Wien (OTS) – Mit dem 1. Bregenzer Sommergespräch ist am Dienstagabend
in
Vorarlberg ein neues Forum für den Austausch über internationale
Politik, gesellschaftliche Entwicklungen und die Zukunft Europas
erfolgreich gestartet. Vertreter*innen aus Politik, Wirtschaft,
Medien und politischer Bildung diskutierten vor zahlreichen
interessierten Gästen die großen Herausforderungen. Eröffnet wurde
die Veranstaltung vom Vorsitzenden der SPÖ Vorarlberg Mario Leiter.
In seiner Begrüßung betonte er die Bedeutung Vorarlbergs als
weltoffenes Bundesland im Herzen Europas und unterstrich, wie wichtig
ein breiter gesellschaftlicher Dialog über die großen Zukunftsfragen
sei. Die inhaltliche Einführung gestaltete SPÖ-
Bundesbildungsvorsitzender und Dritter Präsident des Wiener Landtages
Prof. Dr. Gerhard Schmid. In seinem Input spannte er den Bogen von
den historischen Entwicklungen Europas bis zu den aktuellen
internationalen Krisen. Er machte deutlich, dass Europa heute vor
tiefgreifenden Veränderungen stehe und politische Bildung eine
zentrale Voraussetzung sei, um Demokratie zu stärken, Desinformation
entgegenzuwirken und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern. ****
Im anschließenden Podium diskutierten Dr. in Bärbel Kofler,
Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Deutschland, Dr.
Herbert Cordt, Vorsitzender des Aufsichtsrates von RHI Magnesita und
langjähriger internationaler Wirtschaftsmanager, sowie Dr. in Daniela
Kittner, Journalistin und Medienberaterin. Durch die Diskussion
führte der Historiker Flavio Schily, BA.
Im Mittelpunkt standen die geopolitischen Veränderungen einer
zunehmend multipolaren Weltordnung, die Rolle Europas zwischen
internationalen Machtzentren, wirtschaftliche Abhängigkeiten, Fragen
der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie der
Umgang mit Desinformation und technologischen Umbrüchen. Ein
gemeinsamer Tenor der Diskussion war, dass Europa seine
Handlungsfähigkeit weiter stärken, strategische Abhängigkeiten
reduzieren und gleichzeitig an den Grundwerten von Demokratie,
Solidarität und internationaler Zusammenarbeit festhalten müsse.
Darüber hinaus wurde die entscheidende Rolle politischer Bildung
hervorgehoben. Nur gut informierte Bürger*innen könnten demokratische
Prozesse aktiv mitgestalten und komplexe internationale Entwicklungen
einordnen. Die Sommergespräche sollen deshalb künftig regelmäßig Raum
für fundierte Debatten über die langfristigen Herausforderungen
Europas und der Welt bieten.
Dr. in Bärbel Kofler ortete in Europa Rückzug zum Nationalismus.
„Und das ist die falsche Antwort. Rückzug und Angst waren noch nie
eine Antwort auf Herausforderungen, sondern die Frage ist, wie kann
man partnerschaftlich mit anderen Ländern Lösungen für die
Herausforderungen finden.“ Dr. Herbert Cordt verwies auf die aktuelle
Situation Europas: „Zerstritten und langsam in den
Entscheidungsprozessen. Mit Trump, Putin und Xi werden die
mächtigsten Staaten der Welt von Autokraten geführt bzw. sind am Weg
zur Autokratie. Um es auf den Punkt zu bringen: Europa ist alt, reich
und bequem. Und das ist keine gute Kombination, wenn man mit den
Trumps, Xis und mit den Putins zu tun hat.“ Dr. in Daniela Kittner
hielt fest: „Die nationale Politik hinkt der Globalisierung und den
Problemen, die dadurch und durch die Krisen zutage getreten sind,
hinterher. Das ist eine ganz massive Verschiebung, die in den letzten
Jahren stattgefunden hat.“
Mit dem 1. Bregenzer Sommergespräch wurde ein erfolgreicher
Auftakt geschaffen. Die Veranstalter sehen darin den Beginn eines
neuen Dialogformats, das Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Medien
und Zivilgesellschaft zusammenbringt und einen Beitrag zu einer
offenen, informierten und demokratischen Debattenkultur leisten soll.
(Schluss) bj





