KV-Verhandlungen Gastronomie und Hotellerie: Arbeitgeber pochen erneut auf Sachlichkeit

Wien (OTS) – „Die Arbeitgeberseite hat sich in den laufenden
Kollektivvertragsverhandlungen Schritt für Schritt bewegt und Anfang
dieser Woche erneut ein faires Angebot vorgelegt. Jetzt braucht es
auch auf Arbeitnehmerseite die Bereitschaft, sich ernsthaft zu
bewegen“, erklären die Obmänner und Chefverhandler der
gastgewerblichen Fachverbände in der Wirtschaftskammer Österreich,
Georg Imlauer und Alois Rainer. „Sozialpartnerschaft bedeutet, dass
beide Seiten Verantwortung übernehmen und sich in Verhandlungen
aufeinander zubewegen. Genau das haben wir als Branchenvertreter in
den vergangenen Wochen getan“, so Imlauer und Rainer.

Die Arbeitgeberseite orientiert sich bei den Lohn- und
Gehaltsverhandlungen an Zahlen, Daten und Fakten sowie an dem, was
für die Betriebe wirtschaftlich tragbar ist: Umsätze sind nicht
automatisch Gewinne. Bereinigt um die Inflation stagnieren die
Betriebsergebnisse vieler Betriebe, teilweise sind sie sogar
rückläufig. Dennoch wächst die Beschäftigung in der Branche.

Die Behauptungen der Gewerkschaft vida zu Teilzeitkräften weisen
die Arbeitgeber als unrichtig zurück: „Fakt ist, dass
Teilzeitmitarbeiter:innen, entgegen den Aussagen der Gewerkschaft,
selbstverständlich einen gesetzlichen Anspruch auf einen
Mehrarbeitszuschlag haben. Zusätzlich ist im neuen
Rahmenkollektivvertrag ein Anspruch auf Erhöhung der Arbeitszeit für
Teilzeitmitarbeiter:innen vorgesehen, wenn die Arbeitszeit im Schnitt
um 20 % überschritten wird. Auch wir würden uns mehr Vollzeitkräfte
wünschen, wissen aber, dass die heutigen veränderten Bedürfnisse der
Arbeitnehmer:innen berücksichtigt werden müssen. Teilzeitarbeit ist
für viele eine Notwendigkeit, für andere ein Wunsch. Als
Tourismusbranche sind wir in der Lage all diesen Menschen auch einen
Arbeitsplatz zu bieten“, so Rainer und Imlauer.

„Auch die Unterstellung der Gewerkschaft, man wolle an den
Rahmenbedingungen nichts ändern, entbehrt jeder Grundlage“, so die
Chefverhandler.

Die Kollektivvertragsabschlüsse der letzten Jahre haben zu
Reallohngewinnen geführt, denn sie lagen stets über der Inflation, im
letzten Jahr z.B. um 1 %. Dazu kommen zusätzlich Lohnerhöhungen, die
infolge des neuen Rahmenkollektivvertrags wirksam werden, betonen
Rainer und Imlauer: „Wir haben nun das erste Kalenderjahr, in dem der
neue Rahmenkollektivvertrag uneingeschränkt gilt. Zahlreiche
langjährige Forderungen der Arbeitnehmerseite, die auch lohnerhöhend
wirken, sind darin umgesetzt – von Sonderzahlungen auf IST-Lohnbasis
über die Anrechnung von Vordienstzeiten und von Branchenerfahrung, zu
12 freien Sonntagen pro Jahr, erweiterten Nachtarbeitszuschlägen,
Verbesserungen infolge längerer Betriebszugehörigkeit, bezahlten
Postensuchtagen und Lehrabschlussboni. Auch das gehört zur Realität
dieser Verhandlungen.“

Kritisch sehen Imlauer und Rainer die zunehmende öffentliche
Zuspitzung der Debatte. „Derzeit werden unterschiedlichste Vorwürfe,
arbeitsmarktpolitische Instrumente zur Fachkräftegewinnung und
laufende Kollektivvertragsverhandlungen systematisch öffentlich
miteinander vermischt. Das erzeugt ein verzerrtes Bild der Branche
und erschwert ernsthafte Verhandlungen“, so die beiden Obleute.

„Missstände oder Gesetzesverstöße dürfen selbstverständlich
niemals toleriert werden und müssen konsequent aufgeklärt werden –
gerade auch im Interesse der vielen verantwortungsvoll geführten
Betriebe und Mitarbeiter:innen. Daraus ein Sittenbild der gesamten
Branche zu konstruieren, schadet letztlich den Beschäftigten, den
Unternehmen und dem gesamten Tourismusstandort Österreich“, halten
Imlauer und Rainer fest. „Die arbeitsmarktpolitischen
Rahmenbedingungen für die Beschäftigung von Arbeitnehmer:innen aus
Drittstaaten werden von dutzenden Branchen genutzt und sind kein
Privileg des Tourismus“, stellen die beiden die überzogenen
Ausführungen der Gewerkschaft vida klar. „Unser Ziel bleibt weiterhin
ein tragfähiger Abschluss für Mitarbeiter:innen und Betriebe. Dafür
braucht es allerdings auf beiden Seiten die Bereitschaft, den Fokus
wieder auf konstruktive Verhandlungen und konkrete Lösungen zu
legen“, so Imlauer und Rainer abschließend. (PWK233/ES)