Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Behinderungen steigt fünfmal so stark wie im Schnitt – Forderung zur Sicherung des Ausgleichstaxfonds

Wien (OTS) – Die aktuellen AMS-Daten für Februar 2026 zeigen eine
alarmierende
Entwicklung: 17.199 Menschen mit Behinderungen waren arbeitslos
gemeldet – ein Anstieg von 14,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die
Gesamtarbeitslosigkeit wuchs im selben Zeitraum lediglich um 2,9
Prozent. Der Zuwachs der Arbeitslosigkeit bei Menschen mit
Behinderungen ist damit 5-mal so stark wie insgesamt und sogar höher
als der Jänner-Wert.

Menschen mit Behinderungen bleiben zudem deutlich länger ohne
Beschäftigung: durchschnittlich 200 Tage – über zweieinhalb Monate
länger als der Durchschnitt (119 Tage). Auch die
Langzeitbeschäftigungslosigkeit nimmt stärker zu: Im Februar lag der
Anstieg bei plus 18,1 Prozent bei Menschen mit Behinderungen
gegenüber plus 13,9 Prozent insgesamt. Das ergeben Berechnungen von
dabei-austria auf Grundlage von Zahlen des AMS.

Zwtl.: ATF unter Druck – Finanzierungslücke wächst

Der Ausgleichstaxfonds (ATF) ist das zentrale
Finanzierungsinstrument für berufliche Inklusion in Österreich. Er
finanziert österreichweit mehr als 210 Projekte des Netzwerks
Berufliche Assistenz (NEBA) sowie ergänzende Maßnahmen. Rund 2.800
Fachkräfte begleiten jährlich 110.000 Menschen mit Behinderungen und
ausgrenzungsgefährdete Jugendliche – sie eröffnen berufliche
Qualifizierung und vermitteln Perspektiven am Arbeitsmarkt.

Der Bedarf übersteigt jedoch die regulären Einnahmen des ATF.
Zwar hat die Bundesregierung nationale Budgetmittel für 2026–2029 in
Aussicht gestellt, laut Budgetfahrplan sollen sie jedoch Jahr für
Jahr stark sinken: Von 65 Millionen Euro im Jahr 2026 auf 15
Millionen Euro im Jahr 2029.

„Sinkende Bundesmittel bei wachsendem Bedarf und steigenden
Kosten – das ist keine geregelte Finanzierungsstrategie. Dieses
Problem führt bereits für 2026 zu reduzierten Angeboten. Es braucht
eine Neubewertung vonseiten der Regierung, damit sich die aktuelle
Situation nicht Jahr für Jahr verschärft“, sagt Eva Skergeth-Lopič,
die Vorstandsvorsitzende von dabei-austria.

Zwtl.: Wirksame Programme dürfen nicht geschwächt werden

Die NEBA-Programme zeigen nachweislich Wirkung. Im Zeitraum
Jänner bis August 2025 schloss die Arbeitsassistenz österreichweit
rund 6.500 Begleitungen ab.

– 53 Prozent führten zu einer Beschäftigungsaufnahme.

– 86 Prozent dieser Aufnahmen erfolgten am ersten Arbeitsmarkt.

– Bei der Sicherung bestehender Beschäftigung lag die Erfolgsquote
bei 85 Prozent.

Kürzungen hätten unmittelbare Folgen: Weniger Menschen mit
Behinderungen und ausgrenzungsgefährdete Jugendliche könnten
individuell begleitet werden. Sie müssten länger auf Projekte und
Maßnahmen warten, die Abbruchquoten bei Lehrlingen könnten steigen.
Vor allem Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf drohen als erste
aus dem System herauszufallen.

„In Zeiten, in denen die öffentlichen Mittel knapp sind und der
Spardruck im gesamten Land spürbar ist, wird deutlich, wie wichtig
gezielte Förderung für Beschäftigungschancen ist“, sagt Christina
Schneyder, Geschäftsführerin von dabei-austria – Dachverband
berufliche Inklusion Austria. „Es geht um Chancengleichheit, es geht
um soziale Gerechtigkeit.“

Mit der Ratifikation der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich
Österreich verpflichtet, Menschen mit Behinderungen gleichberechtigte
Teilhabe am Berufsleben zu ermöglichen. „Inklusive Arbeit darf nicht
von einzelnen Geldtöpfen abhängen, sondern muss konsequent und
verbindlich umgesetzt werden“, sagt Schneyder.

Zwtl.: Inklusion ist volkswirtschaftlich vernünftig

Berufliche Inklusion wirkt doppelt: sozial und ökonomisch.
Frühzeitige und systematische Unterstützung eröffnet geeignete
Arbeitsplatzperspektiven, bringt den Unternehmen geeignete
Arbeitskräfte und führt dadurch zu nachhaltiger Beschäftigung. Das
stärkt die wirtschaftliche Wertschöpfung und reduziert langfristige
Kosten für Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe.

„Ein Kürzungsplan des Sozialministeriums bei Projektförderungen
zur beruflichen Inklusion aufgrund einer Finanzierungslücke im ATF
ist kontraproduktiv. Es braucht im Zuge der aktuellen Budgetdebatten
eine umsichtige Finanzierungsstrategie, die die Einnahmen stärkt und
die Ausgaben im Ausgleichstaxfonds für die Zukunft wieder ins Lot
bringt“, fordert Eva Skergeth-Lopič.