Wien (OTS) – Mit der Neupräsentation der Schausammlung Textilien und
Teppiche (
Pressekonferenz: 24.3., 10 Uhr; Eröffnung: 24.3., 19 Uhr) eröffnet
das MAK einen Blick auf kostbare Objekte von der Spätantike bis zur
Gegenwart – von europäischen bis zu ostasiatischen Meisterwerken. Die
Sammlung des MAK ist eine der weltweit wertvollsten und
umfangreichsten musealen Sammlungen ihrer Art. Sie ist gerade mit dem
Schwerpunkt auf einzigartige mamlukische und safawidische Teppiche
des 16. und 17. Jahrhunderts einer der glanzvollsten Bereiche dieses
Sammlungssegments. Für die Inszenierung dieser Meisterwerke konnte
das international renommierte Designstudio Formafantasma aus Mailand
gewonnen werden. Anders als in der früheren permanenten Präsentation,
die allein auf die hochkarätige Teppichsammlung fokussierte, werden
die Teppiche mit Highlights aus der Textilsammlung kontextualisiert.
Mit diesem erweiterten kuratorischen Konzept macht das MAK auch in
der Schausammlung die Vielfalt und den Reichtum dieses
Sammlungsbereichs erfahrbar.
Für die Präsentation der fragilen Textilien setzt Formafantasma auf
zarte Farbakzente, eine atmosphärische Lichtregie und großformatige
Glasvitrinen. Damit werden die Besucher*innen so nah wie möglich an
die kostbaren Sammlungsobjekte herangeführt, ohne deren Sicherheit zu
gefährden. Die Objekte ruhen auf Forget-Me-Not , einem
perlmuttfarbigen Moiréstoff des traditionsreichen venezianischen
Familienunternehmens Rubelli, für das Andrea Trimarchi und Simone
Farresin, die beiden Formafantasma-Gründer, seit 2023 als
Kreativdirektoren tätig sind.
Formafantasma: „Wir haben das MAK und seine bemerkenswerte Textil-
und Teppichsammlung, die zu den weltweit bedeutendsten zählt, schon
lange bewundert. Diese Neuaufstellung gab uns die Möglichkeit, mit
Werken zu arbeiten, die Jahrhunderte des Austauschs verkörpern – von
Mamluken- und Safawidenteppichen bis hin zu europäischen Tapisserien
und zeitgenössischem Design –, und die Wege von Motiven und Techniken
durch unterschiedliche Kulturräume nachzuzeichnen. Anstatt einzelne
Meisterwerke hervorzuheben, haben wir ein räumliches Narrativ
entwickelt, das Verbindungen aufzeigt und die vielschichtigen
Geschichten der Objekte in den Mittelpunkt stellt. Durch subtile
Farbauswahl, atmosphärisches Licht und große Vitrinen wollten wir
Intimität mit konservatorischen Anforderungen in Einklang bringen.
Dieses Projekt macht deutlich, dass Ausstellungsdesign nicht nur eine
Präsentationsstrategie ist, sondern auch eine Form der Vermittlung
zwischen Vergangenheit und Gegenwart.“
Um den hohen konservatorischen Anforderungen der empfindlichen
Textilien zu entsprechen, wird die Auswahl der Exponate regelmäßig
gewechselt. Einzelne Objekte sind in ausziehbaren Laden zugänglich.
So bleiben sie, vor Licht geschützt, langfristig erhalten und können
dennoch von Besucher*innen im Detail betrachtet werden.
Die Präsentation macht die kulturellen Verflechtungen der
Sammlungsobjekte sichtbar und legt spannende Details aus ihren
Objektbiografien, zur Provenienz und zur Museumsgeschichte offen.
Gezeigt werden sowohl gewebte und gewirkte Textilien als auch
Knüpfteppiche. Sie sind den gewebsbildenden Techniken zuzuordnen, bei
denen die Muster bereits während der Herstellung entstehen.
Bedruckte, bemalte und bestickte Werke, deren Dekor nachträglich
hinzugefügt wurde, repräsentieren verzierende Techniken.
Erstmals nach einer umfangreichen Restaurierung wird der seidene
Mamlukenteppich aus dem frühen 16. Jahrhundert aus der Region des
heutigen Ägypten wieder in der Schausammlung ausgestellt. Das
prachtvolle Stück aus dem Besitz der Habsburger gelangte nach dem
Ende des Ersten Weltkriegs in die MAK Sammlung. Charakteristisch für
Teppiche dieses Typs sind aus oktogonalen und sternförmigen Elementen
gebildete Muster in kaleidoskopartig arrangierten Rot-, Gelb-, Blau-
und Grüntönen. Dieses Exemplar ist jedoch einzigartig: Als einziger
erhaltener Mamlukenteppich weltweit, dessen Knoten aus Seide
gefertigt sind, zählt er zu den absoluten Highlights der Sammlung und
wird als Auftakt der Neuaufstellung besonders prominent gewürdigt.
In der MAK Sammlung werden darüber hinaus osmanische und safawidische
Teppiche, solche aus der Zeit der Mogulherrscher sowie europäische
Savonnerien für die Nachwelt bewahrt, die in der Präsentation
vertreten sind.
Zu den gezeigten Highlights zählen ein Nischenteppich mit Millefleurs
-Dekor aus Nordindien aus dem 18. Jahrhundert, der 1868 als erster
Teppich für die Museumssammlung aus der Mechitaristen Kongregation in
Wien erworben wurde, sowie ein rotgrundiger „Tintoretto-Teppich“, der
um 1600 im westanatolischen Raum entstand. Er zeigt die typische
doppelte Nischen-Motivik sowie chinesische Wolkenbänder und birgt
eine kriminalistisch brisante Geschichte: Nach einem Diebstahl im
Jahr 1959, bei dem der Täter im Zuge einer internationalen Fahndung
in Paris gefasst wurde, kehrte der Teppich ein Jahr später wieder ins
Museum zurück.
Die Präsentation der Teppiche mit verwandten Textilien macht
kulturelle Verflechtungen und das Zirkulieren von Motiven
nachvollziehbar: Ein französischer Kaschmirschal mit der Darstellung
des persischen Neujahrsfestes Nouruz neben einem indischen
Millefleurs-Teppich verweist auf die europäische Shawlmode des 18.
und 19. Jahrhunderts. Eine Satteldecke aus der zweiten Hälfte des 16.
Jahrhunderts demonstriert, dass weitgereiste Motive wie das
buddhistische Chintamani-Muster in Bekleidungs- und
Interieurtextilien höherrangiger Persönlichkeiten im Osmanischen
Reich einflossen.
Auch Sammlerpersönlichkeiten, die die MAK Sammlung maßgeblich
prägten, sind in der Auswahl und in den Objekttexten gewürdigt. So
ist die legendäre Sammlung des österreichischen Bankiers und
Kunstsammlers Albert Figdor durch eine Strickjacke aus dem 17.
Jahrhundert mit eingearbeiteten Gold- und Silberfäden in einer
Sektion zu Bekleidung sowie liturgischen Gewändern und Textilien
vertreten. Eingang in die Ausstellung gefunden hat auch der als
„Scherenbock“ bekannte Aachener Kanonikus Franz Bock, berühmt für
seine mit der Schere fragmentierten Textilien, die über zahlreiche
europäische Sammlungen verstreut sind. Bocks Ziel, eine
Vorbildsammlung für die Produktion liturgischer Textilien im
Historismus zu schaffen, spiegelt sich in der Sammlungspraxis seiner
Zeit wider – etwa in den Kopien von Philipp Haas & Söhne – und findet
in der Ausstellung entsprechende Würdigung.
Unter den gewirkten Textilien ist eine „Wilde Leute“-Tapisserie
hervorzuheben, die zu den Highlights der mittelalterlichen
Tapisserien des MAK zählt. Daneben finden sich spätantike Fragmente
aus dem heutigen Ägypten, die häufig fälschlicherweise pauschal als
„koptisch“ bezeichnet werden.
Im Bereich der Stickerei, einer der prominentesten verzierenden
Techniken, steht das Antependium des Gösser Ornats im Mittelpunkt.
Dieser nahezu vollständig erhaltene romanische Ornat aus der Mitte
des 13. Jahrhunderts zeigt unter anderem seine Stifterin, Äbtissin
Kunigunde II., in einer farbenprächtigen Seidenstickerei auf Leinen.
Die Druck- und Maltechniken sind durch ein Element eines Paradebettes
aus Schloss Hof aus dem Besitz Prinz Eugens vertreten. Mit
Applikationsstickereien reich verziert, zeigt es – neben den dafür
eingesetzten indischen Textilien – eine von der Mode der Chinoiserien
inspirierte Motivik.
Abgerundet wird die Präsentation von einem maschinell hergestellten
Designerteppich von Virgil Abloh, den IKEA 2019 im Rahmen der Limited
Edition Markerad auflegte. Es handelt sich dabei um das einzige
Stück, das nicht aus der Textil-, sondern aus der Designsammlung
stammt. Die Präsentation dieses Massenprodukts lädt Besucher*innen
dazu ein, die aktuelle beziehungsweise zukünftige Sammlungspraxis des
Museums entlang der Materialordnung – in unserer global vernetzten
Welt – zu reflektieren.
Formafantasma
Formafantasma ist ein forschungsbasiertes Designstudio, das sich mit
den ökologischen, historischen, politischen und sozialen Kräften
befasst, die das Designwesen heute prägen. Seit der Gründung des
Studios im Jahr 2009 setzen sich die Italiener Andrea Trimarchi und
Simone Farresin für die Notwendigkeit einer Werteorientierung in
Verbindung mit ganzheitlichem Designdenken ein. Das Büro mit Studios
in Mailand (Italien) und Rotterdam (Niederlande) arbeitet mit einem
breiten Spektrum an Typologien und Methoden vom Produktdesign über
Raumgestaltung bis hin zu strategischer Planung und Designberatung.
Seine Projekte wurden in viele Sammlungen internationaler Museen
aufgenommen, darunter das MoMa und das Metropolitan Museum of Art in
New York, das Art Institute of Chicago, das Victoria and Albert
Museum in London, das Musée d’Art Moderne de Paris, das Musée des
Arts décoratifs und das Centre Georges-Pompidou in Paris, das Maxxi –
Museo nazionale delle arti del XXI secolo in Rom und viele andere.
Pressefotos stehen unter MAK.at/presse zum Download bereit.
Mit freundlicher Unterstützung von Rubelli
Pressekonferenz
Dienstag, 24.3.2026, 10 Uhr
Eröffnung
Dienstag, 24.3.2026, 19 Uhr
Eintritt frei zur Ausstellungseröffnung
Ausstellungsort
MAK Schausammlung Textilien und Teppiche
MAK, Stubenring 5, 1010 Wien
Ausstellungsdauer
ab 25.3.2026
Öffnungszeiten
Di 10–21 Uhr, Mi bis So 10–18 Uhr
Kuratorin
Lara Steinhäußer, Kustodin MAK Sammlung Textilien und Teppiche
Gestaltung
Formafantasma
Rahmenprogramm
Details unter MAK.at
MAK Eintritt
Ꞓ 19/18*
ermäßigt Ꞓ 15,50/14,50*
jeden Dienstag 18–21 Uhr: Eintritt Ꞓ 9,50/8,50*
Eintritt frei für Kinder und Jugendliche unter 19
* Ticketpreis im Online-Vorverkauf





