Wien/Klagenfurt (OTS) – Für Besitzerinnen und Besitzer von
Photovoltaik (PV)-Anlagen stellt
sich die Frage: lohnt sich ein Batteriespeicher in meinem konkreten
Fall? Wenn ja: welcher ist optimal? Um datenbasiert die richtige
Entscheidung zu treffen, benötigt man detaillierte Lastprofile sowie
eine Software, um die Auslastung einer potenziellen Batterie zu
simulieren. Während die Daten zu Verbrauch, Produktion und
Einspeisung üblicherweise vorliegen, scheitert es an der Berechnung.
Ein Forschungsteam von Fraunhofer Austria hat im Rahmen des FFG-
Forschungsprojekts iLESS ein prototypisches Programm entwickelt und
dieses als „Proof of Concept“ auf Testhaushalte angewendet. Das
Ergebnis: In einem Haushalt mit typischen Haushaltsgeräten und einer
Wärmepumpe amortisiert sich eine 5 kWh Batterie erst nach acht
Jahren. Die von Anbietern oft empfohlene 10 kWh Batterie wäre viel zu
groß.
„ Wir haben in unserer Recherche zu erneuerbaren Energien
festgestellt, dass es keine frei verfügbaren Rechner gibt, die es
Privatpersonen ermöglichen, den für sie optimalen Batteriespeicher
auszuwählen ,“ erklärt Marco Hudelist, Projektleiter beim Fraunhofer
Austria Innovationszentrum Digitalisierung und Künstliche Intelligenz
(KI4LIFE). „Daher haben wir mithilfe eines prototypischen Planspiels
gezeigt, wie so ein Rechner datenbasierte Entscheidungen ermöglichen
könnte.“
Wer sich mit dem Kauf eines Batteriespeichers auseinandersetzt,
hat die für die Simulation benötigten Daten meist schon vorliegen:
die Effizienz der PV-Anlage sowie der Batterie, den Preis der
Batterie in Ꞓ/kWh, die Installationskosten, den Strompreis für
zusätzlich bezogene Energie sowie den Preis, den man für
Einspeisungen erhält. Zusätzlich muss das Lastprofil vorliegen, das
Stromverbrauch und -produktion im genauen Zeitverlauf abbildet.
Dieses liefern moderne Smartmeter. In der Simulation wird dann
festgestellt, wie sich der Ladezustand der Batterie im Zeitverlauf
entwickelt.
„ Man sieht in der Simulation genau, ob eine Batterie mit einer
bestimmten Größe in dieser Konfiguration überhaupt jemals voll werden
würde, wann Strom ins Netz gespeist und wann Batteriestrom verbraucht
werden würde “, erklärt Claudia Maußner, wissenschaftliche
Mitarbeiterin bei Fraunhofer Austria.
Das Programm liefert schlussendlich eine Tabelle, die die
Batteriegröße ihrer jeweiligen Amortisationszeit gegenüberstellt.
Hier zeigt sich: die oft empfohlenen 10 kWh Batterien sind für einen
typischen Haushalt tendenziell nicht wirtschaftlich. Auch eine
wesentlich günstigere 5 kWh Batterie rentiert sich erst nach acht
Jahren – sehr spät, wenn man bedenkt, dass eine typische Batterie-
Lebensdauer zehn Jahre beträgt.
„ Die Entscheidung muss aber nicht allein auf der
Amortisationszeit beruhen. Natürlich kann man sich im Sinne der
Autarkie ganz bewusst für eine größere Batterie entscheiden, auch
wenn diese sich wirtschaftlich nicht rechnet. Uns war es wichtig, den
Menschen Transparenz und Information zu bieten, damit sie
datenbasiert die individuell passende Entscheidung treffen können “,
erklärt Marco Hudelist.
Noch ist das Simulationsprogramm nicht als fertige Software
verfügbar. Da das Programm aus einem Forschungsprojekt hervorging,
handelt sich um einen Prototyp, der derzeit noch eine manuelle
Datenaufbereitung im Vorfeld erfordert. Das Forschungsteam hofft
aber, dass im Sinne der Energiewende der Nutzen eines solchen
Rechners erkannt wird. „ Wir freuen uns, wenn der öffentliche Sektor
die Relevanz wahrnimmt. Ideal wäre auch, wenn zum Beispiel Hersteller
von Batterien oder PV-Anlagen hier die Initiative ergreifen und die
Idee mit unserer Unterstützung zu einer produktiven Software
weiterentwickeln “, sagt Marco Hudelist, der den Simulator Anfang
März auf der International Conference on Agents and Artificial
Intelligence (ICAART) präsentiert hat.





