Wien (OTS) – Während die Erzeugerpreise im Ackerbau bereits das
zweite Jahr in
Folge stagnieren, belasten die hohen Produktionskosten das Einkommen
der Betriebe zunehmend. Für 1 Tonne Mahlweizen erhielt ein Landwirt
zuletzt rund 180 Euro, das ist ein Rückgang von 15 % im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum. Besonders brisant ist der äußerst geringe Anteil
der Wertschöpfung, der bei den Betrieben ankommt: Von einem 1-kg-Laib
Brot landen rund 20 Cent am Anfang der Kette bei den Bäuerinnen und
Bauern, das sind lediglich 6 % vom durchschnittlichen Verkaufspreis.
Bei einer Semmel bleibt dem Bauern nur rund 1 Cent.
„Selbst wenn der Bauer seinen Weizen verschenkt, würde die Semmel
für Konsumenten nur um rund einen Cent billiger. Zu diesen Preisen
können wir in Österreich kein Getreide produzieren“, so Bauernbund-
Präsident Abg.z.NR DI Georg Strasser.
Zwtl.: Ackerbau braucht dringende Entlastungen auf der Kostenseite
Düngemittel machen im Ackerbau einen deutlichen Anteil der
Produktionskosten aus, seit dem Krieg in der Ukraine sind die Preise
massiv gestiegen. Der CO₂-Grenzausgleich (CBAM) und weitere EU-
Klimavorgaben dürfen diese Kosten nicht weiter in die Höhe treiben.
„CBAM muss entweder ausgesetzt werden oder die Einnahmen daraus
gezielt zur Entlastung der Landwirtschaft verwendet werden. Deshalb
begrüßen wir die Initiative von Landwirtschaftsminister Norbert
Totschnig, der beim Agrarministerrat letzten Montag in Brüssel ein
umfassendes Maßnahmenpaket eingebracht hat, das genau diese
Forderungen enthält“, so Strasser .
Auch die ausreichende Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln ist
eine Priorität: „Bäuerinnen und Bauern brauchen die nötigen
Werkzeuge, um ihre Pflanzen gesund zu halten“, so Strasser . In
Drittstaaten wie der Ukraine oder in Südamerika gelten teils andere
Regeln als in der EU. Dort sind Pflanzenschutzmittel zugelassen, die
in der EU seit Jahrzehnten verboten sind. Strasser betont: „Wir
brauchen ein nationales Monitoring für Lebensmittel aus Drittstaaten
wie Südamerika oder der Ukraine. Wir fordern scharfe Kontrollen
importierter Lebens- und Futtermittel auf Rückstände von in Europa
längst verbotenen Pflanzenschutzmitteln und Gentechnik.“
Zwtl.: Landwirtschaft ist strategisch wichtiger Sektor
Getreide trägt wie kein anderes Lebensmittel zur Krisenvorsorge
bei. Es ist ungekühlt haltbar und lange lagerfähig. Der
Selbstversorgungsgrad liegt jedoch bereits bei unter 100 %.
Bauernbund-Direktorin Mag. Corinna Weisl ergänzt: „Wir setzen die
österreichische Krisenvorsorge aufs Spiel, wenn wir hier nicht
gegensteuern. In einem Krisenfall, von dem wir hoffen, dass er nie
eintritt, sind wir froh über jedes Kilogramm Weizen, das wir im
eigenen Land produzieren können.“
Von Konsumenten und Handel erwartet sich Weisl ein deutliches
Bekenntnis zur österreichischen Landwirtschaft: „Heimische
Lebensmittel gibt es nicht zum Nulltarif. Unsere Bauernfamilien haben
nur dann eine Zukunft, wenn Konsumenten zu österreichischen
Lebensmitteln greifen. Der Handel muss dafür sorgen, dass ein fairer
Anteil der Wertschöpfung beim Landwirt ankommt. Schleuderpreise
müssen der Vergangenheit angehören.“
Info-Box zur Kampagne „Schleuderpreise stoppen“: Der
Österreichische Bauernbund setzt sich mit der Kampagne
„Schleuderpreise stoppen“ für einen fairen Anteil an der
Wertschöpfung für bäuerliche Familienbetriebe ein. Unterstützen kann
man die Kampagne durch die Unterzeichnung der Petition unter
schleuderpreise-stoppen.at .





