Wien (OTS) – Österreich fehlen laut dem aktuellen Fachkräfte-Radar
der
Österreichischen Wirtschaftskammer (WKO) rund 155.000 Fachkräfte.
Knapp 60% der befragten Betriebe sehen den Fachkräftemangel als
Problem, 56 Prozent spüren ihn bereits stark oder sehr stark. Für
Ingrid Korosec, Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes ,
zeigen diese Zahlen: Der Fachkräftemangel lässt sich nur lösen, wenn
Politik und Unternehmen an einem Strang ziehen.
„Es ist absurd, 40 oder 50 Jahre Berufserfahrung mit dem
Pensionsantritt einfach an den Nagel zu hängen statt diesen
Expertenpool zu nutzen. Die Aktivpension ist deshalb ein wichtiger
Teil der Lösung. Jetzt müssen wir aber auch Vorurteile abbauen und
das Potenzial älterer Arbeitnehmer besser nutzen“ , sagt Korosec .
Die Aktivpension sei ein wichtiger Erfolg, für den sie sich
jahrelang eingesetzt habe. „Wer über das gesetzliche Pensionsalter
hinaus arbeiten möchte, soll das auch können. Davon profitieren die
Menschen selbst, die Betriebe und der Staat.“
Für Korosec ist aber ebenso klar: Die Aktivpension allein reicht
nicht aus. „Knapp 30% der 55–64-Jährigen gehen nicht direkt aus der
Erwerbstätigkeit in Pension. Diese Lücke muss geschlossen werden.
Dafür müssen Vorurteile gegenüber älteren Mitarbeitern abgebaut
werden und stattdessen Arbeitsplätze altersgerecht gestaltet,
Weiterbildung während des gesamten Berufslebens gefördert und
Gesundheitsvorsorge ausgebaut werden.“
Gerade bei den Frauen sieht Korosec großes Potenzial und
dringenden Handlungsbedarf. „Damit Frauen mehr Vollzeit und länger
arbeiten können, brauchen sie bessere Kinderbetreuung, flexible
Arbeitszeitmodelle und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie
und Pflege. Gerade angesichts des demografischen Wandels müssen
Arbeitgeber und Politik für die Frauen einen Schwerpunkt setzen.“
Korosec verweist darauf, dass bereits jeder dritte Beschäftigte
in Österreich über 50 Jahre alt ist und 30% aller Unternehmen mit
mehr als 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern niemanden über 60
beschäftigen. „Erfahrung ist eine unserer größten Stärken. Wer den
Fachkräftemangel ernsthaft bekämpfen will, muss älteren
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die Möglichkeit geben, ihr Wissen
länger einzubringen. Die Aktivpension ist ein wichtiger Anfang –
jetzt müssen die nächsten Schritte folgen.“





