Wien (OTS) – „Dass Bildungsminister Christoph Wiederkehr eine Debatte
über sechs
Wochen Sommerferien reflexartig abwürgt, ist umso erstaunlicher, weil
genau diese Forderung aus den eigenen Reihen kommt:
Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling nannte neun Wochen Ferien ,eine
Katastrophe‘, Abg. z. NR. Douglas Hoyos forderte ausdrücklich sechs
Wochen und auch Außenministerin Beate Meinl-Reisinger sprach sich
dafür aus. Man kann nicht jahrelang Reformen einfordern und dann die
Zugbrücke hochziehen, sobald man selbst Verantwortung trägt“,
kritisiert Wirtschaftsbund-Generalsekretärin Tanja Graf.
Für Graf geht die Debatte an einer zentralen Lebensrealität
vieler Familien vorbei. „Es geht nicht darum, Kindern Erholung
wegzunehmen. Sechs Wochen echte Sommerferien bleiben eine lange
Pause. Die gewonnenen drei Wochen könnten anstatt eines klassischen
Frontalunterrichts für ganztägige Betreuung, Sport, Sprachförderung,
MINT und individuelle Förderung genutzt werden. Laut aktueller
Marketagent-Befragung sagen 89 Prozent, dass die Sommerferien für
berufstätige Eltern schwer zu bewältigen sind. Wer hier jede
Diskussion abdreht, kehrt das Problem unter den Teppich, statt es zu
lösen.“
Die Betreuungslücke der Familien schlägt längst direkt auf die
Betriebe durch: Sie erschwert die Personalplanung, verschärft
Engpässe in den Sommermonaten und lässt dringend benötigtes
Arbeitskräftepotenzial ungenutzt. „Vereinbarkeit von Beruf und
Familie ist längst auch Standortpolitik. Wir müssen Schulzeiten,
Betreuung und Arbeitswelt endlich zusammendenken. Wiederkehr muss
sich entscheiden: Will er Reformen gestalten oder Reformdebatten
verhindern? Reformbereitschaft zeigt sich nicht in Sonntagsreden,
sondern dann, wenn konkrete Vorschläge auf dem Tisch liegen. Familien
und Betriebe brauchen Lösungen statt Denkverbote“, so Graf
abschließend.





