„Das Pantanal“: „Universum“ präsentiert Brasiliens geheimnisvolle Wasserwelt

Wien (OTS) – Es ist eines der größten Binnenland-Feuchtgebiete der
Erde: das
Pantanal im Herzen Südamerikas. Fast ein halbes Jahr hindurch stehen
hier dank der ergiebigen Regenzeit Tausende Quadratkilometer Land
unter Wasser. Überschwemmungen und Trockenphasen im Wechsel schufen
über Jahrmillionen ein dichtes Mosaik aus Seen, Sümpfen und kleinen
Flussläufen. Ein Paradies für viele Tier- und Pflanzenarten, für
seltene Säugetiere und Vögel, die im brasilianischen Pantanal ein
letztes Refugium finden. Inmitten einer Umgebung, die durch
Abholzung, Viehzucht und Ackerbau stark in Mitleidenschaft gezogen
wurde. Hier liegen Jaguare und Pumas auf der Lauer, Kaimane und
Riesenotter kämpfen um die besten Fischgründe. Hyazinth-Aras, die
größten Papageien der Welt, bevölkern in Gruppen lautstark die
dichten Baumkronen. Darunter graben Gürteltiere tiefe Erdbauten und
Ameisenbären schicken ihre lange Zunge auf Termitenjagd. Doch nicht
alles ist perfekt – der Regen wird stetig weniger. Und vom Regen
hängt alles Leben im Pantanal ab, wie die „Universum“-Dokumentation
„Das Pantanal – Brasiliens geheimnisvolle Wasserwelt“ von Christoph
und Almut Hauschild am Dienstag, dem 9. September 2025, um 20.15 Uhr
in ORF 2 und auf ORF ON zeigt.

Pântano – auf Portugiesisch bedeutet dieses Wort schlicht: Sumpf.
Ein unspektakulärer Name für eine der spektakulärsten Landschaften
Südamerikas – das Pantanal. Mit einer Fläche von 230.000
Quadratkilometern, in etwa der dreifachen Größe Österreichs, ist es
das größte Feuchtgebiet der Erde. Der überwiegende Teil liegt im
Südwesten Brasiliens, kleinere Gebiete reichen in die Nachbarstaaten
Bolivien und Paraguay. Von November bis März ist Regenzeit. Dann
heißt es „Land unter“ für die Tiefebene, fast zwei Drittel des
Gebietes stehen wochenlang unter Wasser. Ein Schlaraffenland, etwa
für Kaimane. Diese Alligatorenart kommt ausschließlich in Südamerika
vor. Jungtiere werden in den ersten Lebensmonaten von der Mutter
beschützt, während sie selbst vom ersten Tag an nach Fischen und
Insekten jagen. Sofern die Riesenotter-Clans den Kaimanen nicht die
besten Jagdgründe abspenstig machen. Die gut zwei Meter langen
Wassermarder sind stark gefährdet und nur noch an bestimmten
Flussläufen im Pantanal relativ häufig anzutreffen. Sie leben in
Gruppen von etwa zehn Tieren, die sich einen geräumigen Bau in den
Böschungen der Flussufer teilen.

In den Baumkronen der Waldinseln auf den höher gelegenen
Geländeflächen herrscht ein buntes Durcheinander. Himmelblaue
Hyazinth-Aras konkurrieren mit den knallrot-grünen Grünflügel-Aras um
die besten Nistplätze. Die farbenfrohen Kampfgeschwader liefern sich
jedoch keine gefährlichen Schlachten. Meist siegt das himmelblaue
Papageienpaar, denn die stattliche Körpergröße von einem Meter ist
oft ein schlagendes Argument. Auf dem Boden haben Einzelgänger wie
der Ameisenbär andere Sorgen. Er ist viele Stunden am Tag damit
beschäftigt, seinen Magen voll zu bekommen. Schwierig, vor allem bei
der „einseitigen“ Kost: Die zwei Meter langen Tiere ernähren sich
ausgerechnet von Ameisen und Termiten. Auf der langen Zunge bleibt
auch viel Erdreich haften, sodass die tatsächlich verdaubare Menge an
Nahrung höchstens 200 Gramm pro Tag beträgt. Eine spärliche Diät für
ein Tier dieser Größe. Gleich nebenan kann sich ein
Gürteltierweibchen einem Verfolger-Tross an potenziellen Partnern
kaum erwehren. Zur Paarungszeit sieht man die sonst zurückgezogen
lebenden Einzelgänger in Gruppen flinken Schrittes über das Grasland
laufen. Das Weibchen an der Spitze flüchtet immer wieder in eines der
zahllosen Erdlöcher auf der Suche nach der wohlverdienten Auszeit vom
anstrengenden Hochzeitsrennen.

Doch das Paradies ist in Bedrängnis. 2020 erlebte das Pantanal
die schrecklichste Katastrophe der jüngeren Geschichte: Zehn lange
Monate fraßen sich Feuer durch das Sumpfgebiet. Die Ursache: der
fehlende Regen. Der Wasserstand kletterte nicht hoch genug, um auch
die oberen Bodenschichten zu erreichen. Die ausgetrockneten Wiesen
und Wälder brannten wie Zunder, das Feuer verschlang gut ein Fünftel
des gesamten Pantanals. Die Natur wird nach wissenschaftlichen
Schätzungen etwa drei Jahrzehnte benötigen, um diesen Verlust wieder
auszugleichen. Noch kann sich das Pantanal dank seiner Artenvielfalt
und diversen Landschaftsformen selbst regenerieren. Sofern die
kommenden Regenzeiten nicht wieder ungewöhnlich trocken ausfallen.
Auch das riesige Pantanal kann sich dem drohenden Klimawandel
letztlich nicht entziehen.