Geplante Paketabgabe könnte die Falschen treffen: Heimische Händler und Konsument:innen zahlen wahrscheinlich die Rechnung

Wien (OTS) – Die geplante österreichische Paketabgabe, welche für die
Zustellung
von Paketen im Inland zu entrichten sein soll, wird in ihrer
aktuellen Ausgestaltung ihr erklärtes Ziel verfehlen, Fernost-
Plattformen wie Temu und Shein stärker in die Pflicht zu nehmen.
Stattdessen wird sie vermutlich genau jene treffen, die sie
eigentlich schützen sollte: beschäftigungsintensive heimische Händler
und indirekt auch mittelständische sowie KMU-Webshops, die über
Plattformen wie Amazon verkaufen.

Den betroffenen Händlern wird aufgrund der ohnehin kaum
vorhandenen Margen oftmals nichts anderes übrigbleiben, als diese
Paketsteuer an die Endkonsument:innen weiterzureichen. Belastet
werden damit vorrangig heimische Händler und Konsument:innen, während
reine Vermittlerplattformen die Kosten einfach weitergeben werden.

„Wir begrüßen ja, dass die Bundesregierung etwas gegen den
unfairen Wettbewerb im Onlinehandel unternehmen möchte. Die geplante
Paketsteuer könnte aber in der aktuellen Ausgestaltung das Gegenteil
bewirken“, sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will . „Statt
Billigstplattformen aus Drittstaaten, welche Österreich mit
gefährlichen Produkten überfluten, fair zu besteuern, schafft sie
eine systematische Wettbewerbsbenachteiligung für den
österreichischen Handel und eine zusätzliche Kostenbelastung für die
Konsumentinnen und Konsumenten. Im Endeffekt könnte damit ein
Österreich-Aufschlag im Onlinehandel entstehen.“

Zwtl.: Rechnungshof-Bericht zeigt: Vollzugs- und Kontrollinstrumente
fehlen

Das neue Gesetz geht zudem mit bürokratischen Belastungen und
einem hohen Verwaltungsaufwand für die heimischen Händler einher. Die
unterschiedlichen Möglichkeiten des Kaufs (Online; Click&Collect;
Kauf im Geschäft mit anschließender Zusendung des Artikels) sollen
nach den Regelungen unterschiedlich behandelt werden. Diese
unterschiedlich gelagerten Fälle müssten von den Händlern allesamt
separat erfasst werden, um zu ermitteln, wann ein
Versandhandelsumsatz vorliegt, für welchen in weiterer Folge eine
Paketabgabe zu entrichten ist.

Hinzu kommt der Rechnungshof-Bericht vom Februar 2026, wonach die
österreichischen Behörden mit ihrer derzeitigen Infrastruktur nicht
in der Lage sind nachzuvollziehen, wie hoch die Umsätze im
grenzüberschreitenden Versandhandel tatsächlich sind. Daher kann de
facto auch nicht kontrolliert werden, ob von den Steuerschuldnern die
Steuern tatsächlich in korrekter Höhe abgeführt werden.

„Wir sehen bei der geplanten Paketsteuer die Gefahr, dass hier
zwar ein neues Regelungswerk beschlossen wird, der Vollzug dieser
Regelungen aber aufgrund mangelnder Kontrollmöglichkeiten nicht
sichergestellt werden kann. Von solchen Vollzugsdefiziten profitieren
erfahrungsgemäß vor allem Drittstaatenplattformen, während heimische
Händler zusätzlich belastet werden. Selbiges ist bei Steuern, Zoll-
und Abfallwirtschaftsgebühren leider seit vielen Jahren gelebte
Praxis“, erklärt Handelssprecher Rainer Will

Der Handelsverband setzt sich daher auch mit Blick auf die EU-
Zollreform 2028 für eine verstärkte Zusammenarbeit und Vernetzung
zwischen den EU-Mitgliedstaaten sowie einen Ausbau der IT-
Infrastruktur der Zoll- und Steuerbehörden ein.

Zwtl.: Onlinehändler befürchten kontraproduktive Umwelteffekte

Überdies soll die entstandene Steuerschuld nach der Zustellung
eines Pakets nicht mehr wegfallen – auch wenn die bestellten Artikel
vom Empfänger retourniert werden. Dies könnte dazu führen, dass die
Kunden einmalig möglichst viele Artikel bestellen, wobei von
vornherein die Intention besteht, den Großteil dieser Artikel wieder
zu retournieren. So ist es für den Verbraucher etwa vorteilhafter,
gleich eine Vielzahl an Artikel in unterschiedlichen Größen zu
bestellen (da hier nur einmalig die Paketabgabe anfällt), anstatt
zuerst eine Größe zu bestellen und ggf. zu einem späteren Zeitpunkt
eine andere Größe, sollte der Artikel nicht passen (in diesen Fällen
ist die Paketgebühr dann zweimal zu entrichten). Bewusste
Massenbestellungen mit geplanten Rücksendungen verursachen jedoch
unnötige Kosten für die Händler, mehr Verpackungsmüll und zusätzliche
Umweltbelastung.

Zwtl.: Innovationsbremse für den österreichischen Handel

Der E-Commerce ist heute für nahezu alle Österreicher:innen Teil
des Alltags. Gerade die heimischen Händler haben in den letzten fünf
Jahren enorm investiert, um sich an das veränderte Konsumverhalten
anzupassen. Viele Händler kämpfen in diesem neuen Geschäftsfeld immer
noch mit Verlusten. Der Onlinehandel ist längst ein zentraler Pfeiler
der österreichischen Wirtschaft. Laut einer aktuellen Studie von ECO
Austria schafft der E-Commerce rund 13,1 Milliarden Euro an
Wertschöpfung und sichert etwa 250.000 Arbeitsplätze im Land.

„Wir sind Verfechter des stationären Handels, der unsere Stadt-
und Ortskerne lebendig hält. Aber auch der österreichische digitale
Handel ist als Innovations- und Beschäftigungsmotor essenziell. Daher
warnen wir vor gut gemeinten Regelwerken, die in der Praxis heimische
Händler mit Bürokratie überfluten und gleichzeitig im Vollzug zahnlos
bleiben. Der Handelsverband empfiehlt daher eine grundlegende
Überarbeitung des neuen Gesetzes. Wir müssen an der Stimmung und
Zuversicht im Land arbeiten. Die Basis dafür sind planbare und faire
Rahmenbedingungen für unsere Wirtschaft“, so Handelssprecher Rainer
Will abschließend.