Von der Straße auf den Laufsteg

Wien (OTS) – Jeder genähte Stich erzählt eine Geschichte. Wie jene
von Francisca
Eze. Die junge Nigerianerin, stolze Geschäftsführerin von „NAK
Clothing“, werkt gerade fleißig in ihrer Schneiderwerkstatt. Denn
bald ist es soweit – in wenigen Tagen wird Francisca ihre jüngste
Kollektion bei einer großen „Fashion-Show“ in einer Eventhalle mitten
in der Millionenmetropole Lagos präsentieren. „Outfits für den
Alltag, von modern über Vintage bis hin zu eleganten Looks“, kündigt
Francisca in einem Insta-Video an. Die Show sei für sie „wie ein wahr
gewordener Traum, als Teil von Don Bosco Stitches den Sprung von der
Straße auf den Laufsteg geschafft zu haben.“

Francisca ist Absolventin des Nähzentrums „Don Bosco Stitches“ (
Stiche), ein von der österreichischen Entwicklungsorganisation Jugend
Eine Welt gefördertes spezielles Berufsausbildungs-Programm, das sich
insbesondere an benachteiligte junge Frauen richtet. Situiert in Iju
– einer Stadt rund 20 Kilometer entfernt von Lagos – feiert Don Bosco
Stitches nun sein fünfjähriges Bestehen mit der großen Modeshow „From
the streets to the runway“.

Qualitative Ausbildung für bessere Startbedingungen

„ Junge Menschen brauchen genau solche qualitativen
Ausbildungsmöglichkeiten, um ihre Talente, ihre Fähigkeiten, ihre
‚Life Skills’ entwickeln zu können, um dann in der Berufswelt, in
ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Lebensumfeld bestehen zu können
“, sagt Jugend Eine Welt-Geschäftsführer Reinhard Heiserer mit Blick
auf den Internationalen Tag der Jugend am 12. August. Mit dem von den
Vereinten Nationen ausgerufenen Tag wird weltweit auf die Situation
und Anliegen von Kindern und Jugendlichen aufmerksam gemacht. Das
Thema für 2026 lautet „Different Contexts, Common Aspirations“ (
wörtlich übersetzt „Unterschiedliche Kontexte, gemeinsame Ziele“).

Ein Thema, das bei Jugend Eine Welt ganz besonders im Fokus
steht. „ Gemeinsames Ziel der von uns unterstützen
Ausbildungsprogramme unserer Don Bosco-Partner ist es, der Jugend
eine gute Schul- und Berufsausbildung mitzugeben, damit sie bessere
Startbedingungen für ihr weiteres Leben erhalten, bessere als jene
ihrer Eltern “, erklärt Heiserer. Zusammengefasst unter der Dachmarke
„Don Bosco Tech Africa“ betreiben die Jugend Eine Welt-Partner allein
in Afrika und Madagaskar – verteilt auf 34 Länder – mittlerweile rund
118 Berufsbildungszentren. Die Kursangebote – bedarfsorientiert
ausgerichtet auf den jeweiligen Standort – reichen von klassischen
Handwerksberufen über die Gastro- und Tourismusbranche hinein in den
weit gestreuten IT-Bereich bis hin zu Jobs mit spezifischen
technischen Anforderungen, wie beispielsweise die
Solartechnikerinnen.

Florierende Modebranche in Lagos

„ Wir fördern ganz gezielt einzelne Einrichtungen, die jungen
Leuten sozusagen eine Startplattform in ihr Berufsleben bieten “, so
Heiserer. Wie eben Don Bosco Stitches, wo die Teilnehmerinnen eine
intensive, mehrmonatige Ausbildung im Bereich Modedesign und
Schneiderei durchlaufen. Laufstegpräsentationen im Modedesign-
Institut sind dabei fester Bestandteil des Lehrplans. Die nach
eigenen Ideen entworfenen, farbenfrohen und nachhaltigen
Kleidungsstücke werden dabei bewertet – was das Selbstvertrauen in
die erworbenen technischen Fähigkeiten und die eigene Kreativität
stärken soll. Neben handwerklichem Können wird den jungen Frauen dazu
notwendiges „kaufmännisches“ Wissen vermittelt, damit sie sich in
weiterer Folge eine eigenes Modeunternehmen aufbauen können.

„ Don Bosco Stitches passt genau in unsere Förderkriterien –
arbeitsmarktorientierte Qualifikationen für benachteiligte
Jugendliche, Geschlechtergleichstellung und die Vermittlung
finanzieller Unabhängigkeit “, sagt Heiserer. Lagos gilt als eine der
dynamischsten Metropolen Afrikas. Zu den florierendsten Branchen
zählen neben dem Technologie-, Finanz- und Handelssektor die Kreativ-
und Entertainmentbranche (Film & Musik) sowie die Modebranche, die
gerne traditionelles Handwerk mit modernen, urbanen Einflüssen
kombiniert.

Für Stitches-Projektdirektor Chikezie Ekugbah, SDB, steht
jedenfalls fest: „Hinter jedem Entwurf steckt mehr als nur Stoff und
Zwirn, es ist eine Geschichte von Widerstandsfähigkeit, Hoffnung,
Selbstermächtigung und Wandel. Jedes Outfit spiegelt eine Reise
wider, die durch Chancen, Engagement und die Unterstützung derer
ermöglicht wurde, die daran glauben, Leben zu verändern.“

Frauen ohne Hoffnung gestärkt

Absolventin Theresa Ujor, CEO von „T-Ujor Fashion Home“, drückt
aus, was die Ausbildung bei ihr und vielen ihrer Kolleginnen bewirkt
hat: „Ihr habt hoffnungslose Frauen so gestärkt, dass jetzt, was wir
nie für möglich gehalten hätten, das Beste in uns zum Vorschein
kommt.“ Theresa möchte deshalb auch allen Stitches-Sponsoren von
„ganzem Herzen danken“ und appelliert an diese: „Bitte stellt dieses
Programm nicht ein, wir wünschen uns mehr davon.“

Die große Jubiläums-Fashion-Show – an der natürlich auch Theresa
mit ihrer soeben fertiggestellten Kollektion teilnehmen wird – geht
kommenden Sonntag, dem 16. August, in Lagos über die Bühne. Ein wohl
nicht zufällig gewähltes Datum, jährt sich doch an diesem Tag zum
211. Mal der Geburtstag von Don Bosco (1815–1888), dem Schutzpatron
aller Jugendlichen. Reinhard Heiserer: „ Basierend auf Don Boscos
Pädagogik bedeutet Bildung in allen Don Bosco-Zentren immer auch
Bildung für Herz, Hirn und Hand, das heißt, neben den beruflichen
Qualifikationen werden den Jungen Dinge wie Zuverlässigkeit,
Teamgeist und Verantwortungsgefühl mitgegeben. “

Jugend Eine Welt ist gemäß seinem Leitsatz „Bildung überwindet
Armut“ eine jener Förderorganisationen, deren Augenmerk ganz
besonders auf „Investments in die Jugend“ liegt, vor allem in Ländern
des Globalen Südens. Ziel ist es, jungen Menschen bessere
Rahmenbedingungen für ein würdevolles Leben in ihrer Heimat zu geben.
„Ich danke daher all jenen Menschen hierzulande, die unsere
Anstrengungen für die Jugend unterstützen. Bitte bleiben Sie uns
weiter gewogen“, so Heiserer abschließend.

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