Digitaler Humanismus gibt Orientierung für Europas digitale Zukunft

Wien (OTS) – Digitaler Humanismus gibt Orientierung für Europas
digitale Zukunft

Zum Auftakt der „Digital Humanism Conference 2026 – Orientation
in turbulent times“ setzt der Forschungsstandort Wien ein starkes
Zeichen für eine menschenzentrierte digitale Transformation. Im
Rahmen der Konferenz wird auch die Gründung des Center for Digital
Humanism (CDH) Vienna bekanntgegeben, das die Zusammenarbeit von
Wissenschaft, Politik und Gesellschaft in diesem Bereich weiter
stärken soll.

„In Zeiten großer Unsicherheit braucht Europa Orientierung“, sagt
Erich Prem, Konferenzleiter und Obmann des Vereins zur Förderung des
digitalen Humanismus, in seinem Eingangsstatement und referenziert
damit das Leitthema der diesjährigen Konferenz, die vom 24. bis 26.
Juni in der ÖAW über die Bühne geht. Über 120 internationale Expert*
innen aus unterschiedlichen Disziplinen haben sich angesagt, um über
die drängendsten Fragen unserer Zeit zu diskutieren. Künstliche
Intelligenz, digitale Plattformen und datengetriebene
Geschäftsmodelle haben die Arbeitswelten massiv verändert und greifen
zunehmend in die Grundlagen persönlicher Autonomie, demokratischer
Entscheidungsprozesse und gesellschaftlicher Selbstbestimmung ein.
Europa erfährt wachsende Abhängigkeiten von außereuropäischen
Technologien, während sie immer stärker zu Instrumenten
wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit, politischer Macht und
geopolitischer Einflussnahme werden. Dies geschieht in einem Ausmaß,
das die digitale Souveränität des Kontinents herausfordert.

Der maßgeblich in Wien entwickelte Digitale Humanismus biete
einen Rahmen, um technologische Entwicklung mit demokratischen
Werten, gesellschaftlicher Verantwortung und europäischer
Handlungsfähigkeit zu verbinden, so Prem. Ziel sei nicht die
Ablehnung des technologischen Fortschritts, sondern eine aktive
Gestaltung. „Auf der Konferenz geht es darum, konkrete Wege in diese
Zukunft aufzuzeigen.“

Das in Wien von Prem koordinierte EU-Projekt The European Digital
Humanism Initiative (EUDHIT) leistet ebenfalls einen wichtigen
Beitrag, weil es sich nicht nur an Wissenschaft und Politik, sondern
auch an Unternehmen richtet, deren Entscheidungen die digitale
Zukunft Europas prägen werden. EUDHIT soll Fortschritte in Richtung
einer verantwortungsvollen Digitalisierung sichtbar und messbar
machen, Investitionen in vertrauenswürdige digitale Technologien
stärken und das Bewusstsein für die gesellschaftliche Bedeutung
digitaler Innovationen in ganz Europa fördern. Der Digitale
Humanismus werde so von einer wichtigen gesellschaftlichen Debatte zu
einem konkreten europäischen Gestaltungsansatz weiterentwickelt.

Prems Resümee: Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und
Zivilgesellschaft stehen vor denselben Herausforderungen. „Die
Gestaltung der digitalen Zukunft kann nur gelingen, wenn jene Kräfte
zusammenarbeiten, die Technologie im Dienst von Mensch und
Gesellschaft entwickeln wollen.“

Zwtl.: Konsequenzen uneingeschränkter Macht

Keynote-Sprecherin Rumman Chowdhury, Gründerin von Humane
Intelligence PBC und ehemalige U.S. Science Envoy for AI, beschrieb
bei der Pressekonferenz die aktuelle Lage in den USA. Sie spricht aus
eigener Erfahrung: Bei Twitter leitete sie das Team META (Machine
Learning Ethics, Transparency, and Accountability), das
algorithmische Verzerrungen und toxische Sprache untersuchte – bis
Elon Musk die Plattform Ende 2022 übernahm. In einem vielbeachteten
Essay im US-Magazin The Atlantic schilderte sie später, wie Twitters
Kultur erodierte und ihr Team aufgelöst wurde. Musks Twitter, heute
X, sei ein Lehrstück dafür, dass Selbstregulierung durch
Technologiekonzerne nicht funktioniere – und dass es echte,
unabhängige Kontrolle brauche.

Was helfen kann, zeigt Chowdhury heute mit Humane Intelligence:
Rechenschaft, die von unten wächst. Die Organisation prüft KI-Systeme
gemeinsam mit einer breiten Öffentlichkeit, über community-getriebene
Audits und öffentliche Bias Bounties, bei denen externe Fachleute
gezielt nach Schwachstellen suchen. Denn Künstliche Intelligenz, so
Chowdhury, sei keine „Black Box“ und keine höhere Gewalt, sondern
Code: von Menschen geschrieben, von Menschen überprüf- und
korrigierbar. Daraus ergebe sich die Frage an Europa. Was kann der
Kontinent tun, was muss er tun? Mit dem Digital Services Act und dem
AI Act habe Europa wichtige gesetzliche Instrumente geschaffen.
Angesichts der Entwicklungen in den USA gehe es nun darum, nicht nur
Regulierung einzufordern, sondern einen menschenzentrierten
Gegenentwurf selbst aufzubauen.

Veronica Kaup-Hasler, amtsführende Stadträtin für Kultur und
Wissenschaft, konkretisiert in ihrer Stellungnahme das klare
Bekenntnis der Stadtregierung sowie der beiden Bundesministerien für
Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) und für Innovation,
Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) zum Digitalen Humanismus. Die
Gründung des CDH Vienna als Zentrum sei für Wien und den
Forschungsstandort folgerichtig. Darum habe die Stadt Wien das
Zentrum auch im Regierungsprogramm verankert und beteilige sich in
den kommenden Jahren erheblich an Aufbau und Betrieb, führt Kaup-
Hasler weiter aus.

Zwtl.: Aufgabe und Mission des neuen CDH Vienna

Universität Wien, TU Wien, Wirtschaftsuniversität Wien und die
Central European University (CEU) haben sich zusammengeschlossen, um
sich diesen Herausforderungen gemeinsam zu stellen. Das CDH Vienna
versteht sich als Drehscheibe und Facilitator. Es wird große
kooperative und interdisziplinäre Forschungs- und Praxisprojekte
designen und durchführen. Es wird Kräfte aus Wissenschaft, Wirtschaft
und Zivilgesellschaft bündeln. Es wird Stakeholder aus Politik und
Verwaltung beraten und den Digitalen Humanismus als zentrales Thema
in die Welt hinaustragen. Dies soll durch wissenschaftliche
Positionen zu Forschung, Technologie und Regulierung; durch gezielte
Politikinitiativen, durch die Zusammenarbeit mit Initiativen für
Digitalen Humanismus in anderen Ländern und durch internationale
Konferenzen und Fellowship-Programme geschehen.

Die Forschercommunities selbst bleiben dort, wo sie hingehören:
an den vier Trägeruniversitäten. Das Zentrum koordiniert und ergänzt
sie und schafft die interdisziplinäre Plattform für Transfer und
gesellschaftlichen Dialog. Bestehende Strukturen wie das Vienna
Doctoral College on Digital Humanism gewinnen einen gemeinsamen
Resonanzraum. Mit dem bestehenden Verein und vielen
Partnerinstitutionen wird es eine enge Zusammenarbeit geben.

In einer Schlüsselperiode der digitalen Revolution, die von einem
Entwicklungsschub in der Künstlichen Intelligenz und von hoher
globaler Machtkonzentration geprägt ist, soll das CDH Vienna eine
starke europäische Gegenstimme werden. Mit globaler Ausstrahlung.

Zwtl.: Interdisziplinarität als Imperativ

Die Botschaft der Rektoren bei der Pressekonferenz lautet: Die
großen Fragen der digitalen Revolution könne keine
Wissenschaftsdisziplin und keine Universität für sich allein lösen.
Interdisziplinarität und Kooperation werden angesichts der zu
erwartenden gesellschaftlichen wie ökologischen Herausforderungen zum
Imperativ. Jede der vier beteiligten Hochschulen bringt besondere
Stärken und Forschungsschwerpunkte ein.

An der Universität Wien sind das insbesondere die international
höchst renommierten Geistes- und Sozialwissenschaften, die unter
anderem danach fragen, was aktuelle und zukünftige technologische
Entwicklungen mit unseren demokratischen Gesellschaften, Sprachen und
Werten machen. Die TU Wien liefert tiefgreifendes Technikverständnis,
aber auch Methoden und Ansätze, um Technologie in Einklang mit
gesellschaftlichen Grundwerten zu entwickeln. Die
Wirtschaftsuniversität Wien bringt eine ökonomische Perspektive auf
die menschenzentrierte Haltung des Digitalen Humanismus ein, z. B.
mit der Frage, wie Wertschöpfung und Verantwortung gemeinsam gedacht
werden können oder wie Teilhabe an technologischer Entwicklung ein
Geschäftsmodell sein kann? Die Central European University (CEU)
beteiligt sich als vierte Partneruniversität mit
Forschungsschwerpunkten zu Demokratie, Ungleichheit, Governance,
Ethik und Philosophie – Disziplinen, welche die rasant
fortschreitende digitale Transformation auf ihre politischen und
institutionellen Implikationen hin einzuordnen suchen.

Designierter Direktor wird Peter Knees, Professor für Informatik
an der TU Wien und UNESCO-Chair for Digital Humanism, unterstützt von
einem Deputy Director und einer operativen Geschäftsführung. Ein
Wirtschaftsplan für die kommenden zehn Jahre liegt vor. Die
offizielle Gründung erfolgt per 1. Juli 2026, die operative Arbeit
nimmt das CDH Vienna im Herbst auf.

Zwtl.: O-Töne

Erich Prem, Konferenzleiter und Obmann des Vereins zur Förderung
des digitalen Humanismus: „Europa braucht einen digitalen Humanismus,
um Grund- und Freiheitsrechte zu sichern, eine für alle fruchtbare
wirtschaftliche Entwicklung zu fördern und seine Souveränität
wiederherzustellen. Wir arbeiten daran.“

Rumman Chowdhury, Gründerin von Humane Intelligence PBC und
ehemalige U.S. Science Envoy for AI: „Bei generativer KI sehe ich
dieselben Herausforderungen wie damals bei den sozialen Medien. Die
entscheidende Frage ist nicht, ob diese Technologie magisch denkt.
Die Frage ist: Wer bestimmt, was Wahrheit ist, und wer bekommt Zugang
zu welchen Informationen? Die Zahl der Menschen, die solche
Entscheidungen treffen, wird immer kleiner. Deshalb habe ich Humane
Intelligence gegründet: ein unabhängiges Netzwerk, das KI testet und
bewertet. Denn die wichtigste Rolle hat nicht, wer eine Technologie
baut, sondern wer entscheidet, was gut und richtig ist. Diesen
Einfluss sollten alle haben.“

Veronica Kaup-Hasler, amtsführende Stadträtin für Kultur und
Wissenschaft der Stadt Wien: „Die großen digitalen Herausforderungen
unserer Zeit brauchen mehr als technologische Antworten – sie
brauchen einen klaren Wertekompass. Wien hat sich in den vergangenen
Jahren als führende Stimme des digitalen Humanismus etabliert. Denn
die Digitalisierung darf nicht dem freien Markt überlassen werden,
sondern muss von uns allen politisch, ethisch und demokratisch
erarbeitet werden. Mit dem CDH Vienna bauen wir diese Position weiter
aus und setzen ein starkes europäisches Zeichen für eine
Digitalisierung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.“

Sebastian Schütze, Rektor der Universität Wien: „Das CDH steht
für eine digitale Transformation im Geist von Humanismus und
Aufklärung. Es bündelt Kräfte aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik
und Zivilgesellschaft. Gemeinsam machen wir den Digitalen Humanismus
international sichtbar und stärken Wien als Ort verantwortungsvoller
Innovation.“

Jens Schneider, Rektor der TU Wien: „Das Vienna Manifesto on
Digital Humanism hat diese Bewegung an der TU Wien begründet – mit
dem CDH Vienna geben wir ihr nun einen institutionellen Ort, an dem
sie wachsen kann. Was die TU Wien einbringt, ist tiefes technisches
Verständnis gepaart mit der Frage, wie Technologie im Einklang mit
gesellschaftlichen Grundwerten entsteht. Technik für Menschen. Genau
diese Verbindung braucht Europa, wenn es digitale Souveränität nicht
nur fordern, sondern gestalten will.“

Rupert Sausgruber, Rektor der WU Wien: „Digitale Transformation
ist kein rein technisches Vorhaben, sondern ein tiefgreifender
wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wandel. Deshalb braucht
Digitaler Humanismus auch die Perspektiven der Wirtschafts-, Sozial-
und Rechtswissenschaften. Die WU bringt ihre Expertise ein, um zu
verstehen, wie digitale Technologien Märkte, Arbeit und Institutionen
verändern und wie Innovation so gestaltet werden kann, dass sie
Teilhabe ermöglicht, Verantwortung stärkt und demokratische Werte
schützt.“

Carsten Q. Schneider, interimistischer Präsident und Rektor der
CEU (nicht vor Ort, Statement schriftlich eingeholt): „Wir müssen
technologische Innovation und demokratische Verantwortung
zusammenführen und genau dies passiert am Center for Digital Humanism
Vienna. Wir als CEU bringen insbesondere die globale Perspektive und
unsere Erkenntnisse bei der Demokratieforschung und unseren Fokus auf
offene Gesellschaften in diese Partnerschaft. Denn digitale Zukunft
muss gerecht und menschlich gestaltet werden.“

Peter Knees, designierter Direktor des CDH Vienna: „Die digitale
Zukunft muss demokratisch und inklusiv gestaltet werden. Dass vier
Wiener Universitäten mit Unterstützung der Stadt Wien, des BMFWF und
des BMIMI ein starkes Statement setzen und das Center for Digital
Humanism gründen, zeigt, dass Wissenschaft und Politik die Zeichen
der Zeit erkannt haben. Gemeinsam kommen wir unserer
gesellschaftlichen Verpflichtung einer verantwortungsvollen
Technologieentwicklung und -anwendung nach.“

Links:

Konferenz: dighum.wien
EU-Projekt: eudhit.eu
Verein: digitalhumanism.at

Aufzeichnung des Livestream:
https://events.streaming.at/pressekonferenz-digitaler-humanismus-
20260624

Fotogalerie: https://www.apa-fotoservice.at/galerie/40014

Im Bild v.l.n.r.: Rubert Sausgruber (Rektor,
Wirtschaftsuniversität Wien), Jens Schneider (Rektor, Technische
Universität Wien), Veronica Kaup-Hasler (Amtsführende Stadträtin für
Kultur und Wissenschaft, Stadt Wien), Erich Prem (Conference Chair,
Obmann des Vereins zur Förderung des digitalen Humanismus), Rumman
Chowdhury (Gründerin Humane Intelligence PBC, ehemalige U.S. Science
Envoy for AI; Keynote-Speakerin der Konferenz), Eva Wittenberg (
Offizielle Vertretung von Carsten Q. Schneider, Central European
University), Sebastian Schütze (Rektor, Universität Wien), Peter
Knees (TU Wien, designierter Leiter CDH Vienna)

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie unter http://bild.ots.at