Wien (OTS) – „Der Rücktritt von Walter Ruck ist richtig – aber er
kommt viel zu
spät. Immer mehr Frauen aus den Reihen der ÖVP haben in den
vergangenen Wochen ihre Erfahrungen mit Walter Ruck öffentlich
gemacht und von Respektlosigkeit sowie herablassendem Verhalten
berichtet. Sie haben damit den Druck auf Walter Ruck erhöht und den
Weg für die längst überfälligen Konsequenzen geebnet. Ihnen gebührt
Respekt. Ohne ihren Mut wäre dieser Schritt wohl nicht erfolgt“, sagt
die Frauensprecherin der Grünen, Meri Disoski.
„Mit Walter Rucks Rücktritt fällt nicht der Vorhang. Jetzt muss
vollständig offengelegt werden, welche personellen Entscheidungen und
politischen Absprachen im Hintergrund getroffen wurden. Wenn Posten
in Hinterzimmern ausgepackelt werden, beschädigt das das Vertrauen in
Politik und Demokratie. Die Öffentlichkeit hat ein Recht auf
vollständige Transparenz und lückenlose Aufklärung“, betont Disoski.
Erklärungsbedarf verortet sie insbesondere auch beim Wiener SPÖ-
Bürgermeister Michael Ludwig: „Michael Ludwig hat Walter Ruck bis
zuletzt politische Rückendeckung gegeben. Noch vor wenigen Tagen
bezeichnete er ihn als ,charakterstark‘. Das ist angesichts der
bekannt gewordenen Tonbandaufnahmen und der Berichte zahlreicher
Frauen über Respektlosigkeit und herablassendes Verhalten nicht
nachvollziehbar. Wer Sexismus aussitzt, schützt bestehende
Machtstrukturen – nicht die betroffenen Frauen. Sexismus darf niemals
politische Rückendeckung bekommen.“
Für Disoski reicht der Rücktritt allein deshalb nicht aus. „Die
Causa Ruck ist mehr als das Fehlverhalten eines Einzelnen. Sie zeigt,
wie Machtstrukturen funktionieren. Wo Macht in geschlossenen Zirkeln
organisiert wird, werden Kritik und Konsequenzen zu lange verhindert.
Männerbünde und Seilschaften machen nicht an Parteigrenzen halt.
Hinterzimmerpolitik ist immer auch Ausschlusspolitik. Sie schadet
Frauen – und sie schadet unserer Demokratie.“
„Offen bleibt die Frage, warum Michael Ludwig Walter Ruck bis
zuletzt politische Rückendeckung gegeben hat. Ludwig ist einer der
einflussreichsten Politiker der österreichischen Sozialdemokratie.
Gerade eine Partei, die Gleichstellung und Frauenrechte zu ihren
politischen Grundwerten zählt, muss sich daran messen lassen, wie
einer ihrer führenden Repräsentanten handelt, wenn Vorwürfe gegen
einen mächtigen politischen Verbündeten bekannt werden“, sagt
Disoski.
„Die Welt der Hinterzimmer, der geschlossenen Männerzirkel und
der Deals unter wenigen hat unserer Demokratie lange genug geschadet.
Ich verstehe jede und jeden, die oder der sich angesichts solcher
Causen von Politik abwendet. Wenn Menschen den Eindruck gewinnen,
Politik finde hinter verschlossenen Türen statt, wo wenige mächtige
Männer Posten, Einfluss und Macht unter sich ausmachen, verliert
Demokratie Vertrauen. Politik muss transparent, nachvollziehbar und
offen sein. Macht braucht Kontrolle. Nicht Hinterzimmer. Genau dafür
stehen wir Grüne“, hält Disoski abschließend fest.





