„Pädagog:innenbildung“ Wo stehen wir? Wo wollen wir hin?

Wien (OTS) – Die Pädagog:innenbildung in Österreich hat in den
letzten 20 Jahren
viele Reformen erfahren. Ein besonders starker Eingriff war die
gesetzlich festgelegte gemeinsame Ausbildung von Pädagog:innen durch
Universitäten und Pädagogischen Hochschulen, die die Institutionen
vor viele Herausforderungen gestellt hat. Der Wechsel von der
Ausbildung für Schultypen zur Ausbildung für Altersstufen war
ebenfalls ein Bruch bisheriger Grundprinzipien. Im Zuge dieser
Veränderungen wurden auch an vielen Ausbildungsstandorten Schools of
Education gegründet.

Die Pädagog:innenbildung und ihre Reformen wurden vielfach
diskutiert und die Meinungen dazu und die Erfahrungen damit sind sehr
unterschiedlich. Derzeit steht die Pädagog:innenbildung insbesondere
durch den hohen Mangel an Pädagog:innen im Fokus der öffentlichen
Aufmerksamkeit; eine Situation der mit Quereinsteiger:innen begegnet
wird und der Akzeptanz, dass Studierende bereits nach einem
Studienjahr in der Klasse stehen und dabei teils auch Fächer
unterrichten, die sie nicht studieren.

Mit Blick auf die zentrale Bedeutung der Pädagog:innenbildung
nicht nur für die einzelne Schülerin/ den einzelnen Schüler, sondern
auch für die Zukunft unserer gesamten Gesellschaft, hat die
Österreichische Forschungsgemeinschaft (ÖFG) einen
hochschulpolitischen Workshop veranstaltet, in dem die
Pädagog:innenbildung aus unterschiedlichen Perspektiven analysiert
und diskutiert wurde. Darauf aufbauend haben wir Empfehlungen
formuliert und in diesem Positionspapier zusammengefasst. Das Papier
richtet sich an die beteiligten Institutionen und Akteure inklusive
Politik und Verwaltung sowie eine interessierte Öffentlichkeit.

Zwtl.: Empfehlungen mit Fokus auf Ziele und Inhalte der
Pädagog:innenbildung

– Zuerst sind Ziele zu formulieren, dann erst darauf aufbauend
Maßnahmen zu planen

– Kompetenzorientierung muss das Leitprinzip für die
Pädagog:innenbildung sein

– Bei den Studierenden ist eine reflektierte wissenschaftliche
Haltung anzustreben

– Darauf aufbauend und unter Berücksichtigung gesellschaftlicher
Veränderungen sollte das Professionsbild formuliert werden

– Im Studium braucht es viele Lerngelegenheiten; bei zu wenigen
besteht die Gefahr der Theorie-Praxis Lücke

– Die Anforderungen an die Studierenden sind mit Blick auf ihre
künftige Aufgabe und Verantwortung hoch anzusetzen und auch hoch zu
halten

– In den Curricula ist eine Transformation von Fragmentierung (
Bildungswissenschaften, Fachwissenschaften, Fachdidaktik, päd.-
praktischen Studien) zu Kohärenz notwendig

– Die Pädagog:innenbildung muss das gesamte
Professionalisierungskontinuum abdecken

– Aus-, Fort- und Weiterbildung sind daher als Ganzes zu sehen und
aufeinander abzustimmen

– Es braucht daher eine gemeinsame Ausbildungs- und
Weiterbildungsverantwortung

Zwtl.: Empfehlungen mit Fokus auf die Organisationsstruktur der
Pädagog:innenbildung

– Die Weiterentwicklung der Verbünde (Universitäten und PHs in
Regionen) sollte partizipativ erfolgen; ein Neustart ist zu vermeiden

– Die starre Verbundstruktur sollte dabei zumindest teilweise
geöffnet werden

– Es braucht mehr (wettbewerbliche) verbundübergreifende
Kooperationen; jedoch sollte auf eine Balance zwischen diesen und
Kooperationen im Verbund geachtet werden

– Regionale Engführung sollte reduziert und institutionelle Stärken
vermehrt genutzt werden

– Die Pädagogischen Hochschulen sollten von staatlich gelenkten
Institutionen in autonome umgewandelt werden mit klarer Verantwortung

– Entsprechend sollte die Politik Leistungsvereinbarungen mit den
Pädagogischen Hochschulen abschließen

– Die Bedeutung und Aufgabe der Pädagog:innenbildung für die Regionen
(kulturell, politisch, etc.) sollte bei all dem bedacht und
berücksichtigt werden

Empfehlungen mit Fokus auf die Umsetzung der Pädagog:innenbildung

– Die Studierbarkeit der Curricula muss regional geprüft werden (wie
weit sind die Standorte voneinander entfernt? Welche Angebote gibt es
an welchen Standorten?)

– Die schulpraktische Ausbildung braucht eine dichte Begleitung in
den Schulen durch Lehrpersonen, die an den Pädagogischen Hochschulen
ausgebildet wurden

– Es ist jedoch auch zu akzeptieren, dass eine Kohärenz zwischen
Schulpraxis und Wissenschaft nur begrenzt herstellbar ist

– Eine kontinuierliche Qualifizierung und Weiterbildung der Lehrenden
in der Pädagog:innenbildung ist erforderlich

– Es braucht den Mut zur Lücke und die Akzeptanz von Heterogenität in
der Pädagog:innenbildung

– Entsprechend der zunehmenden Heterogenität sind Qualitätsstandards
zu beschreiben und einzuhalten

– Eine Vereinheitlichung der Aufnahmeverfahren unter Berücksichtigung
von Qualitätsstandards ist notwendig

Zwtl.: Conclusio

Die Weiterentwicklung der Pädagog:innenbildung braucht eine
langfristige strategische Perspektive. Sie muss unter Einbindung
aller relevanten Akteure und Institutionen erfolgen und eine profunde
(Wirkungs-)Analyse der systemischen trade-offs von vorgeschlagenen
Maßnahmen inkludieren.

Gleichzeitig ist zu akzeptieren, dass die Reform nie
abgeschlossen sein wird, sondern dynamisch bleibt und unvollendet.
Bei den angehenden Pädagog:innen sollte die Illusion vermieden
werden, dass „alles sofort anwendbar ist“.

Für eine konsequente Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der
Pädagog:innenbildung braucht es eine sachorientierte und
zielgerichtete Bildungspolitik – losgelöst von parteipolitischen
Diskussionen und tagespolitischen Schauplätzen.

Das Positionspapier basiert auf einem Workshop der
Österreichischen Forschungsgemeinschaft (Informationen dazu sowie die
Präsentationen sind unter Pädagog:innenbildung (oefg.at) zu finden).
Das Positionspapier wurde unter Federführung von Christiane Spiel
gemeinsam mit Emil Brix, Harald Kainz und Heinrich Schmidinger unter
Mitarbeit der Referent:innen erstellt.

Juni 2026

ÖSTERREICHISCHE FORSCHUNGSGEMEINSCHAFT
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