Mutmaßlicher „Pedo-Hunter“-Mord in Langenzersdorf ist Mahnung

Wien (OTS) – Die HOSI Wien zeigt sich tief erschüttert über den
mutmaßlichen Mord
an einem 29-jährigen Mann in Langenzersdorf. Nach derzeitigem
Ermittlungsstand soll der tatverdächtige 18-Jährige der sogenannten
“Pedo-Hunter”-Szene zugerechnet werden.

Unabhängig vom Ausgang des Strafverfahrens macht der Fall erneut
deutlich, dass Hass gegen LGBTIQ+-Menschen nicht im luftleeren Raum
entsteht.

„Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen und Freund*innen des
getöteten Mannes. Wir vertrauen darauf, dass die Ermittlungsbehörden
die Hintergründe umfassend aufklären. Gleichzeitig dürfen wir nicht
ignorieren, dass sich Gewalt gegen queere Menschen seit Jahren in
einem gesellschaftlichen Klima entwickelt, in dem Hass gezielt
geschürt und Desinformation millionenfach verbreitet wird“, erklärt
Ann-Sophie Otte, Obfrau der HOSI Wien.

Besonders besorgniserregend ist die Verbreitung des alten
Vorurteils, homosexuelle Menschen mit Pädophilie gleichzusetzen

„Wer queere Menschen ständig als Gefahr für Kinder darstellt, wer
mit Desinformation Angst erzeugt oder bewusst Feindbilder
konstruiert, trägt Verantwortung für das gesellschaftliche Klima.
Worte sind nicht folgenlos. Aus Hass im Netz wird Ausgrenzung im
Alltag und im schlimmsten Fall tödliche Gewalt. Demokratische
Verantwortung bedeutet daher auch, solchen Erzählungen entschieden
entgegenzutreten, anstatt sie aus kurzfristigem politischen Kalkül
weiter zu befeuern“, so Otte.

Bereits im vergangenen Jahr wurden mutmaßliche Täter aus der
sogenannten Pedo-Hunter-Szene wegen schwerer Übergriffe auf LGBTIQ-
Personen ausgeforscht. Die HOSI Wien sieht darin keinen Einzelfall,
sondern Ausdruck einer Entwicklung, vor der die Community seit Langem
warnt.

Die Bundesregierung hat einen Nationalen Aktionsplan gegen Hate
Crime beschlossen

„Die Bundesregierung muss den Nationalen Aktionsplan gegen Hate
Crime endlich mit konkreten Inhalten füllen. Die Expertise der
Zivilgesellschaft liegt längst auf dem Tisch. Was fehlt, ist der
politische Wille zur Umsetzung. Wir brauchen verbindliche Maßnahmen
gegen Hasskriminalität, wirksame Prävention, konsequente Bekämpfung
von Desinformation und Radikalisierung sowie eine nachhaltige
Unterstützung von queeren Beratungs- und Opferschutzeinrichtungen.
Der Schutz von Menschenrechten darf nicht länger aufgeschoben
werden“, fordert Otte.

Die HOSI Wien appelliert an alle demokratischen Kräfte, sich
ihrer Verantwortung bewusst zu sein und jeder Form von
queerfeindlicher Hetze entschieden entgegenzutreten.