Ausstellungseröffnung in der Universitätsgalerie der Angewandten: Leonor Antunes im Dialog mit Designer*innen der Wiener Werkstätten

Wien (OTS) – Die Universitätsgalerie der Angewandten präsentiert die
erste
Einzelausstellung der portugiesischen Künstlerin Leonor Antunes in
Wien. In discrepancies with W.W. (in company) setzt Antunes ihre
eigenen künstlerischen Arbeiten in einen Dialog mit Werken von
Designer*innen der Wiener Werkstätte und der ehemaligen k. k.
Kunstgewerbeschule, aus der die Angewandte hervorging. Antunes’
Verwendung von Glasperlen, Seilen, Holz und Stahl resoniert mit den
Materialitäten und dem Handwerk ausgewählter Objekte aus den
Beständen von Kunstsammlung und Archiv der Universität für angewandte
Kunst Wien.

Leonor Antunes’ Interesse an den historischen Entwicklungen und
maßgeblichen Protagonist*innen der Kunst, des Handwerks, des Designs
und der Architektur des 20. Jahrhunderts bildet den konzeptionellen
Rahmen für ihre künstlerische Arbeit. Zugleich versteht sie ihre
Arbeiten als Hommage an Designer*innen, die häufig übersehen oder
marginalisiert wurden. Dies bildet den Hintergrund für ihre
tiefgehenden Recherchen, die jedoch nicht auf einer historischen und
theoretischen Ebene verbleiben, sondern einen engen Austausch mit
professionellen Handwerker*innen umfassen, um neue Wege und Methoden
für den Umgang mit bestimmten Materialien in ihren Kunstwerken zu
entwickeln.
Antunes’ umfangreiches Wissen sowie ihr Archiv fließen in ihre
eigenen Skulpturen und Installationen ein, in denen sie Materialien
wie Seil, Holz, Leder und Messing integriert. Die Beschaffenheit
eines Ausstellungsraums ist dabei für die Künstlerin von größter
Bedeutung. Der Boden und die Decke sowie die Lichtquelle, sei sie
natürlich oder künstlich, spielen eine ebenso große Rolle wie die
ausgestellten Objekte. Antunes: „Ich glaube fest daran, dass Kunst in
einem Kontext existiert, daher sehe ich meine Skulpturen nicht
außerhalb der Räume, in denen sie existieren.“

In Bezug auf Wien hat sich Antunes in der Vergangenheit mit den
Wiener Werkstätten und der österreichischen Malerin, Grafikerin und
Textildesignerin Felice Rix-Ueno (1893–1967) beschäftigt. Bei ihrer
Recherche in den Sammlungen der Angewandten konzentrierte sich
Antunes auf Künstlerinnen und Designerinnen wie etwa Gudrun Baudisch,
Rosa Bonom, Friedl Dicker-Brandeis, Mathilde Flögl, Lilly Jacobsen,
Erika Giovanna Klien, Felice Rix-Ueno, Hilda Schmid-Jesser, Maria
Strauss-Likarz, Margarete Schütte-Lihotzky oder Vally Wieselthier.

Für discrepancies with W.W. (in company) hat Antunes ein visuell
vielschichtiges Ausstellungssystem entworfen, das kleinere Display-
Inseln in den Räumen bildet. Grundlage hierfür ist ein Stuhl, der von
der französischen Architektin und Designerin Charlotte Perriand (1903
–1999) nach einem Arbeitsaufenthalt in Japan in den frühen 1940er-
Jahren entworfen wurde. Damit verweist Antunes auch auf die
Verbindung zwischen japanischem Kunsthandwerk und der Wiener
Werkstätte, der unter anderem Felice Rix-Ueno bis 1930 angehörte. Rix
-Ueno war sowohl in Kyoto als auch in Wien tätig.

Aus Holzelementen konstruiert, ist Antunes’ Ausstellungssystem
potenziell anpass- und erweiterbar. Die alltägliche Funktion des
Stuhls als Sitzgelegenheit wird dabei in einen Sockel und eine
Aufhängevorrichtung umgewandelt. Weitere Ausstellungselemente sind
Tatami-Matten, die die Künstlerin integriert oder zu einem
geometrischen Podest arrangiert. Auf diesen modularen Flächen
ausgestellt sind von der Künstlerin ausgewählte Sammlungsobjekte, wie
etwa Gefäße aus Keramik und Textilien mit geometrischen Mustern. Ihre
eigenen Arbeiten setzt sie dazu ins Verhältnis. Zu sehen sind unter
anderem Skulpturen aus der Serie „Sophie” (2024), die ihre
Inspiration in Zeichnungen, Perlentaschen und Halsketten der
Schweizer Künstlerin und Designerin Sophie Taeuber-Arp (1889–1943)
finden sowie „Felice and Charlotte“ (2025), die sich auf Rix-Ueno und
Perriand beziehen. Verschachtelte, geometrisch gemusterte
Glasperlenstränge unterschiedlicher Farbe, Dicke und Länge
verflechten sich mit vertikalen weißen Stahlstangen bzw. schmalen
länglichen Hölzern.

Antunes’ übergeordnetes Ziel für ihre Ausstellung discrepancies
with W.W. (in company) ist es, ihre eigenen künstlerischen Arbeiten
mit bestimmten Objekten aus Kunstsammlung und Archiv der Universität
für angewandte Kunst Wien in einen Dialog zu bringen und dabei das
insgesamt eigenwillige Interieur der ehemaligen Prälatur im
Heiligenkreuzerhof zu berücksichtigen. Hier treffen mehrere, sehr
spezifische Ebenen von Zeitlichkeit, Form und Materialität
aufeinander und regen zum Nachdenken über die Codes der Darstellung
und des Häuslichen, über Modernismus und Abstraktion,
Zeitgenossenschaft und Synchronizität an. Leonor Antunes beansprucht
damit für sich eine interdisziplinäre Freiheit, die sie bereits in
den wegweisenden künstlerischen Praktiken des frühen 20. Jahrhunderts
findet.

Biografie der Künstlerin
Leonor Antunes (geb. 1972 in Lissabon, Portugal; lebt und arbeitet in
Lissabon und Berlin) studierte zunächst an der Escola Superior de
Teatro e Cinema in Lissabon. 1993 schloss sie ihr Studium der
Bildenden Kunst und Bildhauerei an der Fakultät für Bildende Kunst
der Universidade de Lisboa ab und ging 1998 an die Staatliche
Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe, Deutschland. Ihre
Arbeiten wurden weltweit in zahlreichen Einzel- und
Gruppenausstellungen gezeigt. Ihre jüngste Einzelausstellung war „the
constant inequality of leonor’s days*” im CAM-Centro de Arte Moderna
Gulbenkian, Lissabon, Portugal in 2025. Antunes gestaltete den
portugiesischen Pavillon auf der Biennale in Venedig, Italien im Jahr
2019 und nahm an der Sharjah Biennale, Vereinigte Arabische Emirate (
2015) und der 8. Berlin Biennale (2014) teil.

Details zur Ausstellung:
Leonor Antunes
discrepancies with W.W. (in company)

Kuratiert von Julienne Lorz
26. März – 4. Juli 2026
Eröffnung: 25. März 2026, 18:00

Universitätsgalerie der Angewandten, Refektorium
Heiligenkreuzerhof, Stiege 8, 1. Stock, 1010 Wien
Zugang über Schönlaterngasse 5 / Grashofgasse 3, 1010 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch–Samstag, 14.00–18.00
An Feiertagen geschlossen. Eintritt frei.
Details zum Begleitprogramm: universitaetsgalerie.dieangewandte.at