Wien (OTS) – Die younion-Sportgewerkschaft befragte 158 Spielerinnen
der ersten
und 176 Spielerinnen der zweiten Liga. Die Ergebnisse zeigen: Der
Anteil der Spielerinnen mit einer Profi-Anstellung hat sich seit der
ersten großen Spielerinnenbefragung deutlich erhöht. Gleichzeitig
können viele Fußballerinnen weiterhin nicht vom Sport leben und
tragen einen erheblichen Teil der finanziellen und gesundheitlichen
Risiken selbst. Besonders prekär ist die Situation in der erstmals
untersuchten zweiten Liga.*
Erste Liga: Profi-Anstellungen mehr als verdoppelt
2024 hatten lediglich 26 % der befragten Bundesliga-Spielerinnen
einen Profivertrag. Aktuell geben 53,8 % an, geringfügig, in Teilzeit
oder in Vollzeit angestellt zu sein. Diese Entwicklung darf
allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass nur 8,9 % in Vollzeit
angestellt sind und sich lediglich 12 % Prozent auf den Beruf als
Fußballerin konzentrieren können. 57 % erhalten höchstens 720 Euro
netto als Aufwandsentschädigung im Monat aus dem Verein.
„Dass sich der Anteil der Spielerinnen mit einer Profi-Anstellung
seit 2024 mehr als verdoppelt hat, ist ein Fortschritt und zeigt,
dass öffentlicher Druck und die Arbeit der Spielerinnenvertretung im
Zusammenspiel mit younion-Sportgewerkschaft Wirkung zeigen. Aber 14
Vollzeitverträge in der gesamten Befragung sind noch keine
professionelle Liga. Wer professionellen Sport verlangt, muss auch
professionelle Arbeitsbedingungen schaffen“, sagt younion-
Spielervertreter Thomas Pichlmann.
Hohe Eigenkosten von Profispielerinnen
Ein zentraler Missstand in der ersten Liga: Fußballerinnen zahlen
vielfach selbst dafür, ihren Sport ausüben zu können. 86,7 % der
befragten Spielerinnen müssen eigenes Geld für Ausrüstungsgegenstände
aufwenden. Auch bei der sozialen Absicherung besteht erheblicher
Handlungsbedarf. Nur 37,3 % wissen sicher, dass sie über ihren Verein
unfallversichert sind. Bei 75,9 % übernimmt die Spielerin
Behandlungskosten vollständig oder zumindest teilweise selbst. 78,5 %
waren bereits verletzt, von ihnen hatten 63,7 % mindestens eine
Knieverletzung.
Nebenbeschäftigung in zweiter Liga notwendig
In der zweiten Liga zeigt sich ein völlig anderes Bild. Weniger
als 4 % der Spielerinnen haben eine geringfügige, Teilzeit- oder
Vollzeitanstellung. Für die überwiegende Mehrheit ist Fußball daher
nicht existenzsichernd: 97,7 % arbeiten, studieren oder gehen zur
Schule. Aus dem Verein erhalten 94,2 % höchstens 500 Euro netto im
Monat, 27,5 % sogar überhaupt kein Geld. Gleichzeitig müssen 91,9 %
ihre Ausrüstungsgegenstände selbst bezahlen.
Besonders alarmierend ist die medizinische Absicherung. Nur 4 %
der Spielerinnen wissen sicher, dass sie über den Verein
unfallversichert sind. 71,1 % müssen Behandlungskosten bei
Verletzungen vollständig selbst tragen. Von den verletzten
Spielerinnen fühlten sich 48,2 % vom Verein nicht ausreichend
unterstützt.
„Die Spielerinnen der zweiten Liga absolvieren Training und
Spiele zusätzlich zu Ausbildung oder Beruf. Trotzdem bezahlen neun
von zehn ihre Ausrüstung zumindest teilweise selbst. Wenn sie sich
verletzen, bleiben viele auch noch auf den Behandlungskosten sitzen.
Das sind keine Hobbyfußballerinnen, sondern Leistungssportlerinnen.
Sie verdienen verbindliche Mindeststandards und eine Absicherung, die
sie im Verletzungsfall nicht alleinlässt“, sagt die ehemalige
Nationalteamspielerin und younion-Vertreterin Stefanie Enzinger.
Klare Mehrheit für Kollektivvertrag
Trotz der schwierigen Bedingungen sehen die Spielerinnen die
sportliche Entwicklung insgesamt positiv: In der ersten Liga bewerten
78,5 % die vergangenen drei Jahre als gut oder sehr gut. In der
zweiten Liga sind es sogar 88,9 %. Dieser sportliche Optimismus steht
jedoch im Gegensatz zur wahrgenommenen Professionalität. In der
ersten Liga empfinden 56,3 % die Liga als wenig oder nicht
professionell, in der zweiten Liga sind es 50 %. „Mit der sportlichen
Entwicklung des Frauenfußballs müssen auch Verträge, Einkommen und
soziale Absicherung Schritt halten. Eine Aufwandsentschädigung kann
ein Zuschuss sein, darf aber kein dauerhafter Ersatz für reguläre
Beschäftigung und Sozialversicherung werden“, betont Pichlmann.
Gewerkschaftliche Forderungen
Der Wunsch nach verbindlichen Regelungen ist in beiden Ligen
vorhanden. In der ersten Liga sprechen sich 67,9 % für einen
Kollektivvertrag mit Mindestgehältern sowie geregelten Rechten und
Pflichten aus. In der zweiten Liga sind es 63,6 %. Auch
Trainingscamps für vereinssuchende Fußballerinnen finden breite
Unterstützung: 96,2 % der Spielerinnen der ersten Liga und 94,2 % der
Spielerinnen der zweiten Liga halten ein solches Angebot für
sinnvoll. Der Teilnehmer:innenrekord des diesjährigen Proficamps der
younion-Sportgewerkschaft zeigt, wie groß der Bedarf an diesem
Angebot ist.
Die younion-Sportgewerkschaft fordert daher:
– mehr reguläre und sozialversicherte Beschäftigungsverhältnisse,
– verpflichtende schriftliche Vereinbarungen für alle Spielerinnen,
– klare Regelungen zur Unfallversicherung und zur Übernahme von
Behandlungskosten,
– verbindliche medizinische und sportliche Mindeststandards,
– eine schrittweise Entwicklung hin zu kollektivvertraglich
geregelten Arbeitsbedingungen.
Enzinger: „Seit 2024 hat sich etwas bewegt. Jetzt geht es darum,
aus einzelnen Fortschritten verlässliche Strukturen zu machen. Keine
Spielerin soll sich zwischen ihrer sportlichen Karriere und ihrer
finanziellen oder gesundheitlichen Sicherheit entscheiden müssen.“
*Die Ergebnisse beider Ligen wurden getrennt ausgewertet.
Vergleiche mit 2024 beziehen sich ausschließlich auf die erste Liga.





