Wien (OTS) – Hannah Arendts Positionen zum Jüdischsein, zum
Verhältnis
Israel/Palästina und zu autoritär-totalitären Systemen scheinen
aktueller denn je. Mit dem Biografen Thomas Meyer begibt sich die
„kreuz & quer“-Dokumentation „Hannah Arendt – Eine Jüdin im Pariser
Exil“ von Christian Bettges am Dienstag, dem 16. Dezember 2025, um
23.05 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON in die Zeit ihres Pariser Exils. An
der Seine legte sie die Grundlagen für ihre späteren Werke, durch die
sie Weltgeltung erlangen sollte.
Am 4. Dezember jährte sich der Todestag von Hannah Arendt zum 50.
Mal. Die 1930er Jahre verbrachte die jüdische Publizistin auf der
Flucht vor den Nationalsozialisten im Pariser Exil. Dort rettete sie
Kindern und Jugendlichen das Leben, indem sie ihnen die Flucht nach
Palästina ermöglichte. Arendts Analysen des Antisemitismus, ihre
Forderung nach dem Recht, Rechte zu haben, wie auch ihre
Auseinandersetzung mit der Assimilation von Juden an die
Mehrheitsgesellschaft gründen in diesem Lebensabschnitt. Ebenso
bildete sich ihre prozionistische Sicht auf die Gründung Israels
heraus, die quer zu den Ansichten der rechten Strömung der Bewegung
stand.
Die zum Bestseller avancierte Biografie von Thomas Meyer hat Arendts
Zeit in Paris erstmals gründlich erforscht. Mit Meyer begibt sich die
Dokumentation zu den Wirkungsstätten der politischen Denkerin – so
nach Gurs, einem Internierungslager des Vichy-Regimes im Süden
Frankreichs. Nach Kriegsbeginn wurden hier auch deutsche Jüdinnen und
Juden interniert, die sich in Frankreich aufhielten. In einem kleinen
Zeitfenster wurden manche Häftlinge entlassen, nur knapp entging
Arendt so der Deportation nach Auschwitz-Birkenau.
Erst in ihrer neuen Heimat New York erfuhr Hannah Arendt vom
Holocaust und verfasste ihre eindrucksvollen Thesen zu totaler
Herrschaft als Praxis vollständiger Entmenschlichung. Neben Biograf
Thomas Meyer kommen in der filmischen Annährung an diese Jahre ihres
Lebens der Philosoph Omri Boehm, die Trägerin des Adorno-Preises und
des Hannah-Arendt-Preises für politisches Denken 2025, Seyla
Benhabib, sowie die französische Arendt-Expertin Martine Leibovici
und Marina Touillez, deren Darstellung von Arendts Pariser Exil-
Umfeld in Frankreich intensiv diskutiert wurde, zu Wort.





