Wien (OTS) – Die Veröffentlichung der Jahresinflation für das Jahr
2025 durch die
Statistik Austria wirft erneut ein massives Problem in der
öffentlichen Inflationsdebatte auf: Die aktuellen Zahlen im Warenkorb
„Wohnen, Wasser und Energie“ machen deutlich, wie wichtig eine
differenzierte Betrachtung der Kosten für Wohnen ist. In diesem
offiziellen Warenkorb sind Bereiche zusammengefasst, die sich
unterschiedlich entwickeln. Tatsächlich sind darin die Strompreise
2025 um satte 37,3 Prozent gestiegen.
„Beim Verbraucher entsteht der Eindruck, dass die Hauptmietzinse
inflationstreibend wirken und so das Wohnen teuer machen“, so ÖHGB-
Präsident RA Dr. Martin Prunbauer, der vor falschen
Schlussfolgerungen warnt.
Gestiegene Betriebskosten und Gebühren verstärken den Eindruck
Besonders problematisch ist, dass im Wohnsegment nicht nur die
Hauptmietzinse erfasst werden, sondern auch Betriebskosten, in denen
etwa auch Strom (etwa für die Außen- und Stiegenhausbeleuchtung) und
Gebühren und Abgaben enthalten sind, die im Gegensatz zu den
Mietzinsen kontinuierlich angehoben wurden.
Dauerhafte Einnahmenverluste durch ausgesetzte Indexierungen
Die letzte Anpassung der Richtwerte fand mit 1. April 2023 statt.
Auch die Kategoriebeträge, die für Altmietverträge (Abschluss vor dem
1.4.1994) gelten, wurden zuletzt im Juli 2023 angehoben.
Durch die Aussetzung der Wertanpassung seit 2023 und die
Begrenzung der Anpassung im Jahr 2026 auf 1 Prozent bei den
regulierten Mieten werden der Vermietung insgesamt rund 8 Prozent
entgangen sein. Prunbauer: „Diese enormen Verluste können nicht
nachgeholt werden.“
Reale Mietzinse im Vergleich zur Preisentwicklung gesunken
Besieht man sich anhand der durch die Statistik Austria aktuell
präsentierten Zahlen die Preissteigerung der Hauptmietzinse im
Vergleich zur allgemeinen Preissteigerung zwischen 2020 und 2025 im
Durchschnitt, so sind die Hauptmietzinse real sogar deutlich
gesunken.
Einkommensentwicklung übertrifft Mietanstieg
Die Zahlen bestätigen, dass sich die Mietkostenbelastung
österreichischer Haushalte über die vergangenen Jahre kaum verändert
hat. Die Tariflöhne stiegen jedenfalls stärker als die Mieten.
Prunbauer fasst zusammen: „Die Einkommen haben sich im gleichen
Zeitraum positiv entwickelt. Diese sind gestiegen, nicht aber die
Mieten in gleichem Ausmaß.“
Politik auf Kosten von Eigentum und Investitionen
Dass Vizekanzler und Wohnbauminister Babler es für gut hält,
durch das 5. MILG (Mietrechtliche Inflationslinderungsgesetz) die
Hauptmietzinse erneut einer weiteren Regulierung zu unterwerfen, ist
unverständlich. „Die Mietpreisbremse greift hier ins Leere“, so
Prunbauer, der präzisiert: „Es wird ein Segment bestraft, das für die
hohe Inflation gar nicht verantwortlich ist.“
Das wirkt wie eine Gießkanne für alle Mieter und Mieterinnen,
egal ob reich oder arm und hemmt dringend notwendige Investitionen in
Wohnraum. Die Mietpreisbremse ist weder sozial treffsicher noch
ökonomisch sinnvoll. Der Schaden ist enorm – vor allem für den
Wohnungsneubau, aber auch für Investitionen. All das führt auch zu
erheblichen Nachteilen für die Mieter. Dass der Vizekanzler stolz
verkündet, der Mietpreisdeckel sei nicht budgetwirksam, übersieht,
dass die Politik hier Maßnahmen zu Lasten Dritter – rund 50 Prozent
der Österreicher leben im Eigentum – setzt, die mittelfristig auch
den wohnungssuchenden Mietern erheblich schaden. Die Betriebskosten –
erheblich Kosten der öffentlichen Hand – werden aber nicht reduziert.
Neubau und Wohnraummangel
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache:
Baubewilligungen für Wohnungen sanken von 86.410 (2019) auf
51.473 (2024). Gleichzeitig wuchs die Bevölkerung von 8.932.664 (
1.1.2021) auf 9.216.459 (1.10.2025).
„Wir brauchen mehr Wohnungen, nicht politische Bremsen“, warnt
Prunbauer. „Wer Investoren durch falsche Signale abschreckt,
verschärft die Wohnungsnot, während die Kosten für Energie und die
Gebühren weiterhin steigen.“
Der ÖHGB fordert eine klare Kommunikation: Verbraucher müssen
verstehen, was wirklich die Preise treibt, und die Politik sollte
gezielt dort eingreifen, wo es Sinn macht, statt das Mietsegment zu
bestrafen.
Mehr über den ÖHGB
Der Österreichische Haus- und Grundbesitzerbund (ÖHGB,
www.oehgb.at ) ist die größte freiwillige Interessenvertretung
österreichischer Haus-, Grund- und Wohnungseigentümer. Die
Hauptaufgabe des ÖHGB besteht im Schutz und in der Förderung des
Privateigentums sowie der Wahrnehmung der gemeinsamen Interessen der
privaten ImmobilienbesitzerInnen. Die ca. 30.000 Mitglieder teilen
sich auf die neun Landesverbände auf, die ihren Mitgliedern mit
fundierten Rechts-, Steuer-, Versicherungs-, Bau- bzw.
Finanzierungsberatungen und weiteren, umfangreichen Informations- und
Serviceleistungen, zur Seite stehen. Darüber hinaus betreiben der
ÖHGB und dessen Landesverbände im Interesse der Mitglieder aktive
Standespolitik in der Interessenvertretung auf allen Ebenen.





