Wien (OTS) – „Das Jahr 2026 beginnt für die Immobilienwirtschaft mit
außergewöhnlichen Herausforderungen, die nicht nur einzelne Details
betreffen, sondern die grundlegenden Rahmenbedingungen für
Vermietung, Verwaltung, Vermittlung und Investitionen nachhaltig
verändern“, hielt Roman Oberndorfer, Obmann des Fachverbandes der
Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer
Österreich (WKÖ), heute, Montag, vor Medienvertreter:innen fest.
Konkret betreffen diese Herausforderungen neue gesetzliche
Eingriffe in bestehende Vertragsstrukturen, wachsende regulatorische
Anforderungen, eine weiterhin angespannte Finanzierungslage sowie
zunehmende Rechtsunsicherheit bei langfristigen
Investitionsentscheidungen. Diese Faktoren wirken sich unmittelbar
auf Neubau, Sanierung, Bestandserhaltung und das Angebot an
leistbarem Wohnraum aus.
Der Immobilienwirtschafts-Branchensprecher sieht das Jahr 2026
daher jedenfalls als „Wendepunkt für den Wohnungsmarkt“.
Rückblick: Markt seit Jahren unter Druck
Die österreichische Immobilienwirtschaft steht nicht erst seit
2025 unter massivem Druck. Neben stark gestiegenen Bau- und
Errichtungskosten, massiv erhöhten Zinsen und sehr restriktiven
Kreditvergaberichtlinien haben auch stetig zunehmende regulatorische
Anforderungen das Marktumfeld deutlich verschärft.
Nach Jahren sehr hoher Nachfrage wurde der Markt ab 2022 spürbar
gebremst. Ausschlaggebend dafür waren insbesondere die
Zinsentwicklung, die KIM-Verordnung sowie hohe Baukosten. Viele
potenzielle Käufer:innen mussten ihre Kaufentscheidungen nicht aus
mangelndem Interesse, sondern aufgrund fehlender
Finanzierungsmöglichkeiten verschieben.
Trotz dieser Rahmenbedingungen hat die Branche Verantwortung
übernommen: Immobilien wurden errichtet, Wohnungen laufend verwaltet
und instandgehalten, Mietverhältnisse stabil betreut und Sanierungen
dort umgesetzt, wo sie wirtschaftlich noch darstellbar waren.
„Die Leistungen der gewerblichen Immobilienwirtschaft werden oft
unterschätzt. Dabei sichern Bauträger, Immobilienmakler und
Immobilienverwalter die Versorgung mit Wohnraum und die Qualität
unseres Bestands entscheidend“, rief Fachverbandsobmann Oberndorfer
in Erinnerung.
Vorschau 2026: Neue gesetzliche Rahmenbedingungen
Mit Jahresbeginn 2026 sind das Mietenwertsicherungsgesetz (MieWeG
) sowie neue Befristungsregelungen für Wohnimmobilien in Kraft
getreten. Zusätzlich steht eine umfassende Mietrechtsreform auf der
politischen Agenda der Bundesregierung.
Diese Kombination aus bereits umgesetzten Maßnahmen und
angekündigten weiteren Eingriffen führt in der Branche zu spürbarer
Rechtsunsicherheit – mit direkten Auswirkungen auf bestehende
Mietverträge, Investitionsentscheidungen, Finanzierungsmodelle,
Sanierungen sowie das künftige Wohnungsangebot.
„Investitionen in Wohnraum benötigen stabile, verlässliche und
langfristig kalkulierbare Rahmenbedingungen. Jede zusätzliche
Unsicherheit wirkt sich unmittelbar auf Investitionsentscheidungen
aus“, betonte Oberndorfer.
Neubau, Sanierung und Finanzierung unter Druck
Die Auswirkungen der aktuellen Rahmenbedingungen zeigen sich
besonders deutlich im Neubau- und Sanierungsbereich:
· Die Neubauzahlen befinden sich österreichweit auf einem
historischen Tiefstand.
· Viele Sanierungsprojekte werden verschoben oder ganz abgesagt.
· Die Sanierungsrate liegt deutlich unter den politischen
Zielsetzungen.
· Hohe Baukosten treffen auf steigende regulatorische
Anforderungen.
Ein zentraler Engpass bleibt die Finanzierung. Restriktive
Kreditvergaben, hohe Eigenkapitalanforderungen und große
Zurückhaltung der Banken bremsen selbst wirtschaftlich solide und
nachhaltige Projekte.
„Ohne verlässliche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es keinen
Neubau, keine Sanierung und damit kein ausreichendes
Wohnungsangebot“, unterstrich Oberndorfer.
Mietenwertsicherungsgesetz: Kritik an der Umsetzung
Der Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder hat das
Mietenwertsicherungsgesetz von Beginn an kritisch, aber konstruktiv
begleitet. Ziel war eine zeitlich begrenzte Entlastung, ohne
langfristige Schäden für den Wohnungsmarkt zu verursachen.
Zentrale Forderungen der Branche – insbesondere der Verzicht auf
eine Parallelrechnung sowie eine klare Befristung – fanden jedoch
keinen Eingang ins Gesetz.
„Das Mietenwertsicherungsgesetz ist in der Praxis sehr komplex,
schafft zusätzliche Bürokratie und verunsichert bestehende
Mietverhältnisse. Gleichzeitig bleibt die Wertsicherung
unverzichtbar, um langfristige Verträge fair zu gestalten und
Investitionen abzusichern“, erklärte Oberndorfer.
Rechtssicherheit durch das ZIAG
Positiv bewertet der Fachverband hingegen das Zivilrechtliche
Indexierungs-Anpassungsgesetz (ZIAG), das für mehr Klarheit bei
Wertsicherungsvereinbarungen sorgt.
„Mit dem ZIAG wird bestätigt, was in der Praxis jahrzehntelang
als selbstverständlich galt. Es schafft Rechtssicherheit, Planbarkeit
und schützt das Vertrauen in bestehende Verträge“, erläuterte Rudolf
North, Geschäftsführer des Fachverbandes der Immobilien- und
Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).
Schlüsselthemen Ausbildung und Nachwuchs
Die Immobilienwirtschaft benötigt hochqualifizierte Fachkräfte.
Gleichzeitig steht die Branche vor zunehmendem Fachkräftemangel und
sinkenden Lehrlingszahlen.
Ein zentrales Instrument der Nachwuchsgewinnung ist die
Bundeslehrlingstagung, die heuer vom 22. bis 25. September 2026 an
der Landesberufsschule Tamsweg stattfindet. 321 Lehrlinge haben in
der Vergangenheit von den Branchenexperten lernen können.
„Die Veranstaltung verbindet fachliche Inputs und
Praxisexkursionen und vermittelt jungen Berufsanwärterinnen und –
anwärtern praxisnahes Fachwissen, Motivation sowie
branchenspezifische Kompetenzen. Sie ist ein wichtiger Baustein, um
den Fachkräftenachwuchs für die Zukunft zu sichern“, so Oberndorfer.
Termine und Veranstaltungen 2026: Information, Dialog und
Nachwuchsförderung
Abschließend gibt der Fachverband einen Ausblick auf zentrale
Veranstaltungen im Jahr 2026, die exemplarisch für Information,
fachlichen Austausch und gezielte Nachwuchsförderung in der
Immobilienwirtschaft stehen.
· 14. Jänner 2026 – ImmoWebinar mit FH-Doz. Mag. Christoph
Kothbauer
Online-Veranstaltung zum Thema „Mietenwertsicherungsgesetz 2026“
mit Fokus auf rechtliche Neuerungen, praktische Auswirkungen und
offene Auslegungsfragen.
· 13. Februar 2026 – 20. Ball der Immobilienwirtschaft
Jubiläumsball in der Wiener Hofburg als zentraler
gesellschaftlicher Treffpunkt der Branche mit hoher Sichtbarkeit über
die Immobilienwirtschaft hinaus.
· 2. – 3. Juni 2026 – 51. Bundesimmobilientag in Bad Ischl:
Wichtigstes bundesweites Fachforum der Branche zu rechtlichen
Rahmenbedingungen, Marktentwicklungen, Wohnbau, Finanzierung und
politischem Dialog.
· 22. – 25. Oktober 2026 – 14. Bundeslehrlingstagung an der LBS
Tamsweg
Bundesweite Ausbildungs- und Vernetzungsveranstaltung für
Immobilienlehrlinge mit Fokus auf Praxisnähe, Weiterbildung und
Nachwuchsförderung.
„Diese Veranstaltungen zeigen, dass die Immobilienwirtschaft
konsequent auf Information, Dialog und Ausbildung setzt und
Verantwortung für die Zukunft der Branche übernimmt“, betonte Rudolf
North.
Branchensprecher Oberndorfer: „Österreichs Immobilienwirtschaft
ist Teil der Lösung“
„Die Immobilienwirtschaft ist Teil der Lösung, nicht das Problem.
Ohne gut ausgebildete Fachkräfte, praxistaugliche Rahmenbedingungen
und verlässliche Finanzierungsinstrumente gibt es keinen
funktionierenden Wohnungsmarkt. Wir sind gerne bereit, unser Know-how
und unsere Erfahrung aus der Praxis auch auf politischer Ebene
einzubringen“, so Branchensprecher Roman Oberndorfer abschließend. (
PWK009/JHR)





