Wien (OTS) – Der österreichische Hochschul- und Wissenschaftsraum
steht aus Sicht
von Wirtschaft und Industrie im Zuge der Hochschulstrategie 2040 vor
zentralen strategischen Weichenstellungen. Ziel dieses Prozesses
solle es sein, die langfristige Leistungsfähigkeit, Innovationskraft
und internationale Anschlussfähigkeit des Hochschulsystems angesichts
gesellschaftlicher, technologischer und wirtschaftlicher
Veränderungen zu sichern. Gerade auch angesichts budgetärer
Herausforderungen braucht es jetzt eine mutige und
zukunftsorientierte Hochschulstrategie, die die Weichen für eine
erfolgreiche Zukunft des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorts
Österreich stellt.
Vor diesem Hintergrund luden Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ)
und Industriellenvereinigung (IV) Vertreterinnen aus Politik,
Wissenschaft und Verwaltung zu einem Round Table um zentrale Befunde
der FORWIT-Analyse sowie die Empfehlungen des internationalen
Sounding Boards zu skizzieren und diese gezielt mit den Anliegen von
Wirtschaft und Industrie zu spiegeln.
„Ein systemischer, sektorenübergreifender Blick im
Hochschulbereich hat besondere Relevanz. Denn eine starke und
innovative Bildungslandschaft gilt als Rückgrat einer robusten
Wirtschaft und trägt zur langfristigen Sicherung von Wertschöpfung
und Arbeitsplätzen in Österreich bei“, betont Melina Schneider-
Lugger, Leiterin der Abteilung für Bildungspolitik, WKÖ, in der
Eröffnung der gemeinsamen Veranstaltung von WKÖ und
Industriellenvereinigung „Smarte Hochschulen und strategische
Allianzen für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorterreich
Österreich 2040“.
Therese Niss, Vorsitzende des Ausschusses für Bildungspolitik der
Industriellenvereinigung, Vorstand der Mitterbauer Beteiligungs-AG
sowie Initiatorin der MINTality Stiftung: „Es ist mir ein zentrales
Anliegen, Antworten darauf zu entwickeln, wie wir unsere Hochschulen
strategisch auf 2040 ausrichten. Klar ist: Ein System kann sich nicht
aus sich selbst heraus ausreichend reformieren. Für internationale
Sichtbarkeit, Performance und Exzellenz – etwa in Forschung oder
Rankings – braucht es neben klug eingesetzten Mitteln vor allem eine
Hochschulstrategie, die den Standortfaktor, Wissenschafts- und
Technologietransfer konsequent in den Mittelpunkt stellt. Nur so
sichern wir Dank entwicklungsstarker und profilbildender Hochschulen
unsere Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und internationale
Anschlussfähigkeit. Dafür gibt es keine Alternative.“
FORWIT: Versäulung der Hochschulsektoren überwinden
„Österreichs Hochschulen hinken international bei vergleichbarem
Input in zentralen Kennzahlen hinterher – sowohl bei der Anzahl der
Absolvent:innen als auch beim Forschungsoutput“, betonte Thomas
Henzinger, Vorsitzender des Rats für Forschung, Innovation,
Wissenschaft und Technologieentwicklung (FORWIT). „Das schwächt nicht
nur den Wissenschaftsstandort, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit
unserer Wirtschaft. Um hier aufzuholen, müssen wir u.a. die
Rahmenbedingungen verbessern: bessere Zugänglichkeit zum und mehr
Planbarkeit im Studium, aber auch attraktivere Karrierestrukturen in
der Forschung. Gleichzeitig gilt es, die Versäulung der
Hochschulsektoren zu überwinden und ihr Verhältnis zueinander zu
justieren. Das gemeinsame Ziel muss sein, die Leistungsfähigkeit und
Effizienz des Hochschulsystems zu erhöhen.“
Julian Hadschieff, CEO und Eigentümer Humanocare Group: „Um im
globalen Wettbewerb bestehen, muss Österreich seine Innovationskraft
halten und weiter ausbauen. Für die Wissenschaftsstrategiearbeit
sollten daher andere strategische Prozesse wie zB Industrie-,
Fachkräfte und LLL Strategie Berücksichtigung finden. Darüber hinaus
sollte Österreich mit seiner dualen Ausbildungstradition jene
Durchlässigkeit schaffen, damit möglichst vielen Talenten eine Chance
gegeben wird.“
„ Eine Kooperation der Hochschulschulen mit der Wirtschaft muss
der Standard werden. Wenn wir Innovation ernst nehmen, sind
Forschung, Lehre und Transfer von Beginn an gemeinsam mit Unternehmen
zu denken“, unterstrich Reinhard Schretter, ehemaliger
Geschäftsführer der Schretter & Cie in Vils, Vorsitzender des
Universitätsrates der Universität Innsbruck und Vorsitzender der IV-
Plattform Universitätsräte. Der Wettbewerb um die besten
Technologiepartner habe sich dramatisch verschärft. Innovation
entstehe heute in hochkomplexen Netzwerken aus Universitäten, Start-
ups, KMU und internationalen Leitbetrieben – „wer hier nicht mit den
Besten kooperiert, verliert den Anschluss. Hier können wir von
ausländischen Spitzenuniversitäten lernen.“
Aus Sicht der Wirtschaftskammer Österreich und der
Industriellenvereinigung gilt es, den Prozess einer
Hochschulstrategie 2040 nun effizient zu nützen, um in der
Gesamtsteuerung die Weichen für die wesentlichen politischen
Reformvorhaben zu stellen. Diese seien neben eines gelingenden
Wissenstransfers, strategische Schwerpunktsetzungen, einer klaren
Profilbildung zwischen den Hochschultypen, inklusive das Heben von
Synergien, eine deutliche Erhöhung der Abschlussquoten sowie eine
verbesserte Anschlussfähigkeit an den Arbeitsmarkt. „Es müssen Hebel
für mehr Innovationskraft und internationale Wettbewerbsfähigkeit,
für eine verstärkte internationale Sichtbarkeit und Exzellenz der
Hochschulen bedient werden, verbunden mit einer klaren Profilbildung
in Lehre und Forschung für den österreichischen Hochschulraum. All
das sei wesentlich, damit Wertschöpfung für den Wissenschafts- und
Wirtschaftsstandort Österreich auch im globalen Wettbewerb gelingen
kann“, heißt es aus WKÖ und IV.
Ein Foto (Fotocredit: Nadine Studeny) zur honorarfreien
Verwendung finden Sie hier (v.l.n.r.: G. Feucht/IV, R.
Schretter/Universitätsrat der Universität Innsbruck, J.
Hadschieff/Humanocare Group, T. Niss/IV, M. Schneider-Lugger/WKÖ,
R.J. Smits/FORWIT, T. Henzinger/FORWIT).





