Erster Fund der Landplanarie Obama nungara in Österreich – bedroht sie unsere Böden?

Wien (OTS) – Forschende des Naturhistorischen Museums Wien und der
Universität
Innsbruck melden erstmals den gesicherten Nachweis der
eingeschleppten und potenziell invasiven Landplanarienart Obama
nungara in Österreich. Zwischen November 2022 und August 2024 wurden
vier Exemplare in einer Gärtnerei bei Tulln (Niederösterreich)
entdeckt.

Die vom Erstautor der Studie, Matthäus Greilhuber, am
Naturhistorischen Museum Wien durchgeführte genetische Analyse ergab,
dass es sich eindeutig um Obama nungara handelt – eine aus Südamerika
stammende Art, die sich aktuell rasant in Europa ausbreitet. Der
Gattungsname Obama hat nichts mit dem ehemaligen US-Präsidenten zu
tun, sondern leitet sich aus der Sprache Tupi (eine indigene Sprache
Brasiliens) ab. Wörtlich bedeutet Obama „Blatt-Tier“, in Anspielung
auf die abgeflachte, blattförmige Körperform der Tiere.

Obama nungara zählt zu den Landplanarien, einer Gruppe
terrestrischer Plattwürmer mit weltweit etwa 900 bekannten Arten. Sie
leben bevorzugt in feuchten Bodenschichten, unter Steinen, Holz oder
Laub und sind überwiegend nachtaktive Räuber. Zu ihrer Beute zählen
unter anderem Regenwürmer, Nacktschnecken, Insektenlarven und Asseln.
Kaum ein anderes Tier scheint die Planarien zu fressen – was ihnen
eine dominante Rolle als Bodenprädatoren ermöglicht.

Exotische Landplanarien wie Obama nungara erregen auch wegen
ihrer für Plattwürmer spektakulären Größe und oft knalligen Farben
Aufmerksamkeit – die gefundenen Tiere maßen über 5 cm Körperlänge.
Ihr Erscheinungsbild ist von einem getigerten Muster aus undeutlichen
Längsstreifen und dem Vorhandensein einer Vielzahl von kleinen Augen
geprägt. „Trotz ihres Status als bei uns nicht heimische Art handelt
es sich um wunderschöne, faszinierende Tiere – wie Plattwürmer
generell“, ist Greilhuber überzeugt.

Während es auch einheimische Landplanarien in Mitteleuropa gibt,
stammt Obama nungara ursprünglich aus Südamerika. „Ihre Ausbreitung
in Europa – insbesondere über den Handel mit Zierpflanzen – wurde in
den letzten Jahren mehrfach dokumentiert, u. a. in Frankreich und
Italien, wo jeweils zahlreiche eingeführte Arten nachgewiesen
wurden“, erklärt Greilhuber. „Durch unsere genetische Analyse konnten
wir feststellen, dass die gefundenen Tiere einer Abstammungslinie
zugehörig sind, die aus Argentinien stammt und sich momentan weit
über Europa ausbreitet – somit halten wir es für wahrscheinlich, dass
die Tiere über den Pflanzenhandel mit anderen europäischen Ländern
nach Österreich gelangt sind“, erklärt Ko-Autorin Elisabeth Haring,
ehemalige Direktorin der Zentralen Forschungslaboratorien des NHM
Wien und dem Museum weiterhin als Gastwissenschafterin verbunden.

Eingeschleppte Arten – sogenannte Neobiota – sind Organismen, die
durch menschliche Aktivitäten außerhalb ihres natürlichen
Verbreitungsgebiets auftauchen. Als „invasiv“ gelten solche
eingeschleppten Arten, die nachweislich negative Auswirkungen auf
heimische Ökosysteme und Artenvielfalt haben. Laut dem
Weltbiodiversitätsrat IPBES (2023) zählen invasive Arten heute zu den
größten Bedrohungen für die biologische Vielfalt, das Funktionieren
von Ökosystemen und damit letztlich auch für das menschliche
Wohlergehen.

Da Obama nungara als besonders anpassungsfähig gilt und wegen der
Gefahr eines Einflusses auf Regenwurmpopulationen in Europa als
problematisch eingestuft wird, ist der erste Nachweis in Österreich
von großer Bedeutung. Die Art könnte langfristig die Bodenqualität
beeinträchtigen, da Regenwürmer eine zentrale Rolle im
Nährstoffkreislauf und der Bodenstruktur spielen. Forscher*innen in
Frankreich sammelten innerhalb eines Monats über 1.500 Individuen von
Obama nungara aus einem einzigen Garten ab. Dies belegt, dass die Art
mitunter hohe Dichten in ihren neuen Habitaten erreichen kann. „Bei
so hohen Dichten liegt es nahe, dass es einen erheblichen Einfluss
auf die Populationen der Beutetiere geben wird“, meint Greilhuber.
„Dass Regenwürmer – die für die Bodenqualität essentiell sind – unter
den bevorzugten Beutetieren sind, gibt Anlass zur Sorge. Ökologische
Studien, die den Einfluss auf die Populationen der Beutetiere direkt
untersuchen, sind allerdings noch ausständig“, so Ko-Autor Bernhard
Egger vom Institut für Zoologie der Universität Innsbruck.

Laut Verbreitungsmodellen befindet sich Österreich am östlichen
Rand des für die Art geeigneten Gebiets. Es wird sich erweisen, ob
Obama nungara mit dem kontinentaleren Klima Österreichs im Vergleich
zu westeuropäischen Ländern, wo momentan der europäische
Verbreitungsschwerpunkt liegt, gut zurechtkommt und sich in
Österreich erfolgreich ausbreiten wird. Verbreitungsmodelle unter
Klimawandelszenarien sagen jedoch vorher, dass mit der Klimaerwärmung
auch in Österreich vermehrt geeignete Habitate für Obama nungara
vorhanden sein werden.

Der Fund unterstreicht die Notwendigkeit eines gezielten
Monitorings und frühzeitiger Maßnahmen gegen invasive Arten –
insbesondere im Kontext des zunehmenden globalen Handels mit Pflanzen
und anderen Gütern. Sichtungen sollten auf jeden Fall fotografisch
dokumentiert und auf Naturbeobachtungs-Plattformen oder an Expert*
innen gemeldet werden.

Link zur Studie:
https://www.reabic.net/journals/bir/2025/4/BIR_2025_Greilhuber_etal.-
pdf

Pressematerial und Bilder: https://www.nhm-
wien.ac.at/presse/pressemitteilungen2025/plattwurm

Wissenschaftlicher Rückfragehinweis:

Matthäus Greilhuber, MSc

https://www.nhm.at/matthaeus__greilhuber

[email protected]

Tel.: +43 (1) 521 77 – 332