Wien (OTS) – Wohnraum in Wien bleibt knapp – und das wird den Markt
auch in den
kommenden Jahren prägen. Raiffeisen sieht klaren Trend in Richtung
energie-effizientes Bauen. Für 2026 wird prognostiziert, dass die
Immobilienpreise in Wien stärker steigen als im österreichweiten
Durchschnitt.
Die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, Raiffeisen Research und
Raiffeisen Immobilien haben den Wiener Immobilienmarkt analysiert und
die Erkenntnisse bei einem Pressegespräch vorgestellt.
2025 verzeichnete die Raiffeisen Stadtbank Wien ein gestiegenes
Interesse an privaten Immobilienfinanzierungen und finanzierte
insgesamt rund 300 Millionen Euro im privaten Wohnbau. „Besonders bei
Sanierungen und Modernisierungen sehen wir eine wachsende Nachfrage,
da Neubauprojekte in Wien weiterhin knapp sind“, betont Martin Hauer,
Vorstandsdirektor der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien. Das
Wohnbaukreditvolumen für Privatkund:innen stieg um etwa vier Prozent
auf 2,5 Milliarden Euro (Vergleich zum 31.12.2024). Damit bleibt die
Raiffeisen Stadtbank Wien ein wichtiger Partner für
Wohnraumfinanzierungen in der Bundeshauptstadt.
Für 2026 zeichnet sich ein klarer Trend zum energieeffizienten
Bauen ab. „Im Sinne unserer absoluten Kundenzentrierung entwickeln
wir hier gezielt Lösungen. Erfüllt ein Objekt bestimmte
Nachhaltigkeitskriterien, profitieren unsere Kundinnen und Kunden von
günstigeren Zinskonditionen im Vergleich zur Normalkondition“, so
Hauer.
Raiffeisen Research: Wiener Immobilienmarkt im Spannungsfeld von
knappem Angebot und steigender Nachfrage
„Die Zeit sinkender Immobilienpreise in Österreich ist vorbei“,
so Matthias Reith, Senior-Ökonom für den österreichischen
Wohnimmobilienmarkt bei Raiffeisen Research. Nach der Preiskorrektur
im Schritttempo – Wohneigentum ist zwischen 3. Quartal 2022 und 4.
Quartal 2024 nur um fünf Prozent billiger geworden – dürften die
Immobilienpreise 2025 österreichweit um 0,9 Prozent nach oben
geklettert sein. Gestiegene Einkommen und rückläufige
Fertigstellungszahlen bei (leicht) wachsender Bevölkerung sprechen
für steigende Preise. Allerdings sprechen die nicht mehr sinkenden
Zinsen dagegen, dass die Bäume in den Himmel wachsen.
Die gute Nachricht der Ökonomen ist: Wohneigentum ist wieder
leistbar. So leistbar wie in Zeiten rekordniedriger (Kredit-)Zinsen
ist es aber nicht – und wird es absehbar auch nicht werden. Die EZB
hat den Abstieg vom Zinsgipfel wohl in der Mittelstation beendet.
„Von der EZB sind keine weiteren Zinssenkungen zu erwarten. Die
Kreditzinsen bleiben damit spürbar höher als vor der Zinswende“,
beschreibt Gunter Deuber, Chefanalyst von Raiffeisen Research, das
Zinsumfeld für den Immobilienmarkt. Mittelfristig ist laut Deuber
eher mit Aufwärtsdruck bei den Leit- und Kapitalmarktzinsen zu
rechnen. Die Immobilienpreise dürften heuer um etwa 2,5 Prozent
steigen und damit stärker als 2025.
Hohe Volatilität in Wien: Wohnungen dürften schneller teurer
werden
Für die Preise auf dem Wiener Wohnimmobilienmarkt ging es in den
letzten Jahren stärker bergab, allerdings geht es dafür nun stärker
bergauf. Für 2025 erwarten die Raiffeisen-Ökonomen eine Steigerung
der Wiener Immobilienpreise um 1,3 Prozent. Wien wächst weiter,
gleichzeitig wird zu wenig gebaut. 2035 wird Wien knapp 150.000
Wiener:innen mehr zählen als heute und damit in etwa um die Größe
Salzburgs (Stadt) gewachsen sein. „Die jetzt schon knappen Wohnungen
werden in den nächsten Jahren noch knapper. Das spricht für steigende
Preise“, erwartet Reith. Im Jahr 2024 wurden in Wien 10.900 neue
Wohneinheiten fertiggestellt, 2021 waren es noch 16.200. Erst 2027
rechnen wir wieder mit steigenden Fertigstellungszahlen. „Anders als
für die Gesamtwirtschaft ist für den Wohnbau wohl auch 2026 ein
Stagnations- oder gar Rezessionsjahr“, prognostiziert Deuber. Der
über viele Jahre aufgebaute Wohnraummangel wird ab 2028 nur sehr
langsam abgebaut und daher auch im nächsten Jahrzehnt ein zentrales
Charakteristikum des Wiener Wohnungsmarktes sein. „Dort in Wien, wo
Wohnraum jetzt schon knapp ist, wird die Knappheit in den nächsten
Jahren weiter zunehmen“, erwartet Reith. Das Preisgefälle auf dem
Wiener Wohnungsmarkt dürfte daher perspektivisch eher noch größer als
kleiner werden.
Raiffeisen Immobilien: Ausgetrockneter Markt bringt steigende
Preise
Aus Sicht von Raiffeisen Immobilien ist die Nachfrage nach
Immobilien in Wien gut, trifft jedoch aufgrund sinkender
Fertigstellungszahlen auf ein zu knappes Angebot. Dies wirkt sich
auch auf den Markt für gebrauchte Immobilien aus: Kommen qualitativ
hochwertige Bestandsobjekte auf den Markt, werden sie rasch verkauft.
Im Jahr 2025 waren insbesondere die Toplagen der Bezirke Innere Stadt
und Döbling stark gefragt, ebenso die Bezirke Neubau, Hietzing und
Währing. Der Großteil der Verkäufe fand jedoch in Randlagen statt,
etwa in den Bezirken Donaustadt, Favoriten, Landstraße oder
Floridsdorf – also dort, wo weiterhin ein Angebot zu vergleichsweise
moderaten Preisen verfügbar ist. Peter Weinberger, Geschäftsführer
von Raiffeisen Immobilien in NÖ/Wien/Burgenland: „Der Markt ist
ausgetrocknet. Steigende Preise sowohl im Eigentums- als auch im
Mietsektor sind die Folge.“
Das Problem teurer werdender Mieten wird also letztlich nur durch ein
Ankurbeln der Neubautätigkeit zu lösen sein. Weinberger: „Dabei geht
es jedoch nicht allein um die Leistbarkeit des Wohnens: Mit
Wohnungsnot gehen vielfältige soziale Probleme einher. Ein Mehr an
Wohnbau ist also auch aus sozialpolitischer Sicht von enormer
Bedeutung.“





