Wien (OTS) – Immer mehr Jugendliche in Österreich kämpfen mit
psychischen
Belastungen. Studien belegen dennoch eine alarmierende Entwicklung
seit der Corona-Pandemie: Aktuell weist ein Viertel aller
Jugendlichen ein niedriges Wohlbefinden auf und jede:r Zehnte
deutliche Anzeichen psychischer Probleme. Mädchen sind dabei
besonders stark betroffen. [1] / [2] Die Hälfte von über 5.500
befragten Jugendlichen in Österreich und Deutschland beurteilen ihren
psychischen Gesundheitszustand negativ und berichten von Problemen,
Stress, Traurigkeit und sorgenvollen Gedanken. [3] Gleichzeitig
zeigen sie bemerkenswerte Stärke und Anpassungsfähigkeit . Trotz
widriger globaler Entwicklungsbedingungen – Klimakrise, Krieg,
Kostensteigerung – meistern viele ihren Alltag, sprechen offen über
psychosoziale Tabuthemen und suchen aktiv nach Hilfe . Die 26
Mitgliedsorganisationen von pro mente Austria begleiten zahlreiche
Jugendliche und verzeichnen seit Jahren in allen Bundesländern stetig
steigende Kontaktzahlen sowie eine Zunahme an psychiatrischen
Diagnosen. In ihren Einrichtungen werden meist lange Vormerklisten
geführt. Auch der jüngste Rechnungshofbericht zum gegenwärtigen Stand
der heimischen Kinder- und Jugendpsychiatrie konstatiert eine
eklatante Unterversorgung von jungen Menschen mit psychosozialem
Unterstützungsbedarf in Österreich – zu wenige Fachkräfte, zu lange
Wartezeiten, fehlende flächendeckende Angebote. Es ist höchste Zeit
zu handeln!
Der Rechnungshofbericht zeigt deutliche Lücken in der
psychiatrischen und psychosozialen Versorgung: unzumutbare
Wartezeiten auf Behandlungstermine bei niedergelassenen
Vertragsärzt:innen (im Schnitt 3 Monate), ein österreichweiter Mangel
an psychiatrischen Fachärzt:innen, regional ungleiche Strukturen mit
zahlreichen ambulant unterversorgten Landesteilen, fehlende
Vernetzung zwischen dem ambulanten und stationären Hilfssystem.
Besonders Kinder und Jugendliche fallen oft durch die Raster – weil
Kapazitäten fehlen oder bürokratische Hürden den Zugang erschweren.
„Der Rechnungshof benennt klar, was wir seit Jahren beobachten“ ,
sagt Priv.-Doz. Dr. Günter Klug, Präsident von pro mente Austria.
„Die Zahl psychisch belasteter junger Menschen nimmt zu, die
Versorgung kommt nicht nach. Wir müssen jetzt handeln, gemeinsam und
lösungsorientiert, um dafür zu sorgen, dass psychosoziale
Unterstützung dort ankommt, wo sie dringend gebraucht wird – schnell,
unbürokratisch und engmaschig.“
„Psychische Erkrankungen bei Jugendlichen sind keine
Ausnahmeerscheinung mehr, sondern alltägliche Realität. Je früher wir
Behandlung und Betreuung sicherstellen, desto besser sind die
Heilungschancen – das erfordert ein abgestimmtes,
multiprofessionelles System“ , so Klug.
Zwtl.: Jugendliche am Limit: Steigende Belastungen, wachsende
Nachfrage
pro mente Austria und ihre Mitgliedsorganisationen begleiten
jährlich österreichweit zahlreiche junge Menschen mit psychischen
oder sozialen Problemen – in Schulen, Ausbildungs-, Arbeits- und
Wohnprojekten, psychosozialen Beratungsstellen oder im Rahmen von
Freizeitangeboten. Zu den momentan besonders stark vertretenen
psychischen Jugenderkrankungen zählen Depressionen, Angst-, Ess- und
Persönlichkeitsstörungen, ADHS sowie Belastungsreaktionen nach
Gewalterlebnissen. Trotz dieser Herausforderungen verfügen junge
Menschen dennoch über ausgeprägte Resilienz: Sie vernetzen sich,
fordern Unterstützung ein und entwickeln oft kreative
Bewältigungsstrategien. Gerade diese Ressourcen gilt es zu stärken,
damit schwierige Lebensphasen nicht zu langfristigen Erkrankungen
führen.
„Als es mir psychisch schlecht ging, erhielt ich einen Platz in
der AusbildungsFit work.box von pro mente OÖ. Die Begleitung und
Betreuung haben mich unglaublich stabilisiert. Dass ich in dieser
Zeit auch mit Hilfe von pro mente meinen Bildband über Depressionen
und Angsterkrankungen veröffentlichen konnte, macht mich sehr stolz.
Heute arbeite ich im Buchhandel, mache die Abendschule und habe viele
neue Perspektiven gewonnen. Das wäre ohne die schnelle,
unkomplizierte Unterstützung nicht möglich gewesen. Genau deshalb ist
es so wichtig, dass psychisch belastete Jugendliche rasch Zugang zu
professionellen Hilfsangeboten bekommen“, sagt die 19-jährige
Oberösterreicherin Ina Spitzbart.
Zwtl.: Folgende Themen sind bei den von pro mente betreuten
Jugendlichen besonders virulent:
–
Überforderung durch schulischen oder beruflichen Leistungsdruck
–
Soziale Isolation und fehlende Unterstützungssysteme
–
Starke Ängste, Depressionen und Selbstwertprobleme,
selbstverletzendes Verhalten
–
Familiäre Konflikte, Armut, Trennungs-, Ablehnungs- oder
Gewalterfahrungen (wie etwa auch (Cyber-)Mobbing)
Problematische digitale Nutzungsweisen bis hin zu exzessivem Mediennund Gamingverhalten (zunehmend mit negativen Einflüssen auf Schlaf, Schule, soziale Kontakte und Stimmungslage)n- Einsamkeit und Rückzug
Zwtl.: Sechs konkrete Schritte für ein starkes psychosoziales Netz in
der Jugendarbeit
„Wir wissen: Je früher die Hilfe bei psychischen Belastungen
ansetzt, desto wirksamer ist sie. Unbehandelte psychische
Erkrankungen können – abgesehen vom persönlichen Leid – im
Erwachsenenalter zu einer massiven Verschlechterung der
Lebensumstände sowie eingeschränkter Erwerbstätigkeit führen und
damit auch das Gesundheits- und Sozialsystem langfristig belasten“ ,
erklärt Klug.
pro mente Austria präsentiert deshalb konkrete Empfehlungen, wie
die psychosoziale Versorgung Jugendlicher in Österreich nachhaltig
verbessert werden kann:
–
Niederschwelliger Zugang zum psychosozialen Hilfssystem durch
einen Ausbau der Versorgung: rascher, unkomplizierter Erstkontakt
ohne lange Wartezeiten oder Antragsverfahren
Dafür ist es notwendig, das Jugendangebot in den Bereichen
Psychotherapie, Familienberatung, Krisenwohnen, mobile Betreuung und
Psychiatrie österreichweit auszubauen – mit einem besonderen Fokus
auf augenblicklich unterversorgte Regionen.
–
Multiprofessionelle & vernetzte Versorgung: damit positive
Entwicklungen aus der Betreuung stabil bleiben und Recovery-Prozesse
nicht unterbrochen werden
Um nachhaltige Unterstützungserfolge gewährleisten zu können,
müssen Psycholog:innen, Psychotherapeut:innen, Sozialarbeiter:innen,
Ärzt:innen und Pädagog:innen eng zusammenarbeiten – abgestimmt über
Systemgrenzen hinweg. Wenn ambulante und stationäre Angebote ebenso
wie Sozial- und Bildungsstrukturen ineinandergreifen, kann zurzeit
regelmäßig vorkommenden Behandlungs- und Betreuungsabbrüchen in der
Transitionspsychiatrie vorgebeugt werden.
–
Sichere Schutzräume schaffen: Orte, an denen Jugendliche ohne
Angst über psychische Belastungen sprechen können und gleichzeitig
Zugehörigkeit, Selbstvertrauen und Empowerment erfahren
Dieses Bedürfnis ist aufgrund der Stigmatisierung von psychischen
Erkrankungen besonders dringlich. Gleichzeitig bildet das Erleben
echter persönlicher Beziehungen zu Gleichaltrigen einen Gegenpol zu
den Entfremdungstendenzen im digitalen Alltag vieler Jugendlicher.
–
Partizipation ermöglichen: Jugendliche aktiv einbinden, ihre
Perspektiven ernst nehmen und in die Angebotsentwicklung einfließen
lassen
Durch die Beteiligung betroffener junger Menschen an der
Evaluation und Entwicklung von Unterstützungsmaßnahmen ist
garantiert, dass diese auch der Lebensrealität und den spezifischen
Herausforderungen von Jugendlichen gerecht werden. Das Erleben von
Selbstwirksamkeit ist eine zentrale Grundlage für psychisches
Wohlbefinden – Partizipation ist daher auch Prävention.
–
Digitale und persönliche Unterstützung kombinieren: Ausbau von
Online-Beratung (z. B. chat.box von pro mente OÖ) in Verbindung mit
regionalen Anlaufstellen
Die Erfahrungen der Praxis zeigen, dass eine bedarfsorientierte
Verschränkung zwischen digitaler und persönlicher Betreuung die
größte Wirkung erzielt.
–
Systemischen Unterstützungsansatz ausbauen: soziales Umfeld
gezielt als Ressource einbeziehen und mobil unterstützen
Wichtige Bezugspersonen innerhalb der Familie, des
Freundeskreises und Ausbildungsalltag sowie im Rahmen von (betreuten)
Peergroups sind gerade im Jugendalter entscheidende Schutzfaktoren.
Ein umfassender Unterstützungsansatz stärkt nicht nur die
Jugendlichen selbst, sondern befähigt auch ihr Umfeld, Stabilität,
Beziehung und Teilhabe zu bieten. Dadurch können positive
Entwicklungen gefestigt und langfristig auch im jeweiligen sozialen
Netzwerk verankert werden.
Zwtl.: „Wir wollen Lösungen, keine Schuldzuweisungen“
pro mente Austria versteht sich als Partnerin der öffentlichen
Hand. Ziel ist es, gemeinsam mit Bund und Ländern tragfähige
Strukturen zu schaffen, um Jugendlichen frühzeitig Hilfe zu bieten –
bevor aus Krisen chronische Erkrankungen werden.
„Wir wollen Lösungen anregen“ , betont Klug. „Die psychische
Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist eine
gesamtgesellschaftliche Aufgabe und sichert unsere Zukunftsfähigkeit.
Wir wissen um die Belastungen – und wir wissen um die enorme
Widerstandsfähigkeit der jungen Generation. Unser Auftrag ist es,
diese Stärke zu fördern und Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein
gesundes Aufwachsen begünstigen.“
Zwtl.: pro mente Austria im Überblick
Als Dachverband vertritt pro mente Austria 26
Mitgliederorganisationen, die in ganz Österreich mit ihren 5.500
Mitarbeiter:innen Menschen mit psychischen oder psychosozialen
Problemen versorgen. Multiprofessionelle Teams der Mitglieder decken
alle Dienstleistungen ab, die die psychosoziale Gesundheit Einzelner
und der Gesellschaft fördern: Sie bieten psychosoziale und
sozialpsychiatrische Versorgung, Wohn- und Betreuungsangebote und
Arbeitsprojekte sowie Prävention & Rehabilitation und Aus- und
Fortbildung.
Wir vertreten die gemeinsamen Ziele unserer Mitglieder sowohl in
Österreich als auch im Ausland und bieten eine Plattform für den
unkomplizierten Informationsaustausch. Nach außen stehen wir als
Ansprechpartner für alle Stakeholder:innen im Bereich der psychischen
und sozialen Gesundheit zur Verfügung.
Pressefotos zum Download:
https://www.promenteaustria.at/wp-content/uploads/2025/11/PK-pro-
mente-Austria-18.11.2025_3-scaled.jpg
https://www.promenteaustria.at/wp-content/uploads/2025/11/PK-pro-
mente-Austria-18.11.2025-scaled.jpg
[1] Strizek, J.; Akartuna, D.; Busch, M.; Schwarz, T. (2025):
ESPAD Österreich 2024. Gesundheit Österreich, Wien.
https://goeg.at/jugendliche_suchtverhalten2024
[2] Vgl. auch: www.oe3jugendstudie.at
[3] YEP – Stimme der Jugend. (2025): Mental Health. Jugendbericht
April 2025. Berlin/Wien.
https://yep-works.org/yep-jugendbericht-mental-health





