Belvedere 21: Friedl Kubelka / vom Gröller. Nicht daheim und doch zu Hause

Wien (OTS) – Friedl Kubelka (* 1946 in London), die sich seit 2009
als
Filmemacherin Friedl vom Gröller nennt, lebt und arbeitet in Wien und
Paris. Seit mehr als fünf Jahrzehnten verfolgt sie mit ihrer
medienübergreifenden Praxis eine konsequente Auseinandersetzung mit
allen Aspekten des Menschseins. Im Fokus stehen dabei psychische
Zustände im Verhältnis zu äußeren Gegebenheiten, zwischenmenschliche
Beziehungen sowie emotionale und moralische Grenzbereiche. Diesen
nähert sie sich mit analytischer Schärfe, Empathie, Humor und großer
Offenheit und setzt dabei die Qualitäten der unterschiedlichen Medien
gezielt ein.

Stella Rollig, Generaldirektorin des Belvedere: Mit dieser
Ausstellung machen wir eine wenig bekannte Werkgruppe sichtbar, die
das Schaffen von Friedl Kubelka / vom Gröller entscheidend vertieft.
Die Gouachen eröffnen einen unmittelbaren, persönlichen Zugang zu
Kubelka /vom Gröllers künstlerischer Haltung und erweitern unser
Verständnis von der außergewöhnlichen Vielschichtigkeit ihres
OEuvres.

Kuratorin Stefanie Reisinger: Kubelka / vom Gröller changiert in
ihrem künstlerischen Schaffen bedacht zwischen konzeptuellen,
intellektuellen und emotionalen Ausdrucksmitteln, ohne dabei ihr
Interesse am Menschsein und an den damit einhergehenden Kuriositäten
zu verlieren. Die Malerei eröffnet ihr aufgrund der Unmittelbarkeit
und der kontemplativen Arbeitsweise in einem bewusst abstrahierenden
Wiedergabemodus Freiheiten in der Schichtung von Erinnerung, Präsenz
und Vorstellung. Wie in all ihren Medien und ihrem Leben ist sie auch
hier schonungslos, widerständig und fordernd.

ZUR AUSSTELLUNG

Innerhalb des Gesamtwerks von Friedl Kubelka / vom Gröller nehmen
die Gouachen und Zeichnungen, von denen bislang rund 150 entstanden
sind, eine besondere Stellung ein. Sie unterscheiden sich formal
deutlich von den Schwarz-Weiß-Filmen und den Analogfotografien:
Farbintensiv und detailreich entfalten sie szenisch verdichtete
Bildräume, in denen sich unterschiedliche Ereigniswelten überlagern.
Stilistisch erweisen sie der Kunstgeschichte Reverenz – von der
Protorenaissance über Gustav Klimt und die Phantastischen Realisten
bis zu Frida Kahlo und Friedensreich Hundertwasser.

Die kleinformatigen Arbeiten auf Papier verhandeln überraschend
bunt und intim Themen wie Leben, Tod, Liebe, Lust, Eifersucht,
Isolation, Freude und Ausgelassenheit. Private Erlebnisse, Wünsche,
Krisen und Träume werden in erzählerische Bildgefüge übersetzt, in
denen Humor und Groteske gleichberechtigt neben Empathie und
analytischer Präzision stehen.

Das Interesse an offenen, nichtlinearen Erzählformen erprobt
Kubelka / vom Gröller auch in einer Gruppe von Filmen, wenngleich
aufgrund der Anforderungen des Mediums anders ausgestaltet. Trotz der
formalen Unterschiede besteht ein enges thematisches
Verwandtschaftsverhältnis zwischen den Laufbildern und den Arbeiten
auf Papier, das in dieser Ausstellung erkundet wird. Bemerkenswert
ist der experimentell-narrative Duktus, der sich speziell in den
Arbeiten auf Papier tagebuchartig ausdrückt und in den Filmen eine
bislang wenig beachtete Qualität aufweist.

Co-Kurator Dietmar Schwärzler: Fragmentierte Handlungsbögen,
widersprüchliche Blickwinkel und uneindeutige Situationen prägen
sowohl die gemalten Bilder als auch die Laufbilder. Slapstickhafte
Momente stehen neben existenziellen Fragestellungen, Traumlogiken
neben analytischen Setzungen.

Dreh- und Angelpunkt von Kubelka / vom Gröllers
gesamtkünstlerischem Schaffen ist seit 1969 das Atelier in der
Gartengasse, das phasenweise auch als Schul- und Wohnraum diente.
Nach ihrer Ausbildung zur Psychotherapeutin und Gruppenanalytikerin (
1988–96) hält Kubelka / vom Gröller hier ihre Sitzungen ab und
gründet 1990 die Schule für künstlerische Photographie sowie 2006 die
Schule für unabhängigen Film . Die Architektur der Ausstellung wurde
in Anlehnung an das Atelier entwickelt und bildet den atmosphärischen
Rahmen für einen chronologischen Rundgang.

Als einziges Museum weltweit hat das Belvedere eine Gouache von
Friedl Kubelka in seinem Sammlungsbestand: Neuffers Zimmer (1974)
zählt zu den frühesten Bildern, die die Künstlerin gemalt hat. Das
Werk verweist auf den prägenden Austausch mit Hans Neuffer, der
Kubelka Anfang der 1970er-Jahre – parallel zu ihren ersten
fotografischen und filmischen Arbeiten – zum Zeichnen und Malen
ermutigte.

Zur Ausstellung erscheint im Verlag der Buchhandlung Walther und
Franz König der Katalog Friedl Kubelka / vom Gröller. Nicht daheim
und doch zu Hause / Home but Not at Home mit Beiträgen von Salvador
Amores, Magdalena Arau, Pierre Bal-Blanc, Naz Dinçel, Friedl Kubelka
/ vom Gröller, Christine Macel, Andréa Picard, Stefanie Reisinger,
Stella Rollig, Dietmar Schwärzler und Alena J. Williams.

Eine Ausstellung des Belvedere, Wien, in Kooperation mit
sixpackfilm , Wien.
Mit Dank an die Franz West Privatstiftung und WIENER TIMES.

Weitere Informationen und Pressebilder zur Ausstellung stehen
HIER zum Download bereit.