder und Jugendlichen ist. Ziel muss es sein,
zu prüfen, ob die beabsichtigte Wirkung erreicht wird, nämlich dass
die Kompetenzsteigerungen und die Steigerung der Deutschkompetenz
eintreten.
Die geplanten Reformen im Bereich der Deutschförderung begrüßt
die Arbeiterkammer. In Zukunft soll es erfreulicherweise für die
Umsetzung mehr Spielraum und Flexibilität an den Schulstandorten
geben. Damit die Förderung bei Kindern tatsächlich bedarfsgerecht
ankommt, muss diese auf wissenschaftlich gesicherten Grundlagen
beruhen und im Schulalltag funktionieren. Erdost: „Der flexible
Umgang mit Deutschförderung wird nicht nur den Schulalltag
erleichtern, sondern auch die Sprachförderung wirksamer und
zielgerechter umsetzen lassen. Lange sind wissenschaftliche
Erkenntnisse zu der hohen Bedeutung von integrativen
Unterrichtsmodellen ignoriert worden. Es ist ein enorm wichtiger
Schritt und eine gute Nachricht für die Deutschförderung im
Bildungswesen, dass dieser Irrweg endlich verlassen wird.“
Gleichzeitig muss es ausreichend Personal für die Sprachförderung
geben. Erdost: „Gute Sprachförderung braucht ausreichend
qualifizierte Fachkräfte. Hier sind bereits durch die Aufstockung der
zur Verfügung stehenden Stunden wichtige Ressourcen bereitgestellt
worden. Nun braucht es auch gezielte Maßnahmen von der Aus- bis zur
Weiterbildung.“





