Wien/Vösendorf/Hamburg (OTS) – Der aktuelle Vorfall in Hamburg, bei
dem angeblich durch einen
mutmaßlichen Wolf in der Stadt vermeintlich eine Frau verletzt wurde,
sorgt europaweit für Schlagzeilen. Tierschutz Austria stellt klar: So
ernst ein solcher Einzelfall zu nehmen ist – er darf nicht dazu
missbraucht werden, Ängste zu schüren und Abschussdebatten weiter
anzuheizen. Denn die Faktenlage ist eindeutig: Der Wolf ist kein
„Problem“, sondern Teil eines funktionierenden Ökosystems – und für
den Menschen nahezu ungefährlich.
„Ein einzelner Vorfall darf nicht zur politischen Rechtfertigung
für Abschüsse werden. Genau das beobachten wir derzeit – und das ist
brandgefährlich für den Artenschutz“, erklärt Madeleine Petrovic,
Präsidentin von Tierschutz Austria.
Zwtl.: Einzelfälle richtig einordnen – seit Jahrzehnten kein
tödlicher Wolfsangriff in Europa
Die wissenschaftliche Datenlage widerspricht klar dem Bild des
„gefährlichen Wolfs“: Seit Jahrzehnten wurde in Europa kein einziger
Mensch durch einen wildlebenden Wolf getötet. Internationale Studien
zeigen zudem, dass Wolfsangriffe extrem selten sind und meist auf
außergewöhnliche Umstände zurückzuführen sind – etwa Tollwut oder
menschliches Fehlverhalten.
„Die Wahrscheinlichkeit, durch einen Wolf zu Schaden zu kommen,
ist verschwindend gering. Viel öfter geraten Menschen z.B. durch
Kuhangriffe in Gefahr. Wer jetzt Angst schürt, handelt gegen besseres
Wissen“, so Petrovic.
Zwtl.: Politische Instrumentalisierung statt Lösungen
Dennoch wird der Wolf zunehmend als Bedrohung inszeniert. In
mehreren österreichischen Bundesländern wird eine gnadenlose
Abschusspolitik gefahren. In Tirol sollen beispielsweise künftig
defacto alle Wölfe als Risikowölfe eingestuft und abgeschossen werden
dürfen.
„Wir haben Teuerung, Gewalt, unsichere Jobs und Kriege – und
politisch wird der Wolf gepusht. Der ‚böse‘ Wolf muss für vieles
herhalten, was menschengemacht ist“, so Petrovic.
Biodiversität schützen heißt Verantwortung übernehmen
Wölfe erfüllen eine wichtige ökologische Funktion und tragen zur
Stabilisierung von Ökosystemen bei. Gleichzeitig zeigt ein Blick über
Europa hinaus die Doppelmoral: Während der Schutz großer Wildtiere
wie Elefanten, Zebras und Wale international gefordert wird, geraten
heimische Arten zunehmend unter politischen Druck.
„Artenschutz endet nicht an der eigenen Haustür. Wer
Biodiversität ernst nimmt, muss auch den Wolf in Österreich
schützen“, betont Petrovic.
„Der böse Wolf gehört ins Reich der Märchen – nicht in die
politische Realität“, so Petrovic abschließend. „Wir empfehlen der
Polizei Hamburg einen unabhängigen Experten oder eine unabhängige
Expertin zur Beurteilung hin beizuziehen, ob es sich tatsächlich um
einen Wolf oder doch um einen Hund gehandelt hat – Hunderassen, wie
der Tschechoslowakische Wolfshund, werden schnell für einen echten
Wolf gehalten.“





