Riskante Änderungen bei Basisausbildung

Wien (OTS) – Mit 1. Juni 2026 kommt es zu Änderungen in der
Basisausbildung (
erster Teil der ärztlichen Ausbildung nach dem Studium), die eine
Reihe unerwünschter Nebenwirkungen auslösen könnte. Konkret sollen
Medizinabsolventinnen und -absolventen zumindest teilweise das
Klinisch-Praktische Jahr (KPJ), das sie im letzten Studienjahr in
Kliniken und Lehrkrankenhäusern absolviert haben, auf die neun Monate
dauernde Basisausbildung im Spital anrechnen können.

„Intention der Änderungen ist offenbar, die Facharztausbildung für
Allgemein- und Familienmedizin zu beschleunigen. Das ist aber zu kurz
gedacht“, erklärt Eduardo Maldonado-González, Vizepräsident und
Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte
in Wien, und ergänzt: „Wir sind strikt gegen diese Änderung. Gerade
zu Beginn der Ausbildung im Spital ist es wichtig, einen Einblick in
die Abläufe zu bekommen und sich umfassendes Wissen anzueignen. Zudem
ist noch völlig unklar, welche Teile des KPJ auf die Basisausbildung
angerechnet werden können.“ Das KPJ dient primär dem Erwerb
praktischer Erfahrungen im Rahmen des Studiums unter Anleitung,
während die Basisausbildung bereits mit einer weitergehenden
Einbindung in die ärztliche Tätigkeit und einer schrittweisen
Übernahme von Verantwortung verbunden ist. Maldonado-González: „Das
KPJ ist ein integraler Bestandteil des Studiums und Voraussetzung für
den Beginn der Basisausbildung. Eine Anrechnung auf die
Basisausbildung wird schwierig nachvollziehbar sein, da es
unterschiedliche Voraussetzungen gibt.“

„Welche Teile des KPJ sollen genau angerechnet werden? Nach welchen
Kriterien? Wer stellt sicher, dass die Inhalte wirklich gleichwertig
sind? Zudem wurde noch nicht rechtlich eindeutig beantwortet, ob bei
einem Wechsel ins Ausland nicht genau die fehlende Zeit beanstandet
werden könnte.“ Dass solche einschneidenden Änderungen trotz vieler
offener Fragen nun tatsächlich umgesetzt werden, trotz
vorangegangener Gespräche und Warnungen bezüglich der Schwierigkeiten
in der Umsetzung, ist für Lisa Leutgeb, 1. Stellvertretende Obfrau
der Kurie angestellte Ärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in
Wien, unbegreiflich. Die Ergebnisse der Modul-Umfrage der
Ausbildungsevaluierung der Österreichischen Ärztekammer von 2025
zeigen zudem, dass eine deutliche Mehrheit der österreichischen
Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung dafür ist, die Basisausbildung für
alle beizubehalten. „Es kann nicht sein, dass jetzt über die Köpfe
derer hinweg, die es direkt betrifft, nämlich die jungen Kolleginnen
und Kollegen, eine überstürzte, mangelhaft vorbereitete Änderung in
Kraft treten soll. Wir sind gesprächsbereit und haben konkrete
Lösungen erarbeitet“, betont Leutgeb.

„Zuallererst sollten alle offenen juristischen und organisatorischen
Fragen geklärt und vor allem Gespräche mit den Betroffenen geführt
werden. Viele junge Kolleginnen und Kollegen geraten möglicherweise
bereits ab Juni unverschuldet und ohne ausreichende Informationen in
eine unklare Situation“, stellt Bernhard Schönthoner, Obmann der
Sektion Turnusärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, fest.

Ein weiteres Problem sieht Vizepräsident Maldonado-González auf die
Spitäler zukommen: „Diese Änderung hat gravierende Auswirkungen auf
die Dienstpläne. Wenn zahlreiche Basisausbildungsärztinnen und -ärzte
kurzfristig absagen, verschärft das den Personalmangel in den
Spitälern noch weiter.“