Equal Pension Day: Höhere Fraueneinkommen statt Pensionsraub

Wien (OTS) – Am 9. August ist Equal Pension Day. An diesem Tag haben
Männer in
Österreich bereits jene Pensionssumme erhalten, mit der Frauen bis
zum Jahresende auskommen müssen. Frauenpensionen sind heuer
durchschnittlich um 39,4 Prozent niedriger als jene von Männern – das
entspricht einer Lücke von 144 Tagen.

Der Equal Pension Day fällt heuer ausgerechnet mit neuen, für
Frauen gefährlichen Pensionsideen zusammen, wie sie Tirols
Landeshauptmann Anton Mattle derzeit ins Spiel bringt. „Angesichts
der im Durchschnitt niedrigen Frauenpensionen in Österreich ist die
Forderung nach einem Pensionsantritt erst nach 45 Erwerbsjahren an
Zynismus und Geringschätzung kaum zu überbieten, denn insbesondere
für Frauen ist es aufgrund von Kinderbetreuung und der Betreuung von
pflegebedürftigen Angehörigen sehr schwierig diese Anzahl an Jahren
zu erreichen “, sagt vida-Bundesfrauenvorsitzende Olivia Janisch.

„Frauen, die Kinder großgezogen, Angehörige gepflegt und
gleichzeitig in körperlich und psychisch belastenden Berufen
gearbeitet haben, haben doppelt geleistet und sollen dafür bestraft
werden, weil es ihnen unmöglich war 45 Erwerbsjahre zu erreichen?“
Damit landen noch mehr Frauen vor der Pension in der Arbeitslosigkeit
oder müssen vom Krankenstand in den Ruhestand wechseln.

„Besonders hinterhältig wäre Mattles Vorschlag, wenn damit die
Schwerarbeitspension und die Korridorpension abgeschafft werden
sollen“, warnt Janisch vor einem drohenden Pensionsraub.

Gerechte Löhne und Lohntransparenz als Hebel gegen Altersarmut
von Frauen

In Tourismus, Reinigung und Gesundheitsberufen arbeiten
überwiegend Frauen. Gerade in diesen Branchen wird ihre Leistung nach
wie vor zu gering entlohnt. Daher sind spürbare Lohnerhöhungen bei
den Kollektivvertragsabschlüssen notwendig. „Leistungsgerechte
Einkommen sind ein Schlüssel für würdige Pensionen, von denen Frauen
nach ihrem Erwerbsleben auch tatsächlich leben können“, betont
Janisch.

Ein weiterer Baustein für gerechte Einkommen und Pensionen ist
die Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie. Hier besteht
dringender Handlungsbedarf, denn die Umsetzungsfrist ist bereits am
7. Juni 2026 abgelaufen. „Nur wer ungerechtfertigte Lohnunterschiede
kennt, kann sich dagegen wehren“, hält Janisch fest.

Arbeitgeber und ihre Verbände müssten ihre Blockadehaltung
aufgeben, die Bundesregierung endlich liefern. „Es geht um das Recht
von Leistungsträgerinnen auf den Lohn, der ihnen zusteht. Ausreden
sind ein Schlag ins Gesicht der arbeitenden Frauen.“

Mehrstunden mit Überstunden gleichstellen

Fast jede zweite erwerbstätige Frau in Österreich arbeitet
Teilzeit. Bei erwerbstätigen Müttern mit Kindern unter 15 Jahren
liegt die Teilzeitquote sogar bei 74 Prozent, bei Vätern hingegen nur
bei 8,6 Prozent. Überdurchschnittlich hoch ist die Teilzeitquote im
Gesundheits- und Sozialwesen, wo mehr als jede zweite beschäftigte
Person in Teilzeit arbeitet. In der Gebäudereinigung ist es fast die
Hälfte der Arbeitnehmer:innen. Und im Tourismus arbeiten laut
Statistik Austria vier von zehn Beschäftigten in Teilzeit.

„Viele Frauen sehen sich gezwungen, ihre bezahlte Arbeitszeit zu
reduzieren, weil Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen und Beruf
anders nicht vereinbar sind“, erklärt Janisch. Deshalb fordert die
Gewerkschaft vida, Mehrstunden wie Überstunden zu behandeln: Der
Zuschlag für Mehrarbeit soll von derzeit 25 auf 50 Prozent angehoben
werden – und zwar ab der ersten Stunde. Gleichzeitig müsse der
zuschlagsfreie dreimonatige Durchrechnungszeitraum abgeschafft
werden.