Wien (OTS) – Wie aus einem aktuellen Rundschreiben des
Bildungsministeriums
hervorgeht, sollen Lehrer:innen Verstöße gegen das ab Herbst geltende
Kopftuchverbot exekutieren, andernfalls drohen ihnen Sanktionen wegen
der Verletzung der Dienstpflicht. Damit macht das Ministerium
Pädagog:innen faktisch zu Vollzugsorganen, aus der Lehrerschaft kommt
bereits deutliche Kritik. Auch die Bildungssprecherin der Grünen,
Sigi Maurer, findet dafür klare Worte: „Es ist ein
bildungspolitischer Irrsinn, dass Minister Wiederkehr Lehrerinnen und
Lehrer unter Sanktionsandrohung zur Exekution des Kopftuchverbots
zwingt. Statt die dramatische Personalnot und fehlende Ressourcen
endlich anzugehen, produziert er neue Konflikte und lädt sie auf dem
Rücken der Pädagog:innen ab.“
Schon jetzt seien Lehrkräfte wegen des fehlenden
Unterstützungspersonals durch immer mehr administrative und soziale
Aufgaben massiv belastet. „Wenn das so weitergeht, bleibt für das
Wesentliche, nämlich guten Unterricht, bald keine Zeit mehr.
Lehrkräfte müssen heute schon Administrator:innen,
Sozialarbeiter:innen und Psycholog:innen sein. Wiederkehr will ihnen
jetzt auch noch die Rolle der Polizist:innen zuschieben“, so Maurer.
Besonders irritierend sei, dass ausgerechnet die NEOS diesen Kurs
umsetzen. „Wer ständig von Chancen, Freiheit und Selbstbestimmung
spricht, darf Pädagog:innen nicht zu Hilfssheriffs im Klassenzimmer
degradieren. Wer soll den Kindern die Flügel heben, wenn die
Lehrkräfte als Polizist:innen auftreten müssen?“
Für die Grünen ist klar: Statt neuen Aufgaben und Drohkulissen
braucht es professionelle Unterstützung. „Wir haben dazu einen
konstruktiven Vorschlag eingebracht: Mobile Interventionsteams, die
Schulen bei Bedarf über die Bildungsdirektionen anfordern können,
wenn es zu kulturellen oder religiösen Spannungen kommt. Speziell
geschulte Expert:innen würden vermitteln, Konflikte lösen und das
Lehrpersonal entlasten. Das wäre verantwortungsvolle Politik“, sagt
Maurer. Dass die Regierung diesen Vorschlag ablehnt, sei bezeichnend.
„Wiederkehr setzt auf undurchdachte Sanktionsandrohungen statt auf
Lösungen. Er produziert Schlagzeilen, aber keine Entlastung. Wir
werden nicht zulassen, dass Lehrkräfte weiter als Blitzableiter für
politische Inszenierungen missbraucht werden“, betont Maurer.





