Wien (OTS) – In der Diskussion um das sogenannte Zwischenparken von
Beschäftigten
beim AMS fordert Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Gewerkschaft
vida, ein Aus der Subventionen für Branchen, die nicht einmal bereit
sind, bei Kollektivvertragsverhandlungen die Inflation abzugelten.
„Branchen, die ihre unternehmerischen Risken zudem auf Kosten der
Allgemeinheit und ehrbaren Unternehmen an das AMS auslagern, sollen
in Zukunft nicht mehr mit Arbeitskräften aus Staaten außerhalb der EU
subventioniert werden“, verweist Hebenstreit auf die
Tourismusbranche. Der vida-Vorsitzende fordert Kostenwahrheit ein:
„Unternehmen, die die Arbeitslosenversicherung mehr in Anspruch
nehmen, sollen auch höhere Beiträge zahlen.“
Hotellerie und Gastronomie zählen seit Jahren zu den
Spitzenreitern bei Kurzzeitarbeitslosigkeit. Beschäftigte werden
gekündigt, sind kurzfristig arbeitslos und werden wenige Wochen
später wieder eingestellt, so Hebenstreit weiter. Laut WIFO entfielen
2023 rund 21,6 Prozent aller sogenannten Layoff-Arbeitslosigkeitstage
und rund 20 Prozent der Kosten für Arbeitslosengeld und
Notstandshilfe auf den Tourismusbereich. Hochgerechnet entspreche
dies rund 128 Millionen Euro jährlich. Im Jahresdurchschnitt 2025
seien laut AMS 41.140 Personen aus Hotellerie und Gastronomie
mindestens einmal arbeitslos gemeldet gewesen. Nur knapp jede sechste
Person habe über eine Wiedereinstellungszusage verfügt.
„Die große Mehrheit der Betroffenen blickte somit in eine
ungewisse Zukunft. Der Tourismus produziert um fünf Prozent mehr
Arbeitslosigkeit als andere Branchen – und das regelmäßig. Eigentlich
sollte die Branche daher mehr Arbeitslosenbeitrag zahlen. Stattdessen
missbrauchen manche Betriebe das AMS de facto als Verlängerung des
Saisonmodells“, kritisiert Hebenstreit, dass hier Gewinne
privatisiert und Risiken sozialisiert werden.
Strukturelle Probleme würden zunehmend durch internationale
Arbeitsmigration subventioniert. Bis März 2026 wurden für
Beherbergung und Gastronomie bereits 629 positive Gutachten für Rot-
Weiß-Rot-Karten ausgestellt, davon 543 für die Gastronomie. „Obwohl
die Wirtschaftskammer kürzlich öffentlich beteuerte, ausreichend
Personal zu haben, setzt die Branche dennoch weiterhin auf
zusätzliche Arbeitskräfte aus Drittstaaten.“ Diese seien durch ihre
Abhängigkeit von einem Arbeitgeber Lohn- und Sozialdumping bis hin
zur Existenzgefährdung ausgesetzt, kritisiert der vida-Vorsitzende.
„Das Geschäftsmodell des Zwischenparkens ist aber auch
betriebswirtschaftlich teuer und führt zu Überbeanspruchung des
bestehenden Personals. Wenn ständig neues Personal gesucht werden
muss, dann bedeutet das für die bestehenden Kolleg:innen erhöhte
Belastung durch das Kompensieren der Unterbesetzung und permanentes
Einschulen“, gibt Hebenstreit zudem zu bedenken. Die angeworbenen
Beschäftigten trauen sich nicht gegen ihre Arbeitgeber vorzugehen,
weil ihre Aufenthaltsgenehmigung an den Dienstgeber gebunden ist und
sie dadurch leicht erpressbar sind. Auch fehlende Deutschkenntnisse
und finanzielle Nöte verstärken das Risiko, in ein
Abhängigkeitsverhältnis zu geraten, warnt der vida-Vorsitzende.
Die Gewerkschaft vida fordert daher:
· Sofortiges Sperren des Zugangs der Tourismus-Branche auf
Arbeitskräfte über Saisonkontingente und Rot-Weiß-Rot-Karte
· Streichen von der Mangelberufsliste/Fachkräfteverordnung von
Koch/Kellner
· Koppelung der Förderungen und Kredite an überprüfbare
Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen und zusätzliche
Sozialkriterien
· Kostenwahrheit: Unternehmen, die die Arbeitslosenversicherung
mehr in Anspruch nehmen, sollen höhere Beiträge zahlen.





