vida-Eberhart zu WKÖ: „Die Realität der Beschäftigten lässt sich nicht wegreden“

Wien (OTS) – Mit Verwunderung reagiert die Gewerkschaft vida auf die
jüngsten
Aussagen der Wirtschaftskammer zu den laufenden
Kollektivvertragsverhandlungen in Hotellerie und Gastronomie. „Die
Arbeitgeber behaupten, es gebe keine Belege für unsere Kritik an den
Zuständen in der Branche. Gleichzeitig veröffentlichen Medien beinahe
täglich Fälle von Lohndumping, fragwürdigen Kündigungen und sozialer
Unsicherheit im Tourismus. Man muss schon bewusst wegschauen, um
diese Missstände übersehen zu können“, sagt Eva Eberhart, Vorsitzende
des vida-Fachbereichs Tourismus und KV-Chefverhandlerin. Auch den
Vorwurf der Pauschalkritik weist sie zurück: „Die Gewerkschaft vida
betreibt kein Branchen-Bashing. Im Gegenteil: Mit den
‚Tourismusstars‘ haben wir selbst während der laufenden
Kollektivvertragsverhandlungen jene Betriebe vor den Vorhang geholt,
die zeigen, dass fairer Umgang mit Beschäftigten möglich ist“.

Allein in den vergangenen Tagen wurden mehrere Fälle öffentlich:
Ein Koch verlor laut einem Bericht in der Tageszeitung „Heute“ nach
einem Herz-Notfall nicht nur seinen Job, sondern plötzlich auch
seinen Versicherungsschutz. Eine Köchin erhielt – wie in der
Kronenzeitung berichtet – nach Intervention der Arbeiterkammer fast
8.900 Euro zurück, nachdem sie zuvor unterbezahlt und gekündigt
worden war. Und „Österreich“ machte einen Fall publik, in dem eine
Kellnerin unmittelbar nach Bekanntgabe ihrer Schwangerschaft
gekündigt wurde. „Diese Beispiele sind nur ein kleiner Auszug aus
dem, was Gewerkschaft und Arbeiterkammer tagtäglich von Beschäftigten
aus der Branche hören müssen“, betont Eberhart.

„Beschäftigte können sich von Imagekampagnen nichts kaufen“

Die Wirtschaftskammer werfe der Gewerkschaft „Hetzkampagnen“ vor,
blende die Realität vieler Beschäftigter aber konsequent aus. „Die
Menschen können sich von Hochglanzbroschüren und Tourismuswerbung
nichts kaufen. Wer arbeitet, muss von seinem Einkommen leben können“,
so Eberhart.

Besonders drastisch sei die Situation bei niedrigen Einkommen.
Laut den staatlich anerkannten Referenzbudgets der Schuldenberatungen
liegt das notwendige Netto-Einkommen für einen bescheidenen
Einpersonenhaushalt aktuell bei 1.878 Euro. Eine Alleinerzieherin mit
Kind benötigt sogar 2.896 Euro netto pro Monat. „Gleichzeitig liegen
drei Lohngruppen im Kollektivvertrag unter diesem Referenzbudget. Das
bedeutet: Trotz Vollzeitarbeit reicht das Einkommen oft nicht für ein
bescheidenes Leben“, kritisiert Eberhart.

Die Preissteigerungen bei Mieten, Energie, Lebensmitteln und
Treibstoff träfen Beschäftigte besonders hart. „Alle
Kostensteigerungen, die von den Arbeitgebern angeführt werden, gelten
für das Personal selbst umso mehr. Trotzdem würde das aktuelle
Angebot der Arbeitgeberseite im Schnitt weniger als 70 Euro brutto
pro Monat bringen. Das ist angesichts der Teuerung schlicht zu
wenig.“

Nächste KV-Gespräche als Gradmesser für Wertschätzung

Am Donnerstag, den 21. Mai finden erneut Gespräche zum
Kollektivvertrag für Hotellerie und Gastronomie statt. Für die
Gewerkschaft vida ist klar: Die Arbeitgeber haben jetzt die
Möglichkeit zu zeigen, wie ernst sie es mit Fachkräftesicherung und
Wertschätzung meinen.

„Die Arbeitgeber können beweisen, ob sie den Beschäftigten
tatsächlich Respekt zollen. Für uns ist jedenfalls klar, dass es bei
den Löhnen deutlich nach oben gehen muss“, erklärt Eberhart.

Die Gewerkschafterin verweist auf die hohe Fluktuation, häufige
Übergriffe und Fälle sexueller Belästigung, sowie zahlreiche weitere
dokumentierte Verstöße gegen Arbeits- und Sozialrecht in der Branche.
„Wenn Beschäftigte trotz Arbeit kaum über die Runden kommen, sich am
Arbeitsplatz nicht sicher fühlen können und nicht einmal darauf
vertrauen können, dass ihre geleisteten Stunden korrekt ausbezahlt
werden, dann ist das kein Zukunftsmodell für den Tourismusstandort
Österreich“, so Eberhart abschließend.