Berlin (OTS) – Sojabohnen, Körnererbsen, Ackerbohnen und Süßlupinen
besitzen eine
Fähigkeit, die andere Kulturpflanzen nicht haben: Mithilfe von
Bakterien können sie Stickstoff aus der Bodenluft für ihr Wachstum
und die Ertragsbildung nutzbar machen. Mineralische Stickstoffdüngung
wird dadurch überflüssig. Das macht sie zu interessanten Kulturen für
eine ressourcenschonendere und resiliente Landwirtschaft.
Stickstoff ist für das Wachstum von Pflanzen unverzichtbar.
Getreide und fast alle anderen Kulturpflanzen müssen deshalb mit
pflanzenverfügbaren Stickstoffverbindungen gedüngt werden. Bei
Sojabohnen, Körnererbsen, Ackerbohnen und Süßlupinen aus der
Pflanzenfamilie der Leguminosen funktioniert die Versorgung anders:
Die auch als Hülsenfrüchte bezeichneten Pflanzen gehen mit ihren
Wurzeln eine Symbiose mit spezialisierten Bodenbakterien ein. Dadurch
können sie atmosphärischen Stickstoff aus der Bodenluft erschließen
und kommen beim Anbau ohne zusätzlichen Stickstoffdünger aus.
Diese Fähigkeit ist nicht nur eine biologische Besonderheit. Sie
ist auch landwirtschaftlich relevant. Die Herstellung mineralischer
Stickstoffdünger benötigt viel Energie und ist mit
Treibhausgasemissionen verbunden. Wo Kulturen ihren Stickstoffbedarf
auf natürlichem Weg decken, kann daher der Einsatz energieintensiv
und treibhausgasrelevant hergestellter Betriebsmittel sinken.
Zugleich liefern die reifen Samen der Hülsenfrüchte pflanzliches
Protein. Die vier Kulturen verbinden damit zwei Anforderungen, die
für die Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung gewinnen: die
effiziente Nutzung von Ressourcen und die Erzeugung proteinreicher
Lebensmittel.
Eine Symbiose im Wurzelraum
Möglich wird die besondere Stickstoffversorgung durch sogenannte
Rhizobien. Diese Bodenbakterien bilden kleine Knöllchen an den
Wurzeln der Pflanzen. Darin wandeln sie atmosphärischen Stickstoff
aus der Bodenluft in mineralische Stickstoffverbindungen um, die von
den Pflanzenwurzeln weitertransportiert und für den Aufbau von Eiweiß
und anderen pflanzlichen Substanzen genutzt werden können.
Die Pflanzen stellen den Bakterien im Gegenzug energiereiche
Kohlenstoffverbindungen zur Verfügung, die sie durch die Fotosynthese
in den grünen Pflanzenteilen erzeugen. Pflanze und Mikroorganismus
profitieren somit voneinander: Die Bakterien erhalten Energie, die
Pflanze Zugang zu einer Stickstoffquelle, die sie allein nicht
erschließen könnte.
Wie gut diese Symbiose funktioniert, hängt von verschiedenen
Faktoren ab. Dazu gehören die Kulturart, die im Boden vorhandenen
Bakterienstämme, das Angebot an frei verfügbarem Mineralstickstoff
und die Witterung. Bei der Sojabohne und auch beim ersten Anbau von
Süßlupinen ist es beispielsweise notwendig, das Saatgut vor der
Aussaat mit geeigneten Rhizobien zu impfen, da in Deutschland oder
Österreich die benötigten Bakterien im Boden nicht oder nicht in
ausreichender Zahl vorhanden sind.
„Hülsenfrüchte zeigen, wie sich die Erzeugung hochwertiger
Lebensmittel mit einem extensiveren Einsatz von Betriebsmitteln
verbinden lässt. Ihre besondere Form der Stickstoffversorgung macht
sie zu wichtigen Kulturen für eine resiliente Landwirtschaft“, sagt
Stephan Arens, Geschäftsführer der Union zur Förderung von Oel- und
Proteinpflanzen e. V. (UFOP).
Mehr als der Verzicht auf Stickstoffdünger
Der Nutzen der Hülsenfrüchte endet nicht mit ihrer eigenen Ernte.
Ihre Wurzeln und Erntereste verbleiben auf dem Acker und werden dort
von Bodenorganismen abgebaut. Dabei gelangen organische Substanz und
Nährstoffe zurück in den Boden. Auch die nachfolgende Kultur kann von
den Wirkungen der Leguminosen profitieren und braucht so selbst
weniger Stickstoffdüngung.
Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt unter anderem von der
angebauten Art, dem Ertrag, der Menge der Erntereste und der weiteren
Bewirtschaftung ab. Pauschale Aussagen über die Höhe einer bestimmten
Düngewirkung sind deshalb nicht möglich. Unbestritten ist jedoch,
dass Körnerleguminosen als Bestandteil der Fruchtfolge eine wichtige
und besondere Funktion übernehmen.
Denn mit Ackerbohnen, Körnererbsen, Süßlupinen oder Sojabohnen
kommt eine zusätzliche Pflanzenfamilie auf den Acker. Der Wechsel
zwischen unterschiedlichen Kulturen kann dazu beitragen, einseitige
Fruchtfolgen aufzulockern und die Vermehrung spezialisierter
Krankheitserreger und Schädlinge zu begrenzen. Voraussetzung dafür
sind ausreichend lange Anbaupausen, denn auch Leguminosen können von
artspezifischen Krankheiten und Schädlingen betroffen sein.
Die Wurzelsysteme der vier Kulturen unterscheiden sich deutlich.
Während einige Arten tiefere Bodenschichten erschließen,
konzentrieren sich andere stärker auf den oberen Wurzelraum.
Gemeinsam ist ihnen, dass sie die biologische Aktivität im Boden
fördern und zur Vielfalt innerhalb landwirtschaftlicher Fruchtfolgen
beitragen können.
Von der Europäischen Union finanziert. Die geäußerten Ansichten
und Meinungen entsprechen jedoch ausschließlich denen des Autors bzw.
der Autoren und spiegeln nicht zwingend die der Europäischen Union
oder der Europäischen Exekutivagentur für die Forschung (REA) wider.
Weder die Europäische Union noch die Bewilligungsbehörde können dafür
verantwortlich gemacht werden.
Über „DIE VIER VON HIER!“:
„DIE VIER VON HIER! Körnerleguminosen aus Europa für eine
nachhaltige Ernährung“ ist eine Absatzförderkampagne, die von der
Europäischen Union finanziert wird mit den Zielen, Wissen über
europäische Körnerleguminosen zu vermitteln, deren Image zu
verbessern und damit Verhaltensänderungen bei den Konsumentinnen und
Konsumenten hin zu einer ausgewogenen und nachhaltigen Ernährung
anzustoßen. Diese Kampagne wird von der Union zur Förderung von Oel-
und Proteinpflanzen e. V. von Februar 2024 bis Januar 2027 in
Deutschland und Österreich durchgeführt.
Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V. (UFOP):
Die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V. (UFOP)
vertritt die politischen Interessen der an der Produktion,
Verarbeitung und Vermarktung heimischer Öl- und Eiweißpflanzen
beteiligten Unternehmen, Verbände und Institutionen in nationalen und
internationalen Gremien. Die UFOP fördert Untersuchungen zur
Optimierung der landwirtschaftlichen Produktion und zur Entwicklung
neuer Verwertungsmöglichkeiten in den Bereichen Food, Non-Food und
Feed. Die Öffentlichkeitsarbeit der UFOP dient der Förderung des
Absatzes der Endprodukte heimischer Öl- und Eiweißpflanzen.
Aktuelle Ernährungsempfehlungen zu Körnerleguminosen (
Hülsenfrüchte):
Deutschland: https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/gut-essen-und-
trinken/dge-ernaehrungskreis
Österreich: https://www.oege.at/wissenschaft/10-ernaehrungsregeln
-der-oege/
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