EU-Entwaldungsverordnung: Greenpeace kritisiert Ausnahme für Leder

Wien/Brüssel (OTS) – Die EU-Kommission hat heute für das
EU-Waldschutzgesetz (EUDR) grünes
Licht gegeben. Greenpeace begrüßt diesen längst überfälligen Schritt,
kritisiert jedoch, dass Leder – eines der Produkte, das die weltweite
Waldzerstörung massiv vorantreibt – ausgenommen werden soll. Das
Gesetz soll ab 30. Dezember 2026 in Kraft treten. Seit Monaten
torpediert jedoch ÖVP-Umweltminister Norbert Totschnig mit seiner
Partei das EU-Waldschutzgesetz. Beispielsweise fordert er eine „Null-
Risiko-Kategorie“, die EU-Länder wie Österreich von Kontrollen
ausnehmen soll. Das schafft jedoch Schlupflöcher und öffnet die Tür
für illegale und nicht nachhaltige Holzimporte, kritisiert die
Umweltschutzorganisation. Greenpeace fordert von Totschnig seine
Verantwortung als Umweltminister ernst zu nehmen und den Boykott
endlich zu beenden.

Ursula Bittner, Wirtschaftsexpertin bei Greenpeace in Österreich:
„Dieses Gesetz ist richtungsweisend für den Schutz unserer Wälder –
es ist ein wichtiges Signal, dass die EU-Kommission hier endlich
grünes Licht gibt. Durch die Ausnahme von Leder wird dieser Erfolg
massiv geschmälert. Unverständlich ist außerdem, dass Minister
Totschnig federführend den Schutz unserer Wälder torpediert. Anstatt
sich für unsere Wälder einzusetzen, entpuppt sich der Umweltminister
als Handlanger von Industrieinteressen.”

Obwohl das EU-Waldschutzgesetz ein Meilenstein ist, hat das Gesetz
auch etliche Lücken. Etwa hat jetzt die EU-Kommission Lederprodukte
ausgenommen. Durch die Leder-Ausnahme wird das Gesetz bereits vor dem
Start massiv entwertet, denn die Fakten sprechen eine klare Sprache:
Die Rinderzucht ist die treibende Kraft hinter der Vernichtung
wertvoller Ökosysteme, insbesondere im brasilianischen
Amazonasgebiet. Innerhalb von rund 20 Jahren – zwischen 2001 und 2022
– wurde für neue Weiden weltweit eine Waldfläche so groß wie ganz
Spanien gerodet. Dass die EU nun ausgerechnet Leder ausnehmen will,
ist ein Freibrief für die weitere Zerstörung der Wälder. “Minister
Totschnig muss jetzt seine Blockadehaltung aufgeben. Statt die
Umsetzung wie bislang zu boykottieren, ist es seine Pflicht, für eine
fristgerechte Einführung zu sorgen und die Betroffenen aktiv bei der
Einhaltung des Gesetzes zu unterstützen. Zudem muss er sich dafür
einsetzen, dass Leder nicht ausgenommen wird”, so Bittner.