Wien (OTS) – Die Arbeitswelt hat sich verändert, doch eines ist
geblieben: Viele
Beschäftigte arbeiten weiter, obwohl sie krank sind. Eine aktuelle
Studie der Universität Klagenfurt zeigt nun, dass vor allem
informelles oder zusätzliches Arbeiten von zu Hause mit sogenanntem
Präsentismus, also Arbeiten trotz Krankheit, zusammenhängt. „Auch
wenn die Studie das Verhalten deutscher Arbeitnehmer:innen untersucht
hat, wissen wir, dass die Situation in Österreich ähnlich ist“, sagt
ÖGB-Arbeitsrechtsexperte Martin Müller.
Die Forschenden leiten aus ihren Studienergebnissen ab, dass
Arbeitgeber klare Regelungen für Homeoffice schaffen und Erwartungen
zum Umgang mit Krankheit ausdrücklich festlegen sollten. „Diese
Regeln gibt es in Österreich bereits“, betont Müller: „Wer krank ist,
ist krank. Auch Homeoffice darf nicht zur Arbeitspflicht im
Krankenstand werden.“
Arbeiten trotz Krankheit gefährdet Gesundheit und Einkommen
Für den ÖGB sind die Studienergebnisse ein deutlicher
Warnhinweis. Präsentismus ist kein Zeichen besonderer
Leistungsbereitschaft, sondern oft Folge von Druck, Unsicherheit und
fehlenden Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben. Viele Beschäftigte
melden sich im Homeoffice nicht krank, obwohl sie gesundheitlich
angeschlagen sind. Die Folge können verschleppte Erkrankungen, höhere
psychische Belastungen und langfristige Gesundheitsschäden sein.
„Arbeiten trotz Krankheit schadet nicht nur den Beschäftigten,
sondern auch den Unternehmen. Wer krank arbeitet, riskiert Fehler,
Produktivitätsverluste und längere Ausfälle. Gesundheitsschutz ist
kein Kostenfaktor, sondern eine Investition in nachhaltige Arbeit“,
betont Müller.
Angst vor Konsequenzen treibt viele Kranke an den Laptop
Aus Sicht des ÖGB arbeiten viele Beschäftigte nicht freiwillig
krank weiter. Häufig stehen dahinter Sorgen um den Arbeitsplatz,
Leistungsdruck oder die Angst vor beruflichen Nachteilen. Gerade in
wirtschaftlich unsicheren Zeiten steigt das Risiko, dass
Arbeitnehmer:innen ihre Gesundheit hinten anstellen. Das betrifft
nicht nur körperliche Erkrankungen. Auch psychische Belastungen
werden im Arbeitsalltag noch immer zu oft übersehen oder verharmlost.
„Beschäftigte dürfen niemals das Gefühl haben, sich für einen
notwendigen Krankenstand rechtfertigen zu müssen. Gesundheit geht
vor. Das muss in jeder Unternehmenskultur selbstverständlich sein.
Die technische Möglichkeit, von überall aus zu arbeiten, darf nicht
zur Erwartung werden, jederzeit arbeiten zu müssen“, schließt Müller.
Der ÖGB fordert:
– Keine direkte oder indirekte Erwartung, im Krankenstand von zu
Hause aus zu arbeiten.
– Mehr Maßnahmen gegen psychischen Druck, Arbeitsverdichtung und
Präsentismus in den Betrieben.
Über uns:
Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) vertritt rund 1,2
Millionen Arbeitnehmer:innen in Österreich. Gemeinsam mit seinen
sieben Gewerkschaften setzt sich der ÖGB als überparteiliche
Interessenvertretung für gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und
Gehälter sowie soziale Gerechtigkeit ein.
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