Wien (OTS) – Die heute veröffentlichte EU-Bioökonomiestrategie
beinhaltet einige
positive Signale – etwa die Anerkennung nachhaltiger
Bewirtschaftungspraktiken, die Einbindung von Land- und Forstwirten
und die Bestätigung der Bedeutung energetischer Biomasse. Im Lichte
der enttäuschenden Ergebnisse der COP lässt jedoch auch die EU-
Bioökonomie echte Erleichterungen für den Ausbau der holzbasierten
Bioökonomie vermissen.
Im Vorfeld der Veröffentlichung wurde seitens der
Landbewirtschafter, die das Rückgrat der Bioökonomie darstellen,
vielfach eingefordert, die Klimawandelanpassung der Kulturlandschaft
stärker zu berücksichtigen und praxistaugliche Rahmenbedingungen für
den Landnutzungssektor zu schaffen. Dazu gehört auch der Abbau von
Bürokratie und eine Entschlackung bestehender Regelwerke. Doch diese
wichtigen Themen werden kaum adressiert . „Die EU hat die vorab
eingebrachte Kritik der Betriebe nur teilweise verstanden – jetzt
braucht es umsetzbare Schritte statt neuer Auflagen“, betont Konrad
Mylius, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich . „Europa
verfügt faktisch über nur ein wirklich bedeutendes nachwachsendes
Rohstoffpotenzial – und das ist Holz. Dieses Potenzial müssen wir
nutzen, wenn wir den Ausstieg aus fossilen Energieträgern ernsthaft
schaffen wollen. Mehr Auflagen und mehr Bürokratie führen dabei in
die falsche Richtung.“
Positiv bewertet wird das Versprechen Land- und Forstwirte
stärker einzubinden, die Anerkennung bestehender nachhaltiger
Bewirtschaftungspraktiken und die Bestätigung der Bedeutung
energetischer Biomasse für die Energieversorgung. Diese Aspekte
zeigen, dass Rückmeldungen aus der Praxis zu früheren Entwürfen
zumindest teilweise aufgegriffen wurden.
Trotzdem weist die Strategie weiterhin deutliche Schwächen auf.
Hinweise auf Eingriffe in bestehende Marktmechanismen lassen die
Alarmglocken schrillen und könnten zu zusätzlicher Bürokratie und
neuen Nachweispflichten führen. Hinzu kommt die Sorge, dass im Zuge
angekündigter Gesetzesnovellen weitere Nachweis- oder
Berichtspflichten auf land- und forstwirtschaftliche Betriebe
zukommen – ein Schritt, der die ohnehin bestehende Unsicherheit
weiter verstärkt.
Auch der geplante Ausbau des Monitorings zur Biomassenutzung und
zum Biomassepotenzial wirft Fragen auf, insbesondere nachdem die
Kommission ankündigte, den Vorschlag für ein Forest Monitoring Law
nach Ablehnung im Europäischen Parlament zurückzuziehen. Ebenso fehlt
ein konkretes Bekenntnis zur Anpassung der Ziele und Methodik zur
Kohlenstoffbilanzierung im Landnutzungssektor unter Berücksichtigung
der Herausforderungen und Einflüsse des Klimawandels.
Die Land&Forst Betriebe Österreich fordern daher, die Bioökonomie
als zentralen Zukunftssektor endlich konsequent zu stärken. Der
Ausbau biobasierter Wertschöpfungsketten ist ein entscheidender
Beitrag zu Versorgungssicherheit, regionaler Wertschöpfung,
Klimaschutz und zur Erreichung der europäischen Energie- und
Klimaziele. Die Forst- und Holzwirtschaft in Österreich ist das beste
Beispiel, für eine erfolgreich funktionierende Bioökonomie, die nicht
umsonst einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in Österreich ist. In
unseren Wäldern und im Rohstoff Holz steckt ein enormes Potenzial,
das Europa strategisch nutzen muss.
Auch mit Blick auf die jüngsten Beschlüsse der COP und die
weiterhin schleppenden Fortschritte beim globalen Ausstieg aus
fossilen Energieträgern ist klar: Europa kann es sich nicht leisten,
die Bioökonomie durch zusätzliche Auflagen zu schwächen.
Die Land&Forst Betriebe Österreich sind die freiwillige
Vereinigung österreichischer Landbewirtschafter, mit der Zielsetzung,
Österreichs Wälder und Felder als betriebliche Grundlage und
gesellschaftlichen Mehrwert zu erhalten und Bewusstsein für die
Anliegen privater land- und forstwirtschaftlicher Betriebe und deren
Tätigkeit zu schaffen. Die Mitgliedsbetriebe der Land&Forst Betriebe
Österreich bewirtschaften zusammen mehr als ein Viertel des
österreichischen Waldes und produzieren jede fünfte Tonne des
österreichischen Getreides.





