Kaup-Hasler/Weber: Qwien eröffnet neuen Standort im 5. Bezirk

Wien (OTS) – Mit dem neuen Standort von Qwien, dem Zentrum für queere
Kultur und
Geschichte, in der Ramperstorffergasse im fünften Bezirk setzt die
Stadt Wien ein starkes Zeichen für die strukturelle Stärkung queerer
Forschung, Archivarbeit und museale Sichtbarkeit. In den
modernisierten Räumlichkeiten stehen rund 900 Quadratmeter Nutzfläche
zur Verfügung –dreimal so viel wie am alten Standort. Auch der
Personalstand wurde auf acht Vollzeitäquivalente verdoppelt. Qwien
ist seit Mitte Juni 2025 für Besucher*innen geöffnet – Dienstag bis
Sonntag von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr. „Es geht darum,
viele Menschen zu erreichen, neue Perspektiven zu öffnen und queeres
Leben als Teil der Gegenwart sichtbar zu machen, erfahrbar zu
gestalten und dauerhaft im kulturellen Bewusstsein zu verankern“,
erklärt Stadträtin Veronica Kaup-Hasler . Auch Thomas Weber , LGBTIQ+
-Sprecher der NEOS Wien , unterstreicht die Bedeutung des neuen
Standorts: „Wir brauchen Orte, an denen queere Stimmen nicht nur
gesammelt, sondern auch erforscht, verstanden und vermittelt werden.“

Strukturelle Absicherung musealer Arbeit

Mit der Standortverlegung und dem Ausbau der inhaltlichen Arbeit
wurde auch die finanzielle Basis neu geordnet und nachhaltig
abgesichert. Die Stadt Wien stellt über mehrere Jahre hinweg
Fördermittel bereit, um Archivarbeit, wissenschaftliche Forschung und
öffentliche Vermittlung nicht nur fortzuführen, sondern gezielt
auszubauen. Damit wird Qwien als zentrale Einrichtung queerer Stadt-
und Kulturgeschichte strategisch positioniert und in seiner
langfristigen Entwicklung abgesichert. „Mit Qwien hat Wien ein Museum
geschaffen, das es so kaum anderswo gibt – nicht nur in Europa,
sondern weltweit“, führt Kaup-Hasler weiter aus. „Forschung,
Archivarbeit, Ausstellung und öffentliche Auseinandersetzung greifen
hier ineinander. Qwien macht queere Geschichte nicht nur sichtbar,
sondern nutzbar – für Bildung, Gesellschaft und Politik. Der
wissenschaftliche Zugang erweitert die Forschung um eine öffentliche
Dimension. Es geht nicht um ein einzelnes Projekt, sondern um eine
dauerhafte Struktur, die Erinnerung lebendig hält und Wien einen
Platz von internationaler Bedeutung sichert.“ Weber ergänzt: „Wir
investieren hier nicht kurzfristig, sondern strukturell. Denn was
Qwien leistet, ist kein additiver Beitrag zur Geschichte dieser Stadt
– es ist ein zentraler Teil davon. Es geht darum, Räume zu schaffen,
in denen queere Geschichte nicht nur dokumentiert, sondern auch
vermittelt wird: wissenschaftlich fundiert, bildungswirksam, kritisch
reflektiert und öffentlich zugänglich. Genau solche Orte brauchen
wir, wenn wir eine vielfältige und demokratische Stadtgesellschaft
ernst meinen.“

Queere Geschichte als wissenschaftlicher Auftrag

Qwien arbeitet an der Schnittstelle von historischer Forschung,
Archivierung und kultureller Vermittlung. Qwien dokumentiert queeres
Leben in Wien und Österreich – von der NS-Zeit über die Aids-Krise
bis hin zu aktuellen Bewegungen. Das Zentrum betreut unter anderem
das Archiv der Aids-Hilfe Wien, das Archiv der Österreichischen Liga
für Menschenrechte sowie zahlreiche persönliche und institutionelle
Nachlässe. Eine Fachbibliothek mit über 8.000 Titeln, darunter die
umfangreichste Sammlung queerer Zeitschriften im Land, steht Forscher
*innen ebenso offen wie Journalist*innen und interessierten Besucher*
innen. Darüber hinaus berät Qwien wissenschaftliche Projekte im In-
und Ausland, bietet Praktikumsplätze für Schüler*innen und
Studierende und wirkt an internationalen Ausstellungen mit.
Gleichzeitig ist Qwien in einem Netzwerk der deutschsprachigen
Archive sowie Partnern universitärer Institute in London, Zürich oder
Sydney.

Die Leitung des Zentrums lag bislang allein bei Andreas Brunner
und Hannes Sulzenbacher , die Qwien mit viel Expertise aufgebaut und
gemeinsam weiterentwickelt haben. Der Veränderung vom
Forschungszentrum zum queeren Kulturzentrum wurde durch die
Erweiterung des Leitungsteams um Harriet Leischko begegnet, die seit
einem Jahr für die wirtschaftlichen Belange verantwortlich ist.
Sulzenbacher : „Die Eröffnung von Qwien ist ein Moment, in dem wir
queere Geschichte nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar und
begreifbar machen – als Teil der Museumslandschaft und des
wissenschaftlichen Diskurses, als Teil der Stadt Wien und als Teil
unserer Gegenwart.“ Brunner ergänzt: „Wir verstehen diesen Raum als
Auftrag – nicht nur, um unsere Arbeit fortzusetzen, sondern um sie zu
vertiefen. Was wir hier tun, ist keine Gedenkpflege. Es ist ein
lebendiger und vielfältiger Ausstellungsbetrieb und aktive Forschung,
die queeres Leben als Teil der Geschichte ernst nimmt – mit all
seiner Komplexität, Brüchigkeit und politischen Relevanz.“ Leischko :
„Ganz zentral dabei ist jedenfalls die langfristige und nachhaltige
finanzielle Absicherung des neuen Raums. Ebenso wichtig ist für uns
die faire Entlohnung der Mitarbeitenden, die diesen Ort maßgeblich
gestalten und die besucher*innenfreundlichen Öffnungszeiten möglich
machen, aber auch die Bereitschaft der Besucher*innen diesen Ort
durch absetzbare Spenden zu unterstützen. Kultur darf und soll auch
hinkünftig kein Luxus sein.“

Von Wien aus in die Welt

Qwien ist nicht nur ein Ort des Archivs, sondern auch der
Öffentlichkeit. Mit queeren Stadtspaziergängen, Ausstellungen,
Vorträgen und digitalen Formaten vermittelt das Zentrum Forschung auf
niederschwellige und lebendige Weise. Dass Wien mit Qwien über ein
Zentrum verfügt, das Wissenschaft, Kultur, Öffentlichkeit und
Community-Arbeit miteinander verbindet, ist in dieser Form in
Österreich einzigartig – und im internationalen Vergleich
bemerkenswert. Mit dem neuen Standort und der langfristigen
Absicherung wird diese Position nun ausgebaut und gestärkt. „Dieser
neue, einzigartige Standort zeigt, was queere Sichtbarkeit heute
bedeuten kann“, so Kaup-Hasler und Weber abschließend. „Qwien ist
nicht nur ein Ort der Forschung und des Archivs, sondern vor allem
ein lebendiger Kultur- und Ausstellungsraum, der allen offen steht.
Hier wird queere Geschichte nicht nur dokumentiert, sondern
öffentlich gezeigt, künstlerisch bearbeitet und breit vermittelt.“

Link zur neuen Website:

https://www.qwien.at/