Wien (OTS) – Die Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie
(VÖZ) weist die
im gestrigen ORF-Mittagsjournal geäußerte Kritik des Klimaforschers
Hans Joachim Schellnhuber an der Klimabilanz von Beton entschieden
zurück: Sie greift zu kurz, verzerrt die Fakten und blendet den
gesamten Lebenszyklus des Baustoffs aus – von der Herstellung über
die jahrzehntelange Nutzung bis zu Rückbau und Recycling bzw.
Verwertung.
Zugleich verschweigt Schellnhuber einen zentralen Befund: Österreichs
Wälder haben ihre Funktion als CO₂-Senke verloren. Wer Holz zum
Klimaretter erklärt, darf die Entwicklung im heimischen Forstsektor
nicht ausblenden.
Der CO₂-Fußabdruck moderner Stahlbetonkonstruktionen liegt in
Österreich über den gesamten Lebenszyklus bei rund 0,09 Tonnen CO₂ je
Tonne Beton – und damit bei weniger als einem Zehntel des im
Interview genannten Wertes. Österreichische Hochbaubetone erreichen
bereits heute eine Größenordnung, die mit jener moderner
Holzbaustoffe vergleichbar ist.
„ Wer einzelne Emissionswerte isoliert herausgreift und Nutzung,
Langlebigkeit, Wiederverwendung und Recycling ausblendet, verzerrt
die Klimabilanz. Die Bauwende braucht wissenschaftlich fundierte,
vergleichbare und technologieoffene Bewertungen – keine geschönten
Ökobilanzen und keine faktenwidrigen Behauptungen “, sagt Sebastian
Spaun, Geschäftsführer der VÖZ.
Zwtl.: Holzspeicherung ist kein Freibrief für eine einseitige
Klimabilanz
Auch die von Schellnhuber und Interessenvertretern der Holz- und
Sägewerksindustrie ins Treffen geführte CO₂-Speicherung in
Holzprodukten darf nicht isoliert bewertet werden. Ihre Wirkung ist
zeitlich begrenzt und unmittelbar von Zustand, Wachstum und
Bewirtschaftung der heimischen Wälder abhängig. „ Die Argumentation
von H.J. Schellnhuber ist unsachlich und blendet den Zustand der
österreichischen Wälder konsequent aus, denn Österreich nutzt seine
Wälder bereits dramatisch über die Grenzen der Nachhaltigkeit hinaus
“, so der BOKU-Absolvent Spaun.
Zwtl.: Österreich nutzt seine Wälder bereits über die Grenzen der
Nachhaltigkeit hinaus
Nach den aktuellen Daten der Treibhausgasinventur des
Umweltbundesamtes haben Österreichs Wälder ihre frühere Funktion als
CO₂-Senke verloren. Während sie von 2016 bis 2018 jährlich
durchschnittlich rund 4,8 Millionen Tonnen CO₂ aufnahmen, wurden sie
2023 und 2024 zu einer CO₂-Quelle von durchschnittlich knapp 3,8
Millionen Tonnen pro Jahr . Der Landnutzungs- und Forstsektor
verursacht damit mittlerweile zusätzliche Emissionen von rund 8
Millionen Tonnen CO₂ .
Als Gründe nennt das Umweltbundesamt unter anderem hohe
Holznutzungen und große Schadholzmengen infolge klimabedingter
Waldschäden.
„ Wer die Speicherleistung von Holz hervorhebt, muss auch die
Entwicklung der Wälder offenlegen. Die Daten zeigen klar: Österreichs
Wälder erfüllen ihre frühere Klimaschutzfunktion nicht mehr,
Österreich verliert damit auch sein wichtigstes Kühlaggregat. Diese
Realität wird von Landwirtschaftsminister Totschnig und seinen
Mitstreitern in der Debatte über nachhaltiges Bauen ausgeblendet “,
so Spaun.
Zwtl.: Österreich steuert im Forstsektor auf eine Klimaziel-Lücke zu
Die Entwicklung hat auch europarechtliche Folgen. Im Rahmen der
EU-LULUCF-Verordnung hat sich Österreich verpflichtet, im
Landnutzungs- und Forstsektor jährlich 4,66 Millionen Tonnen CO₂
zusätzlich zu binden. Auf Basis der aktuellen Inventurdaten droht
eine deutliche Zielverfehlung. Die Konsequenz könnte teuer werden:
Fehlende Emissionsminderungen müssten in anderen Sektoren erbracht
oder durch den Ankauf von Zertifikaten ausgeglichen werden. Eine
einseitige Baustoffdebatte löst dieses Problem nicht – sie lenkt
davon ab.
Zwtl.: Zementindustrie treibt klimaneutrale Produktion voran
Die österreichische Zementindustrie investiert konsequent in die
klimaneutrale Produktion. Ihre Dekarbonisierungs-Roadmap verbindet
Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und CO₂-Abscheidung zu einem
klaren Transformationspfad. Die Fortschritte sind messbar: Lokale
Abfallströme liefern heute einen Großteil der Energie für die
Klinkerproduktion, rund 90 Prozent der fossilen Brennstoffe wurden
aus den Zementwerken verdrängt. Bereits ein Viertel der Rohstoffe
stammt aus „Urban Mining“ – aus recyceltem Bauschutt und
industriellen Nebenprodukten.
„ Die Branche hat Hunderte Millionen Euro in Dekarbonisierung und
Energieeffizienz investiert und zählt international zu den
emissionsärmsten Produzenten. Diesen Weg setzen wir entschlossen
fort. Klimaschutz ist aber keine Einbahnstraße: Er muss in allen
Sektoren gelten – auch in der Land- und Forstwirtschaft. Wer
Klimaschutz ernst nimmt, darf Emissionen nicht beschönigen und
Baustoffe nicht gegeneinander ausspielen. Österreich braucht ehrliche
Gesamtbilanzen, Technologieoffenheit und die wirksamste Lösung für
jedes Bauvorhaben “, so Sebastian Spaun, Geschäftsführer der VÖZ.





