Wien (OTS) – (Österreichische Hagelversicherung, 10. August 2026):
„Ausbleibende
Niederschläge und eine Hitzewelle nach der anderen mit einem
Temperaturrekord von 41,2 °C in Bad Deutsch-Altenburg (NÖ)
kennzeichnen das bisherige Dürrejahr. Die Konsequenz für die
Landwirtschaft: Katastrophale Dürreschäden sorgen für massive
Ernteeinbußen und Futterknappheit für die Tiere. Über alle
Bundesländer hinweg verzeichnen wir in den vergangenen Wochen und
Monaten massive Niederschlagsdefizite. In manchen Regionen fiel seit
dem 15. Juni um mehr als 75 Prozent weniger Niederschlag als im 10-
jährigen Niederschlagsmittel (2016–2025). Hinzu kommen Hitzetage (
Tage mit Temperatur > 30°C) wie noch nie: 42 Hitzetage bis zum
Stichtag 10. August, gemessen in Wien, Innere Stadt. Aufgrund dieser
Rekordwerte haben wir Dürreschäden wie noch nie: Der Gesamtschaden in
der Landwirtschaft liegt bei 1 Milliarde Euro . Betroffen sind das
gesamte Bundesgebiet und sämtliche Kulturen, insbesondere Grünland,
Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Kürbisse und Soja, aber auch regional
Getreide. Traten früher Dürreschäden alle zehn Jahre auf, sind wir
mittlerweile alle zwei bis drei Jahre mit großen Schäden konfrontiert
– heuer mit einem traurigen Rekord. Das zeigt uns, dass die
Landwirtschaft wie kein anderer Sektor vom Klimawandel betroffen ist.
Die gute Nachricht ist: Die Risikovorsorge durch die Bäuerinnen und
Bauern ist sehr hoch. 80 Prozent der Ackerflächen und 40 Prozent der
Grünlandflächen sind gegen das Risiko Dürre versichert. Die
versicherten Betriebe haben somit einen Rechtsanspruch auf eine
Entschädigung“, so Dr. Kurt Weinberger , Vorstandsvorsitzender der
Österreichischen Hagelversicherung, in seinen einleitenden Worten zum
gemeinsamen Pressegespräch mit Prof. Dr. Anders Levermann , Leiter
der Abteilung Komplexitätsforschung des Potsdam-Instituts für
Klimafolgenforschung.
Unberechenbares Wetter und Klima als Bedrohung für Gesellschaft
und Wirtschaft
„Die physikalischen Grundlagen sind seit Langem bekannt und durch
unzählige Studien bestätigt: Der Klimawandel ist menschengemacht .
Was dabei häufig unterschätzt wird, ist die Dynamik, die uns noch
bevorsteht. Das Klimasystem reagiert nicht linear – Wetterextreme
nehmen dramatisch zu, und zudem gibt es kritische Schwellenwerte.
Wenn diese überschritten werden, werden Prozesse ausgelöst, die nicht
mehr umkehrbar sind. Einige dieser Schwellen sind bereits
überschritten. Das bedeutet, dass Hitzewellen, wie wir sie heuer
erleben, in Zukunft immer häufiger auftreten. Dennoch heißt es nicht,
dass betroffene Systeme, wie das Schmelzen der Gletscher oder das
Auftauen der Permafrostböden, sofort kollabieren. Diese Prozesse
ziehen sich über Jahrzehnte hin und das bedeutet, dass wir für
mehrere Generationen in einer Phase zunehmender Instabilität leben
werden, mit mehr Wetterextremen und größeren Schwankungen, als wir es
bisher gewohnt sind. Daher müssen wir jetzt handeln und nicht erst,
wenn weitere Kipppunkte überschritten sind. Beim Klimaschutz geht es
direkt um Lebensmittelversorgungssicherheit , um Wettbewerbsfähigkeit
und um geopolitische Unabhängigkeit . Die volkswirtschaftlichen
Kosten des Nichthandelns sind enorm, sie übersteigen die Kosten einer
konsequenten Transformation deutlich. Das müssen wir endlich ernst
nehmen“, so der Experte Anders Levermann vom Potsdam-Institut für
Klimafolgenforschung.
Dürre dominiert Schadensbilanz: Versicherte Betriebe haben
Rechtsanspruch auf Entschädigung – Schäden führen zu sinkender
Selbstversorgung
„Der Gesamtschaden in der österreichischen Landwirtschaft liegt
aufgrund der Dürre aus heutiger Sicht bei 1 Milliarde Euro , und
weitere 80 Millionen Euro kommen durch Frost, Hagel, Sturm und
Überschwemmung hinzu“, so Weinberger zur aktuellen Schadensbilanz und
führt weiter aus: „Diese Zahlen führen uns drei Dinge deutlich vor
Augen:
Erstens: Kein anderer Wirtschaftssektor ist so verwundbar wie die
standortgebundene Landwirtschaft mit ihrer Werkstatt unter freiem
Himmel. Rund 80 Prozent des Ertrags hängen unmittelbar vom Wetter ab.
Viele bäuerliche Betriebe sind durch den vom menschengemachten
Klimawandel massiv gefährdet. Die ständige Sorge um die eigene
Existenz bedeutet für die betroffenen Landwirtinnen und Landwirte
eine enorme psychische Belastung.
Zweitens: Die aktuelle Situation zeigt uns auf, dass nur mit
einer Absicherung durch eine Dürreversicherung derartige Großschäden
abgedeckt werden. Als agrarischer Spezialversicherer beweist die
Österreichische Hagelversicherung, dass sie auch in besonders
fordernden Zeiten ein verlässlicher Partner der Landwirtschaft ist:
Durch Risikodiversifikation, eine Risikostreuung über unsere sechs
Auslandsmärkte (CZ, HU, SK, SLO, RO, BG), eine starke
Rückversicherung, der umfassendsten Produktpalette Europas sowie den
Einsatz moderner Technologien bei der Schadenserhebung, wie
beispielsweise die Verwendung von Satellitendaten. Wie der
internationale Trend zeigt, braucht es aber auch ein umfassendes
Public-Private-Partnership-Modell, damit die Versicherung für die
Betriebe wirksam und leistbar bleibt.
Drittens: Der Selbstversorgungsgrad bei heimischen Lebensmitteln
wird aufgrund der aktuellen Dürresituation bedingt durch den
Klimawandel weiter deutlich zurückgehen. Verschärft wird diese
Situation in Österreich zusätzlich durch die fahrlässige und
ungebremste Verbauung unserer Äcker und Wiesen. So haben wir bereits
jetzt beim Getreide nur mehr einen Selbstversorgungsgrad von 87
Prozent, beim Mais 83 Prozent, Kartoffeln 78 Prozent, bei Gemüse sind
es 55 Prozent und bei pflanzlichen Ölen 26 Prozent. Die Ernteausfälle
aufgrund des Klimawandels und des Bodenverbrauchs machen uns in der
Zukunft noch abhängiger von Importen aus dem Ausland.
Lebensmittelversorgung ist daher ein Sicherheitsthema!“
Abschließend weist Weinberger auf die Notwendigkeit von mehr
Klima- und Bodenschutz hin: „Nichtstun kommt uns sehr teuer, wie wir
im heurigen Jahr sehen. Auch ein Verfehlen der österreichischen
Klimaziele bis 2030 wird dem österreichischen Steuerzahler laut
Rechnungshof Milliarden an Strafzahlungen bescheren. Zudem geht es
beim Klimaschutz nicht nur um die Vermeidung von Schäden und
Strafzahlungen in Milliardenhöhe, sondern es geht um die Zukunft der
Menschheit und unserer Lebensräume.“
Die meteorologischen Fakten:
– In manchen Regionen fiel seit 15. Juni um mehr als 75 Prozent
weniger Regen als im 10-jährigen Niederschlagsmittel (2016–2025).
– Hitzetage wie noch nie: 42 Hitzetage mit Stichtag 10. August,
gemessen in Wien innere Stadt. Zum Vergleich: In den 80er Jahren gab
es im Durchschnitt neun Hitzetage.
– Rekordtemperatur wie noch nie: 41,2°C in in Bad Deutsch-Altenburg (
NÖ) am 5. August.
– Hitzewellen sind heute nicht nur häufiger, sondern vor allem
deutlich länger als früher – die durchschnittliche Dauer hat sich von
1–8 Tagen (1940er bis 1980er) auf 5–25 Tage (2010er bis 2020er) etwa
um das Drei- bis Fünffache erhöht.
Anlage: O-Ton Dr. Kurt Weinberger zu den Dürreschäden in der
Landwirtschaft, Chart Niederschlagsdefizit, Chart Hitzetage, Chart
Schäden in der Landwirtschaft, Schadensbilder
Bild (ÖHV): v.l. Prof. Dr. Anders Levermann, Leiter der Abteilung
Komplexitätsforschung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung
und Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen
Hagelversicherung





